36. Mainova Frankfurt Marathon am 29. Oktober 2017: Shura Kitata Tola und Vivian Cheruiyot im Kampf gegen den Wind vorne

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Der Äthiopier Shure Kitata Tola sowie Vivian Cheruiyot (KEN) gewannen die 36. Auflage des Mainova Frankfurt-Marathon am heutigen Sonntag. Nachdem kritische Wetterbedingungen die Diskussionen im Vorfeld des Rennens bestimmten, spielte dann aber der Wettergott mit und schickte statt Regenschauern Wolken und sogar Sonnenstrahlen. Hinsichtlich des Winds kannte er kein Pardon, der blies zum Teil heftig und machte die Bewältigung der Strecke für alle Aktive zu einer schwierigen Aufgabe. Angesichts der äußeren Bedingungen war die Siegerzeit von 2:05:50 durch Tola hervorragend, wie auch die Zeit von Cheruiyot von 2:23:35. Auch die deutschen Teilnehmer schlugen sich mehr als achtbar, Katharina Heinig in 2:29:29 sowie Arne Gabius in 2:09:59 errangen die Titel der im Rahmen der Veranstaltung ausgetragenen deutschen Meisterschaften.

frankfurt-mar-2017-kitata-42kmShure Kitata Tola gewann die 36. Auflage des Frankfurt Marathon. (c) H. Winter

Das Rennen der Männer begann mit einem (zu) schnellen ersten Kilometer in 2:48, danach fand man bald ein moderateres Niveau auf hohem Niveau. Nach 5 km in 14:45 lag eine 8-köpfige Gruppe zusammen mit drei Tempomachern an der Spitze, eine zweite Gruppe mit dem frischgebackenen Vater eines Sohnes Arne Gabius lag hier in 15:14 schon eine halbe Minute zurück und hatte mit dem weiteren Ausgang des Rennens ganz vorne nichts mehr zu tun. Über 29:31 bei 10 km, 44:03 bei 15 km und 59:06 bei 20 km erreichten zwei Pacemaker zusammen mit fünf Topläufern die Halbdistanz in 1:02:30, man war also auf Kurs zu schnellen 2:05 Stunden lag.

frankfurt-mar-2017-spitze-men-25kmDie Spitzengruppe bei den Männern nach gut 23 km. (c) H. Winter

Nach 25 km in 1:14:27 waren neben den beiden Tempomachern Vincent Kipchumba und Vincent Yator (beide KEN) die beiden Erstplatzierten des Vorjahres Mark Korir und Martin Kosgey (beide KEN) sowie die drei Äthiopier Shure Kitata Tola, der Mann mit der besten Vorleistung von 2:04:32 Getu Feleke sowie Kekile Woldaregay. Als die beiden Tempomacher bei 30 km nach 1:29:42 ihre Dienste quittierten, konnten sich schon bald die drei Äthiopier an der Spitze absetzen, Korir und Kosgey fielen schnell zurück und sollten ihre Vorjahreserfolge nicht wieder holen können. Es war nun Feleke, der in der Kopfgruppe auf das Tempo drückte, der km-Split nach 31 km lag z.B. bei 2:51 Minuten.

frankfurt-mar-2017-3-eth-37kmNach 35 km bestimmten die drei Äthiopier Tola, Woldaregay sowie Feleke (v.l.) das Rennen. (c) H. Winter

Nach 37 km setzte sich überraschend der weitgehend unbekannte Woldaregay zusammen mit dem Gewinner des verregneten Rom Marathon 2017, Shura Tola, an die Spitze und Feleke konnte sehr bald nicht mehr folgen. Der entsprechende km-Abschnitt wurde in 2:53 Minuten absolviert. Und ein Split von sogar 2:52 nach 40 km in 1:59:12 brachte Tola allein an die Spitze und auf Kurs zu einer Zeit von unter 2:06 Stunden, der Schwelle zur absoluten Weltklasse. Tola war zwar nun auch am Limit und wurde etwas langsamer, aber es reichte sehr deutlich zu einem weiteren Sieg in einem bedeutenden Marathon.

Nach 2:05:50 beendete er seinen Auftritt auf dem roten Teppich in der Frankfurter Festhalle, vor seinen beiden Landsmännern Woldaregay in 2:06:56 sowie dem Favoriten im Vorfeld, Getu Feleke, in 2:07:46. Zum ersten Mal gab es in Frankfurt ein rein äthiopisches Podium bei den Männern, auf dem gewöhnlich immer die Konkurrenten aus Kenia standen. Eine noch bessere Zeit des Siegers wurde zwischen 20 km und 30 km verspielt, wo die 5 km-Abschnitte mit 15:21 und 15:16 für ein schnelles Rennen zu langsam waren. Hier dürfte der Wind eine Rolle gespielt haben.

Hinter dem Spitzentrio liefen die Dinge nicht weniger spannend. Martin Kosgey „rettete“ in 2:09:39 die Ehre der Kenianer, denn danach kamen schon im 10-Sekundentakt die besten Europäer. Allen voran war das sehr erstaunlich Dewi Griffiths (GBR), der in 2:09:49 ein glanzvolles Debüt aufs Frankfurter Plaster legte. Der Brite hatte lange mit seinen weiteren europäischen Mitstreitern Gabius und Henryk Szost (POL) in einer Verfolgergruppe gelegen, die sogar den Vorjahressieger Mark Korir stellen konnte; der wurde am Ende in 2:12:37 nur Zwölfter.

frankfurt-mar-2017-gabius-42kmArne Gabius gelang eine Punktladung in 2:09:59 nach einem sehenswerten Finale gegen den Polen Henryk Szost. (c) H. Winter

Der junge Vater Gabius schaffte es in 2:09:59 soeben noch unter die Schallmauer von 2:10 Stunden und wurde damit hochüberlegen deutscher Marathon-Meister. Mit seiner Punktlandung auf dem roten Teppich der Festhalle, auf dem ihn der Renndirektor Jo Schindler nach dem Zieleinlauf für einige Zeit stützen musste, ist Gabius nach Jörg Peter der zweite deutsche Läufer, der die 2:10 Stunden dreimal unterbieten konnte. Und Szost wurde weitere 10 Sekunden später in 2:10:09 Siebter. Bleibt noch anzumerken, dass sich Jonas Koller aus Freiburg in 2:16:03 den deutschen Vize-Meistertitel vor Frank Schauer in 2:16:30 holte. Beide Läufer könnten wir bei der Heim-EM im Sommer 2018 in Berlin auf dem Innenstadt-Kurs wiedersehen. Gabius erteilte einer Teilnahme am EM-Marathon eine Absage und möchte dort lieber über 10000 m an den Start gehen. Danach soll dann ein lukrativer Herbst-Marathon folgen.

Bei den Frauen war die Entscheidung zu Gunsten der hohen Favoritin und Topstar Vivian Cheruiyot (KEN) früh gefallen, die sich sofort nach dem Start von ihren Mitstreiterinnen absetzte und ein Tempo auf 2:20 Stunden einschlug. 5 km passierte sie nach 16:45 und lag da schon eine halbe Minute vor einer sechsköpfigen Gruppe, fast ausschließlich aus äthiopischen Läuferinnen. Fate Tola, die überlegene Favoritin auf den deutschen Titel, lag weitere 15 Sekunden zurück und Katha(rina) Heinig kam noch einmal 15 Sekunden später. An diesem Ranking änderte sich zunächst wenig, Cheruiyot passierte 10 km nach 33:25 mit über einer Minute Vorsprung auf die Konkurrenz, 15 km nach 49:39 und 20 km nach 1:06:24, wo ihr Vorsprung auf 2 volle Minuten angewachsen war.

frankfurt-mar-2017-cheruiyot-42kmVivian Cheruiyot gewann überlegen die Konkurrenz der Frauen. (c) H. Winter

Beim Halbmarathon nach 1:10:07 war Vivian bestens unterwegs zu einer Topzeit, hinter einem Sextett mit 2 Minuten Rückstand kamen Fate Tola mit Sarah Hall (USA), die weitere 1 1/2 Minuten zurücklagen. Erst nach 1:14:28 folgte Katharina Heinig, womit sie aber trotzdem auf Kurs zu einer Zeit um 2:29 Stunden lag. An der Spitze wurde die Fahrt von Cheruiyot nun zunehmend langsamer. Über 25 km in 1:23:20 und 30 km in 1:40:14 kam sie nach 31 km an den Punkt, wo sie „nur noch“ auf Kurs des Streckenrekords von 2:21:01 lag. Doch auch diese Fahrt konnte sie nicht halten. Nach 35 km in 1:57:23 rutschten die km-Splits oberhalb von 3:30 Minuten und bei 40 km in 2:15:22 war selbst eine Zeit unter 2:23 Stunden kaum noch zu schaffen. Unangefochten siegte die kleine Kenianerin nach 2:23:35, womit sie ihre Bestzeit vom Debüt in London um 15 Sekunden steigern konnte.  Damit erfüllten sich die Hoffnungen der Franfurter Veranstalter nicht, erstmal auf dem Kurs durch die Mainmetropole eine Zeit bei den Frauen von unter 2:20 Stunden erzielen zu können.

Wie stark die Kenianerin einbrach, verdeutlicht eine zweite Hälfte, die 3 1/2 Minuten langsamer zurückgelegt wurde als der erste Part. Dass diesbezüglich der stark wechselnde Wind einen erheblichen Anteil daran hatte, steht außer Frage. Auf Platz 2 kam Yebrgual Arage (ETH) in 2:24:30 ins Ziel, kurz dahinter Meskerem Wondimagegn (ETH) in 2:24:38. Vierte wurde Sarah Hall (USA), die ihre Bestzeit vom Tokyo Marathon im Februar um eine weitere Minute steigern konnte. Um die deutsche Meisterschaft bei den Frauen entwickelte sich ein spannender Zweikampf, der bei 30 km schon für Fate Tola entschieden schien. Die führte nämlich in 1:44:51 mit gut einer Minute Vorsprung auf „Katha“ Heinig.

frankfurt-mar-2017-katha-42kmKatharina Heinig zusammen mit Tempomacher der letzten km – Philipp Baar – auf dem Weg zur deutschen Meisterschaft. (c) H. Winter

Doch die Tochter der ehemaligen Weltklasse-Läuferin Katrin Heinig hatte sich das Rennen grandios eingeteilt und kam nun der eingebürgerten Äthiopierin immer näher. Bei 35 km in 2:03:22 war der Vorspung von Tola auf eine halbe Minute zusammengeschmolzen. Nun blies Heinig zum Angriff und bei ca. 37 km zog sie an Tola vorbei, die sich nur kurz wehrte, bevor sich dann die Frankfurterin mit dem Tempomacher Philipp Baar – der amtierende deutsche Halbmarathon-Meister – davon machte und über 2:21:46 bei 40 km den roten Teppich und das Ziel nach 2:29:29 erreichte. Damit war neben der Meisterschaft auch der Start bei der EM im kommenden Jahr abgehakt. Tola kam dann mit deutlichen Rückstand in 2:30:12 als Gesamtneunte ins Ziel, nachdem es im letzten Jahr noch zum zweiten Rang gereicht hatte.

Zusammen mit den Eliteathleten kamen im Marathon 8777 Männer sowie 3029 Frauen ins Ziel, also 11806 Finisher bei ca. 14500 Meldungen. Insgesamt waren bei der Veranstaltung, die wegen der Kapriolen des Wetters kurz vor der Absage stand, über 25.000 Aktive in diversen Läufen auf den Beinen.

 Ergebnisse Marathon der Männer:
1 Tola, Shura Kitata (ETH) 02:05:50
2 Woldaregay, Kelkile Gezahegn (ETH) 02:06:56
3 Zegeye, Getu Feleke (ETH) 02:07:46
4 Kosgey, Martin Kiprugut (KEN) 02:09:39
5 Griffiths, Dewi (GBR) 02:09:49
6 Gabius, Arne (GER) 02:09:59
7 Szost, Henryk (POL) 02:10:09
8 Smith, Scott (USA) 02:12:21
9 Fauble, Scott (USA) 02:12:35
10 Korir, Mark (KEN) 02:12:37
11 Chepkok, Vincent Kiprop (KEN) 02:13:31
12 Llano, Matt (USA) 02:13:42
13 Ng’Elel, Willy Kiplangat (KEN) 02:14:49
14 Shegumo, Yared (POL) 02:15:24
15 Koller, Jonas (GER) 02:16:03
16 Gras, Michael (FRA) 02:16:12
17 Schauer, Frank (GER) 02:16:30
18 Wägeli, Patrik (SUI) 02:17:02
19 Blazinski, Marcin (GER) 02:17:35
20 Torry, Nicholas (GBR) 02:17:37
 Ergebnisse Marathon der Frauen:
1 Cheruiyot, Vivian Jepkemoi (KEN) 02:23:35
2 Arage, Yebrgual Melese (ETH) 02:24:30
3 Wondimagegn, Meskerem Assefa (ETH) 02:24:38
4 Bekele, Abebech Afework (ETH) 02:26:45
5 Hall, Sara (USA) 02:27:21
6 Hasen, Merima Mohammed (BRN) 02:27:49
7 Medugu, Sylvia Mmboga (KEN) 02:29:09
8 Heinig, Katharina (GER) 02:29:29
9 Tola, Fate (GER) 02:30:12
10 Incerti, Anna (ITA) 02:32:11
11 Holm, Anna (DEN) 02:33:02
12 Hottenrott, Laura (GER) 02:34:43
13 Reng, Franziska (GER) 02:34:57
14 Iozzia, Ivana (ITA) 02:39:15
15 Gyurko, Fanni (HUN) 02:39:48
16 Tschurtschenthaler, Agnes (ITA) 02:40:40
17 Zarina, Nina (RUS) 02:43:03
18 Kusterer, Nora (GER) 02:44:29
19 Mach, Angelika (POL) 02:46:23
20 Dr. Haughuus, Amalie (DEN) 02:46:38