72. Fukuoka International Open Marathon Championship am 2. Dezember 2018: Japanisches Kontigent mit guten Chancen gegen die Konkurrrenz aus Übersee

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Mit dem Fukuoka International Marathon und dem Valencia Marathon am kommenden Sonntag geht eine mehr als ereignisreiche Straßenlaufsaison 2018 dem Ende entgegen. Im letzten Jahr sorgte die Veranstaltung in der südjapanischen Hafenstadt auf der Insel Kyushu in unseren Breiten für einiges Aufsehen, als dort der Norweger Sondre Moen völlig überraschend den Europarekord auf 2:05:48 steigern konnte. Eine Zeit in diesen Dimensionen wird man in diesem Jahr kaum erwarten können, dazu ist die Klasse der Eliteathleten kaum ausreichend. Und neben der kurzfristigen Absage eines potentiellen Siegers, dem Briten Callum Hawkins, glänzt das Elitefeld mehr durch eine solide Leistungsbreite als durch aktuelle Topleistungen.

fukuoka-mar-2016-winner-tsegayYemane Tseay gewann den Fukuoka Marathon im Jahr 2016. (c) H. Winter

Zwar hat der Sieger in Fukuoka aus dem Jahr 2016, Yemane Tsegay (ETH), eine Bestzeit von 2:04:48 aufzuweisen, diese Leistung erbrachte er allerdings schon vor gut sechs Jahren beim Rotterdam Marathon 2012. Im letzten Jahr hatte er (wie auch in früheren Rennen) einen schlechten Tag erwischt, kam nur in 2:18:05 ins Ziel und hätte diesbezüglich in Fukuoka noch etwas gut zu machen. Von seiner Vorleistung  wäre der kurzfristige Inhaber des japanischen Landesrekords von 2:06:11, Yuta Shitara (JPN) ein erster Anwärter auf den Sieg, doch Shitara hat nach einer Stressfraktur noch lange nicht sein früheres Leistungsniveau erreicht und will nach seinen Aussagen am Sonntag zunächst eine Zeit um 2:09 Stunden ins Auge fassen.

tokyo-mar-2018-shitaraYuta Shitara war nach dem Tokyo Marathon in 2:06:11 für ein halbes Jahr Inhaber des japanischen Landesrekords. (c) TBS/Screenshot

Vicent Kipruto (KEN) wird von vielen Seiten als der Favorit angesehen, zumal er noch im letzten Jahr beim Berlin Marathon als Fünfter 2:06:14 erzielte. Seine Bestzeit von 2:05:13 datiert aus dem Jahr 2010 vom Rotterdam, in diesem Frühjahr war er beim Hamburg Marathon in 2:10:31 gute 5 Minuten langsamer unterwegs. Ghirmay Ghebreslassie (ERI) wurde 2015 überraschend Marathon-Weltmeister und hatte 2016 ein starkes Jahr mit seiner PB beim London Marathon in 2:07:46 und Platz 4 bei Olympia in Rio de Janeiro. Im letzten Jahr war der London Marathon in 2:09:57 der letzte Lauf, den er über diese Distanz ins Ziel brachte. Ein weiterer „eingeladener Athlet aus Übersee“ ist Amanuel Mesel (ERI), der im letzten Jahr an gleicher Stelle in 2:09:22 Fünfter wurde.

Bei dieser „Klasse“ der eingeladenen (ausländischen) Athleten haben die einheimischen Läufer durchaus Chancen auf Topplatzierungen, zumal die Qualifikation für die Marathon Grand Championships, der Olympia-Qualifikation der Japaner im September 2019 für Olympia in Tokyo im Jahr 2020, in die finale Phase kommt. Diesbezüglich sind Zeiten von 2:08:30 bzw. 2:11 Stunden für die besten drei Japaner zu rennen. Bekanntester japanischer Starter ist natürlich der Boston Sieger von 2018 Yuki Kawauchi (JPN), der die Gunst der Elemente in Boston geschickt zu nutzen wusste. Danach waren seine Leistungen recht bescheiden, erst sein Halbmarathon vor 14 Tagen in Ageo mit einer Zeit von unter 1:03 Stunden lässt Hoffnung aufkommen, dass sich Yuki auch in diesem Jahr in Fukuoka achtbar schlägt.

prag-hm-2017-finish-yukiYuki Kawauchi ist in Fukuoka schon seit einigen Jahren stets dabei. (c) H. Winter

Aber selbst in der landesinternen Wertung dürfte es für das Lauf-Unikum nicht einfach werden, weit vorne zu landen, da der Marathonlauf der Männer in Japan in den letzten beiden Jahren erhebliche Schritte im Leistungsniveau nach vorne gemacht hat. Kentaro Nakamoto (JPN) gewann im letzten Jahr den Marathon von Beppu-Oita in 2:09:32, während Takuya Noguchi (JPN) den Marathon an der australischen Gold Coast in 2:08:59 gewann. Hayato Sonoda
(JPN) wurde im Frühjahr in 2:09:34 Zweiter beim Beppu-Oita Marahon und Takuya Fukatsu (JPN) schaffte im Frühjahr beim Marathon am Lake Biwa in Otsu auf Platz 7 2:09:31.

Auch Kohei Ogino (JPN) blieb in diesem Frühjahr bereits unter 2:10 Stunden, beim Tokyo Marathon erreichte er 2:09:36. Und von einer ganzen Reihe weiterer Aspiranten auf vordere Plätze ist vor allem Daichi Kamino (JPN) zu nennen, vor zwei Jahren der Star im Hakone-Team der Aoyama Gakuin Universität, der bisher aber nur eine Zeit im Marathon von 2:10:18 erreichte und nach wie vor auf seinen Durchbruch über diese Distanz wartet. Der Lauf wird am Sonntag um 12:10:00 Uhr (pünktlich!) im Heiwadai-Stadion gestartet und führt durch wesentliche Stadtteile von Fukuoka und Hakata.

Noch vor 14:20 Uhr wird der Sieger auf der Laufbahn erwartet, um 14:55 Uhr – da sind die letzten der ca. 500 Läufer 2:45 Stunden unterwegs – wird das Tor zum Stadion geschlossen. Zwei Minuten später ist dann die 72. Ausgabe des Fukuoka International Marathon bereits Geschichte. Für Sonntag ist für die Jahreszeit ungewöhnlich warmes Wetter vorhergesagt, aber schwacher Wind und Temperaturen beim Start um 18°C bei einem Taupunkt von 10°C sollten in recht akzeptablen Bedingungen für einen Marathonlauf resultieren.

 Liste der wichtigsten Eliteathleten:
Yemane Tsegay ETH 2:04:48 Rotterdam 2012
Vincent Kipruto KEN 2:05:13 Rotterdam 2010
Yuta Shitara JPN 2:06:11 Tokyo 2018
Ghirmay Ghebreslassie ERI  2:07:46  London 2016
 Yuki Kawauchi JPN 2:08:14  Seoul 2013
 Amanuel Mesel ERI 2:08:17 Valencia 2013
 Takuya Noguchi JPN  2:08:59  Gold Coast 2017
 Takuya Fukatsu JPN  2:09:31   Lake Biwa 201
 Kentaro Nakamoto JPN  2:09:32  Beppu-Oita 2017
Hayato Sonoda JPN 2:09:34 Beppu-Oita 2018
Kohei Ogino JPN 2:09:36 Tokyo 2018
Fumihiro Maruyama JPN 2:09:39 Lake Biwa 2016
Yuma Hattori JPN 2:09:46 Tokyo 2017
Jo Fukuda JPN 2:09:52 Gold Coast 2018
Yoshiki Takenouchi JPN 2:10:01 Fukuoka 2017
Satoru Sasaki JPN 2:10:10 Lake Biwa 2017
Daichi Kamino JPN 2:10:18 Tokyo 2018