Nach den Kenyan Trials: Die „Kenianer“ wollen Mo Farah bei der WM jagen

Am 22. August gibt gleich zum Beginn der WM in Beijing neben dem Marathon der Männer mit den 10000 m Lauf auf der Bahn zwei Highlights auf den Langstrecken. Und wenn es nach den Kenianern ginge, dürfte es dort nur eine Nation auf dem Podium geben. Während das im Marathon mit den Weltrekordlern Wilson Kipsang (2:03:23) und Dennis Kimetto (2:02:57) durchaus realistisch erscheint, wird das im 10000 m Lauf ungleich schwerer zu realisieren sein.

Denn dort gibt es mit dem britischen Superstar Mo Farah und in Einschränkungen auch mit dem US-Läufer Galen Rupp zwei nicht-afrikanische Konkurrenten, die für die Afrikaner in den letzten Jahren schier unbezwingbar erschienen. So ging z.B. über die 10000 m bei den Olympischen Spielen in London 2012 Gold an Farah und Silber an Rupp. Da ferner Tariku Bekele Bronze für Äthiopien holte, war Kenia ohne Medaillegeblieben. Ein Unding für das Läuferland Nr. 1 auf dem Globus. Auch bei der letzten WM 2013 in Moskau war es kaum besser: Farah gewann, vor Ibrahim Jeilan (ETH). Immerhin gab es noch Bronze durch Paul Tanui für Kenia. Das letzte WM-Gold durch Charles Kamathi geht auf das Jahr 2001 zurück. Das ist lange her!

Das wollen die Kenianer in gut zwei Wochen unbedingt ändern. Dass dazu die Chancen halbwegs realistisch erscheinen, deuteten die kenianischen Topläufer über 10000 m bei den kenianischen Trials am letzten Wochenende an. Im der gut 1600 m hoch gelegenen Hauptstadt Nairobi liefen vor allem die drei Erstplatzierten Zeiten, die es in dieser Klasse in dieser Region noch nicht gegeben hat. Paul Tanui – Dritter der letzten WM – machte zunächst das Tempo, das dann im Mittelteil der aktuell in Japan lebende Bedan Karoki übernahm. Dies führte dazu, dass die Spitze ausdünnte und diese Taktik am Ende dem amtierenden Cross- und Halbmarathon-Weltmeister Geoffrey Kamworor mit einem starken Finish den Sieg brachte.

Was dabei vor allem beeindruckend war, waren die Zeiten die unter diesen Bedingungen herauskamen: Kamworor lief als Erster grandiose 27:11,89, dann kam Karoki in 27:15,33 und Tanui in 27:18,45. Extrapoliert man diese Zeiten auf Seehöhe und zieht dann auch noch Temperatur und vor allem Luftfeuchtigkeit in die Abschätzung mit ein, ergeben sich Zeiten, die zweifellos mit der Jahresbestzeit von Farah von 26:50,97 konkurrieren können, die der Brite am 29. Mai in Eugene erzielte.

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Geoffrey Kamworor (Kipsang, links) hier beim Berlin Marathon 2013 will zwei Jahre später in Beijing Weltmeister über 10000 m werden.  Wilson Kipsang (rechts) geht in Beijing im Marathon an den Start. (c) H. Winter

Wie schon an dieser Stelle mehrfach ausgeführt, wird Farah auch bei der kommenden WM mit einem „langsamen“ Rennen kaum zu schlagen sein. Erst vor kurzem in Monaco lief er die 1500 m wieder deutlich unter 3:30 Minuten und zeigte auch bei seinen anderen Auftritten über 5000 m und 10000 m unvermindert höchste Spurtqualitäten. Somit kann die Taktik der Kenianer nur ein Rennen am absoluten Limit sein, das dem Superstar schon weit vor dem Finale alles abverlangt. Wenn man in der Sequenz Tanui – Karoki – Kamworor zu Werke schreitet und dabei sogar über dem WM-Rekord-Tempo von Kenenisa Bekele vom Lauf bei der WM in Berlin 2009 von 26:46,31 agiert, dann könnte es sein, dass Farah abreisen lassen muss. Dem Halbmarathon-Weltrekordler Zsersenay Tadese (ERI) hatte eine solche Tempotaktik immerhin 2009 hinter Bekele die Silbermedaille gebracht.

“The colour of the medal does not matter. Our aim is to win the 10,000m title and God willing, we can do it. We were talking to each other to encourage each other and see how it can be in Beijing. I think with the support of Karoki and Tanui, we can terribly beat Farah” sagte Kamworor.

Ferner Karoki: “If we go to China and run like today, we can bring home all the medals. Team work is the most important thing to realise our dream. We did it in China and we are happy Paul has joined us.“ und Tanui: “For me, I’m glad to be with guys we can go and run together and it feels good to be back in the Kenyan team. If we repeat what we did today, it’s possible to come home with all medals.“

 

Ergebnis der Kenyan Trials in Nairobi (KEN):

  1. Geoffrey Kipsang Kamworor 27:11,89
  2. Bedan Karoki 27:15,33
  3. Paul Tanui 27:18,45
  4. Vincent Yator 27:33,45
  5. Leonard Barsoton 27:35,75
  6. Geoffrey Kirui Kipkorir 27:42,66
  7. James Rugaru 27:50,09
  8. William Sitonik 27:54,35
  9. Stephen Arita 27:55,17
  10. Charles Yosei 29:02,54

 

Die Weltmeister der letzten Jahre:

2013 Mo Farah GBR 27:21.71
2011 Ibrahim Jeilan ETH 27:13.81
2009 Kenenisa Bekele ETH 26:46.31
2007 Kenenisa Bekele ETH 27:05.90
2005 Kenenisa Bekele ETH 27:08.33
2003 Kenenisa Bekele ETH  26:49.57
 2001  Charles Kamathi KEN  27:53.25
 1999  Haile Gebrselassie ETH  27:57.27

„Halbzeit“ – Rückblick auf die globale Laufszene in der ersten Hälfte des Jahres 2015 – Teil 2

Auch der Monat März war in der Tat ereignisreich. Nachdem am Lake Biwa im japanischen Otsu der Kenianer Samuel Ndungu den dortigen Traditions-Marathon (Gold Label der IAAF) in 2:09:08 mit großen Vorsprung gewinnen konnte, gab es eine Woche später im nur unweit gelegenen Nagoya eine neue globale Rekordmarke. Die Russin Mariya Konovalova wurde beim Nagoya-Marathon zwar nur hinter Eunice Kirwa (KEN, 2:22:08) in 2:22:27 Zweite. Diese Zeit bedeutete aber für die im August 1974 geborene Russin einen neuen Masters-Weltrekord im Marathon der Frauen.

konovalova-chicago-2013Die Russin Mariya Konovalova lief beim Nagoya Marathon in 2:22:27 einen neuen Marathon-Masters-Weltrekord für Frauen.  (c) H. Winter

Bemerkenswert für das erste Halbjahr 2015 war dabei, dass dieser Rekord auch bei den Männern fiel. Und dies gleich zweimal: Im April und im Juli jeweils durch den Kenianer Kenneth Mungara.

mo-lisboa-2015-pkLauflegende Mo Farah bei der Pressekonferenz des Halbmarathons in Lissabon. Anschließend gewann er den Lauf und schaffte mit 59:32 einen neuen Europarekord.  (c) Veranstalter

Einen Europarekord lief nach einem kuriosen Rennverlauf der Brite Mo Farah beim Lissaboner Halbmarathon in 59:32. Dabei lag der Topstar der Langstreckenszene auf der Bahn schon scheinbar abgeschlagen zurück, bevor er im Spurt an einer weiteren Größe der Bahnleichtathletik, dem Kenianer Micah Kogo, vorbeizog. Den Halbmarathon in Prag gewannen Daniel Wanjiru (KEN) in 59:51 und Worknesh Degefa (ETH) in 1:07:14, und der Weltrekordversuch über die gleiche Distanz in Berlin durch den Schnellsten des Vorjahres, Abraham Cheroben (KEN), war durch starken Wind schon früh zum Scheitern verurteilt. Am Ende war hier Birhane Legesse (ETH) in 59:45 vorne, Cheroben wurde Dritter. Die Jagd des neuen Stars der deutschen Straßenlaufszene Arne Gabius auf den deutschen Rekord von Carsten Eich (1:00:30) scheiterte an Magenkrämpfen nach 11 km.

gabius-portrait-frankfurt-2015Arne Gabius musste beim Berliner Halbmarathon nach Magenbeschwerden das Tempo nach 11 km herausnehmen.  (c) H. Winter

Die bisher schnellste Zeit des Jahres über die Halbmarathon-Distanz lief am 8. März der Kenianer Stanley Biwott beim City-Pier-City Loop in der niederländischen Hauptstadt Den Haag mit 59:20. Und eine Woche später gab es durch die Siege von Wilson Loyanae Erupe (KEN) in 2:06:11 beim Seoul International Marathon und von William Yegon (KEN) in Barcelona mit 2:08:16 sehr beachtliche Leistungen. Beim mittlerweile hochkarätigen Rom-Marathon war diesmal bei strömendem Regen nur eine Zeit von 2:12:23 durch Abebe Negefa (ETH) möglich.

20th Rome MarathonAbebe Negefa (ETH) gewann im strömenden Regen den Rom Marathon.  (c) Veranstalter

Traditionell häufen sich dann im April innerhalb von zwei Wochen die hochklassigen Läufe des Frühjahrs. Zuvor siegte bereits am 5. April im (süd-)koreanischen Daegu der Äthiopier Girmay Birhanu in beachtlichen 2:07:26, den Streckenrekord von immerhin 2:06:51 schaffte er damit aber nicht. Eine Woche später gab es dann kaum erwartet das nächste Highlight des Jahres: Beim Mailand Marathon siegte Kenneth Mungara in 2:08:44. Paradoxerweise hatte dort Lauflegende Haile Gebrselassie den Startschuss gegeben, der dann einen Monat später nach dem Great Manchester Run seinen (endgültigen) Rücktritt vom Leistungssport bekanntgab. Dort beendete er den Lauf über10 km in 30:05 auf Platz 16, der Sieger Stephen Sambu (KEN) war da mit 27:30 schon lange im Ziel. Haile hatte in letzter Zeit noch den Marathon-Masters-Weltrekord (40+) im Visier, den Andres Espinoza (MEX) 2003 mit 2:08:46 in Berlin aufstellte. Nun unterbot in Mailand ausgerechnet der am 7. September 2013 geborene Mungara diese Marke um 2 Sekunden.

paris-marathon-2015-korirIn offiziellen 2:05:49 gewann Mark Korir (KEN) den Paris Marathon 2015.  (c) H. Winter

Am gleichen Tag siegten in Paris Mark Korir (KEN) in 2:05:49 und Meseret Mengistu (ETH) in 2:23:24 und in Rotterdam lagen 15 Läufer zur Hälfte in 1:02:05 auf Weltrekordkurs. Kräftiger Wind und schwindende Kräfte forderten ihren Tribut, Abera Kuma war am Ende in 2:06:46 noch der Beste. Und noch schlimmer erwischte es die Spitze beim Wien Marathon, wo der Äthiopier Sisay Lemma in 2:07:31 die Leistungsbilanz eines Golden Label Events rettete, danach gab es mit Duncan Koech in 2:12:14 und der Siegerin Maria Neuenschwander (SUI) nur Mittelmaß. Und auch Vorjahressiegerin Anna Hahner auf Platz 5 in 2:30:50 konnte das kaum ändern.

Am 19. April konnten die Läufe in Enschede und Hannover mit Siegen von Evans Cheriuyot (KEN) in 2:09:40 und Jacob Ceshari (KEN) in 2:09:32 ihre Serie schneller Zeiten nicht fortsetzen, dafür meldete man aus San Antonio (Italien) mit dem Sieg von Robert Kipkemboi in gleichfalls 2:09:32 eine beachtliche Zeit. Auch in Zürich war mit 2:11:35 durch Edwin Kemboi der Höhenflug erst einmal vorbei, wobei sich das japanische Lauf-Unikum Yuki Kawauchi in bekannter Manier auf Platz 2 in 2:12:13 kämpfte. Das war dann auch die bislang beste Zeit des Jahres für den eigenwilligen Japaner, der nach seiner Verletzung zu Silvester in Barcelona und unverminderten Startaktivitäten so langsam seinem Raubbau der Ressourcen Tribut zu zollen scheint.

dubai-2015-desisa-40kmLelisa Desisa (ETH) gewann nach Platz 2 in Dubai den Boston Marathon 2015.  (c) H. Winter

Beim traditionellen Boston Marathon hielten sich die afrikanischen Topathleten merklich zurück, so dass heimische Läufer die Tempogestaltung übernahmen. Am Ende lagen aber doch die Afrikaner vorne. Lelisa Desisa (ETH) siegte in 2:09:17 nach Platz 2 im Januar in Dubai und Caroline Rotich gewann die Frauenkonkurrenz in 2:24:55. Der Sensationssieger des Vorjahres Meb Keflezighi (USA) landete diesmal auf Platz 8 in 2:12:42.

Eine Woche später setzte man in Hamburg durch Lucas Rotich (KEN) in 2:07:17 das Niveau guter Siegerzeiten fort, während in Düsseldorf der (unfreiwillige) Verzicht auf ostafrikanische Topläufer Wirkung zeigte. Marius Ionescu (ROM) siegte in 2:13:19, da war man in den Vorjahren wesentlich schneller. Der deutsche Läufer André Pollmächer lag nach der Hälfte in 1:05:52 noch gut im Rennen, musste dann aber nach 26 km mit Fußproblemen aufgeben. Dafür schaffte man in Warschau durch die Verpflichtung des Siegers des Dubai Marathons Hayle Berhanu Lemi (ETH) in 2:07:57 eine beachtliche Zeit.

warschau2015-siegerDie Männer für das Podium nach dem Warschau Marathon. In der Mitte der Sieger Lemi Berhanu Hayle oder Hayle Lemi Berhanu oder Berhanu Lemi …  (c) Veranstalter

Der Höhepunkt des Frühjahrs war natürlich wieder der London Marathon, wo man bei Frauen sowie Männern wieder die absolute Weltklasse an den Start brachte. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, die sich aber vor allem bei den 50 Minuten früher gestarteten Frauen nicht in Ansätzen erfüllten. Hatte man im Vorfeld durch das Aufeinandertreffen der aktuell besten Marathon-Läuferinnen einen Angriff auf Zeiten in den Regionen einer Paula Radcliffe erwartet – die war übrigens auch am Start und lief einen beeindruckenden „Abschieds-Marathon“ – , so war schon jenseits der 10 km klar, dass diese Hoffnungen arg enttäuscht wurden. Beim Halbmarathon nach 1:11:43, lag man bereits etwa 3 Minuten hinter den Vorgaben. Am Ende profitierte mit Tigist Tufa (ETH) eine Läuferin von dem moderaten Tempo, die keiner auf der Rechnung hatte.

londom-mar-2015-tufa-40kmTigist Tufa (ETH) gewann etwas überraschend aber nicht minder souverän den London Marathon bei den Frauen.  (c) H. Winter

Dabei sorgte Tufa mit einer Bestzeit von immerhin 2:21:52 (Shanghai 2014) im Januar beim Dubai Marathon bis 35 km für Furore, wo sie als kurzfristige Nachmeldung lange auf Kurs von 2:18 Stunden vor dem Feld herlief, dann aber aufgab. In London war das diesmal anders, als sie im Tunnel 7 km vor dem Ziel antrat, konnte keine Kontrahentin folgen und Tufa gewann deutlich in allerdings angesichts der hohen Erwartungen schon enttäuschenden 2:23:22. Das sind immerhin 3 ½ Minuten hinter der besten Zeit des Jahres und noch mehr zu Paulas Fabelzeiten, die diesmal zum Abschied recht locker 2:36 Stunden schaffte.

london-2015-kipchoge-finish-42kEliud Kipchoge (KEN) gewann den London Marathon 2015.  (c) H. Winter

Das Rennen der Männer verlief auf deutlich höherem Niveau, obwohl auch hier nach der Hälfte in 1:02:19 eine Zeit in Weltrekordnähe nicht mehr zu schaffen war. Dafür entwickelte sich ein beeindruckendes Ausscheidungsrennen, in dem es zum Showdown der (kenianischen) Topstars der Szene kam: Wilson Kipsang (Vorjahresssieger, Ex-Weltrekordler, 2:03:23), Dennis Kimetto (Weltrekordler, 2:02:57) und Eliud Kipchoge (Chicago-Sieger 2014, 2:04:05). Am Ende setzte sich nicht ganz unerwartet Eliud Kipchoge in sehr guten 2:04:42 durch, wobei er den letzten km in phänomenalen 2:41 lief, auch 6:13 von der 40 km-Marke ins Ziel waren bemerkenswert. Somit reichte es für Wilson Kipsang in 2:04:47 diesmal nur zu Platz 2 und der nicht ganz fitte Weltrekordler Kimetto lag mit 2:05:50 deutlich dahinter.

london-2015-wilson-42kmEx-Weltrekordler und London Champion 2014 wurde Zweiter in London.  (c) H. Winter

Insbesondere der Schlussteil dieses Laufs – großartig im TV von der BBC in Szene gesetzt – war sicherlich einer der Höhepunkte des Frühjahrs, und ferner ist die Siegerzeit von Kipchoge die weiterhin schnellste Zeit des Jahres im Marathon der Männer.

Ab Mai „dünnen“ dann die hochkarätigen Marathonläufe aus. Am 3. Mai siegten in Prag Felix Kandie (KEN) in 2:08:32 und Yebrgual Melese (ETH) in 2:23:49 und Ende Mai lief man im kanadischen Ottawa in ähnlichen Dimensionen mit den äthiopischen Siegern Girmay Birhanu in 2:08:14 und Abebech Afework in 2:23:53. Zwischendrin gab es am 10. Mai bei den BIG25 über die selten gelaufene Distanz von 25 km einen Weltrekordangriff von Abraham Cheroben (KEN), der aber mit guten 1:12:31 im kräftigen (Gegen-)Wind im zweiten Teil scheiterte. Beachtlich war zudem die Zeit der Siegerin von 1:21:55 durch Sutume Kebede (ETH).

big25-2015-kebedeSutume Kebede (ETH) war die schnellste Frau bei den BIG25 2015.  (c) H. Winter

Am 13. Juni lief Abayuch Woldegiorgis (ETH) im chinesischen Langzhou am Ufer des Gelben Flusses mit 2:10:10 einen Streckenrekord, und der fiel auch einen Monat später am 5. Juli an der australischen Gold Coast. Dort blieben gleich 3 Läufer unter dem Streckenrekord von 2:09:14. Kenneth Mungara gewann in 2:08:42 und steigerte damit seinen Masters-Weltrekord um weitere 2 Sekunden. Ferner lief niemand bisher auf australischem Boden als auch im Monat Juli schneller. Yuki Kawauchi gewann diesen Lauf noch im Jahr 2013, diesmal endete der wackere Japaner in schwachen 2:16:23 nur auf Platz 8.

gold-coast-2015-mungara-zielKenneth Mungura (KEN) verbesserte beim Marathon an der australischen Gold Coast den Masters-Marathon-Weltrekord zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate.  (c) H. Winter

Somit war das erste Halbjahr 2015 der internationalen Straßenlaufszene in der Tat wieder sehr ereignisreich und mit den hochkarätig besetzten WM-Marathons im August in Beijing sowie danach den Stadtmarathons in Berlin, Chicago, Frankfurt, New York, etc. wird auch die zweite Hälfte des Jahres 2015 sicher wieder die hohen Erwartungen erfüllen.

Die TOP10 im Marathon der Männer 2015 (Quelle: IAAF)

1. Eliud Kipchoge KEN 2:04:42 London, 26.April
2. Wilson Kipsang KEN 2:04:47 London, 26. April
3. Berhanu Lemi ETH 2:05:28 Dubai, 23. Januar
4. Mark Korir KEN 2:05:49 Paris, 12. April
5. Dennis Kimetto KEN 2:05:50 London, 26. April
6. Lelisa Desisa ETH 2:05:52 Dubai, 23. Januar
7. Endeshaw Negesse ETH 2:06:00 Tokyo, 22. Februar
8. Deribe Robi ETH 2:06:06 Dubai, 23. Januar
9. Wilson Erupe KEN 2:06:11 Seoul, 15. März
10. Moses Mosop ETH 2:06:19 Xiamen, 3. Januar

Die TOP10 im Marathon der Frauen 2015 (Quelle: IAAF)

1. Mare Dibaba ETH 2:19:52 Xiamen, 3. Januar
2. Aselefech Mergia ETH 2:20:02 Dubai, 23. Januar
3. Gladys Cherono KEN 2:20:03 Dubai, 23. Januar
4. Lucy Kabuu KEN 2:20:21 Dubai, 23. Januar
5. Shure Demise ETH 2:20:59 Dubai, 23. Januar
6. Aberu Kebede ETH 2:21:17 Dubai, 23. Januar
7. Mulu Seboka ETH 2:21:56 Dubai, 23. Januar
8. Eunice Kirwa KEN 2:22:08 Nagoya, 8. März
9. Tatjana Shmyrko UKR 2:22:09 Osaka, 25. Januar
10. Mariya Konovalova RUS 2:22:27 Nagoya, 8. März

„Halbzeit“ – Rückblick auf die globale Laufszene in der ersten Hälfte des Jahres 2015 – Teil 1

Keine Frage, die internationale Straßenlaufszene bleibt in Bewegung, auch im ersten Halbjahr des Jahres 2015. In vielfältiger Hinsicht setzte sich die Flut an herausragenden Leistungen und außergewöhnlichen Ereignissen aus den Vorjahren fort. Der Lauf auf den Straßen durch die Städte dieser Welt kennt keine Pause mehr, auf globaler Skala wird zu jeder Zeit mit Volldampf gelaufen. Und wie!

Auch im bisherigen Teil des Jahres 2015 wurden wieder viele Bestzeiten aufgestellt, gekrönt von einigen Weltrekorden. Aber auch der Schatten des Dopings lässt die Laufszene nicht los, dabei verdichten sich Hinweise, die in die Hochburgen der Laufeliten Ostafrikas führen. Auch in Deutschland werden Schlagzeilen jenseits der Laufstrecken produziert. Hier sorgt die sog. „Lauf-Maut“ – eine eigenwillige Erhöhung der Finisher-Gebühren durch den Deutschen Leichtathletik Verband (DLV) – für Erregung der Gemüter und sieht nach einer Welle großen Protests den Verband als wenig einsichtigen Verlierer.

grr-maut-stop

Von sportlicher Seite waren die Böller zu Silvester kaum verklungen, da gab es schon beim Neujahr-Marathon im Schnee von Zürich durch den Franzosen Ruberti in 2:48:47 die erste Jahres-Weltbestzeit, über die sich der wackere Freizeitsportler traditionell nur wenige Tage freuen konnte.
Bereits am 3. Januar ging es dann in der chinesischen Hafenstadt Xiamen zur Sache und sofort zu Anfang des neuen Jahres wurden großartige Bestmarken aufgestellt. Während bei den Männern der Kenianer Moses Mosop im Duell mit Tilahun Regassa (ETH) wertvolle Zeit verschenkte, mit 2:06:19 aber trotzdem eine Klassezeit erzielte (aktuell Platz 10 in der Jahresbestenliste), ließ sich die Äthiopierin Mare Dibaba vom Start weg nicht aufhalten und lief in einem einsamen Rennen einen neuen Streckenrekord von 2:19:52. Es sollte bislang die einzige Leistung einer Frau im Jahr 2015 unter der Schallmauer von 2:20 Stunden bleiben.

Dieser Grenze zur absoluten Weltklasse kamen allerdings die Läuferinnen beim Dubai-Marathon sehr nahe, wobei insbesondere die Leistungsdichte mit sechs Läuferinnen unter 2:22 Stunden beeindruckte. Im weltweiten Ranking des Jahres 2015 sind dies aktuell die Plätze 2 bis 7. In einem ganz knappen Finale gewann Aselefech Mergia (ETH) in 2:20:02 vor der amtierenden Weltmeisterin im Halbmarathon Gladys Cherono (KEN), die bei ihrem Debüt eine Sekunde länger brauchte. Bei den hohen Preisgeldern in Dubai kostete diese Sekunde allerdings 120.000 USD.

dubai2015-siegerin-mergia-zweiteAselefech Mergia (ETH, links) gewann in 2:20:02 den Dubai Marathon 2015 vor Gladys Cherono (KEN). Beide trennten nur eine Sekunde, aber 120.000 USD Preisgeld.  (c) H. Winter

Etwas unerwartet stellten die Frauen mit diesen Zeiten die Leistungen der Männer in den Schatten. Denn einer der Superstars der Laufszene, der Äthiopier Kenenisa Bekele, wollte den schnellen Kurs im Vereinigten Arabischen Emirat für eine flotte Zeit nutzen. Bekele war aber nicht völlig fit an den Start gegangen und musste mit einer Zerrung in ansonsten bester Verfassung noch vor 30 km aus dem Rennen aussteigen. Dabei war man beim Halbmarathon in 1:02:19 noch auf Kurs zu einer Topzeit und dem Streckenrekord (2:04:23). Sichtlich irritiert durch Bekeles Aufgabe begann ein Taktieren um Sieg und Preisgelder, das der noch wenig bekannte Lemi Berhanu (ETH) in 2:05:28 deutlich vor seinem Landsmann und Boston-Sieger Lelisa Desisa in 2:05:52 gewann. Für die mittlerweile hohen Ansprüche im Emirat war das dort schon fast Mittelmaß.

dubai2015-ca36kmLemi Berhanu Hayle (links) und Lelisa Desisa (beide ETH) kämpften am Ende in Dubai um den Sieg. Hayle gewann in 2:05:28.  (c) H. Winter

Bereits am Wochenende zuvor gab es auch beim Chevron Houston Marathon (USA) sowie beim Standard Chartered Mumbai Marathon (Indien) ausschließlich äthiopische Sieger. In einem spannenden Schlusspart holte in Houston Birhanu Gedefa seinen enteilten Landsmann Gebo Burka auf dem letzten km noch ein und siegte in 2:08:03, wobei er von der 40 km-Marke bis ins Ziel nur eindrucksvolle 6:16 brauchte. Bei den Frauen siegte Yebrgual Arage (ETH) in guten 2:23:23.

In der indischen Metropole Mumbai verhinderte die zunehmende Hitze einen neuen Streckenrekord (2:09:32), der bei Halbzeit in 1:04:47 noch in Reichweite lag. Es siegte Tesfaye Abera in 2:09:46 vor seinem Landsmann Dereje Debele in 2:10:31. Der beste Kenianer landete mit Ex-Weltmeister Luke Kibet in 2:10:57 nur auf Platz 3.

Am 25. Januar gewann die Ukrainerin Tatjana Shmyrko den Frauen-Marathon im japanischen Osaka mit neuem Landesrekord von ausgezeichneten 2:22:09 und lag damit weit vor der (rein japanischen) Konkurrenz.

Am 1. Februar begann in Beppu-Oita die Serie der drei japanischen Elite-Marathons im Frühjahr, den Twelde Estifanos (ERI) in 2:10:18 gewann. Ein erster absoluter Höhepunkt des Jahres war nach dem Sieg von Mary Keitany (KEN) beim Halbmarathon im Emirat Ras Al Khaimah am 13. Februar in sehr guten 1:06:02 der neue Weltrekord ihrer Landsfrau Florence Kiplagat in Barcelona.

kiplagat-barcelona-2015Florence Kiplagat (KEN) lief auch in diesem Jahr einen Halbmarathon-Weltrekord in Barcelona.  (c) Veranstalter

Beim Mitja Marato de Barcelona steigerte Kiplagat ihren Weltrekord aus dem Vorjahr an gleicher Stelle um 3 Sekunden auf phänomenale 1:05:09. Letztlich kam diese Steigerung fast so überraschend wie der Rekord im Vorjahr, denn sie schien wegen des Marathontrainings für London nicht optimal vorbereitet. In einem kuriosen Rennen holte sie sich zunächst sehr deutlich den Weltrekord über 15 km in 46:13 mit km-Abschnitten von 3 Minuten zwischen 11 und 15 km, reduzierte dann zwar das Tempo, aber sowohl für 20 km (1:01:54) und vor allem den Halbmarathon „reichte“ es dann auch noch für globale Bestmarken.

tokyo-2015-spitze-20kmDie Spitze des Männerfeldes beim Tokyo Marathon 2015.  (c) H. Winter

Auf der Marathondistanz sorgte der Tokyo-Marathon am 22. Februar vor allem durch eine Neuregelung zur World-Marathon-Majors(WMM)-Serie für Aufsehen, die diesen Wettbewerb mit 500.000 USD Preisgeld – den aber kaum jemand verfolgt – auf nun ein volles Jahr beschränkt. Sportlich holt man langsam im Vergleich zu den anderen fünf WMM-Partnern auf, die Siegerzeit von Endeshaw Negesse (ETH) mit 2:06:00 rangiert in der Jahresbestenliste auf Platz 7. „Sieger der Herzen“ wurde allerdings Olympiasieger und Weltmeister Stephen Kiprotich (UGA), der kurz zuvor seine Tochter verlor und im Spurt um Platz 2 mit persönlicher Bestzeit von 2:06:33 Dickson Chumba (KEN) abfangen konnte. Bei den Frauen lag Birhane Dibaba in 2:23:15 vorne.

tokyo-2015-dibaba-vor-zielBirhane Dibaba gewann den Tokyo Marathon bei den Frauen in 2:23:15.  (c) H. Winter

Recht flotte Marathonläufe gab es zum Monatsende. Am 22. Februar verpasste in der zweiten Hälfte Lawrence Cherono (KEN) mit 2:09:39 den Streckenrekord im spanischen Sevilla nur knapp und am 27. Februar reichten 2:10:30 für William Yegon (KEN) zum Sieg beim Marathon in Tel Aviv.

13. Hella Marathon Nacht in Rostock: Die Rekordjagd des Paul Schmidt

logo-rostock-2015Vier Läufer unter 3 Stunden belegen eigentlich den breitensportlichen Fokus des Marathons am 1. August 2015 in der Hansestadt Rostock. Doch was sich an diesem Abend an der Spitze ereignete, gehört schon in die Sammlung der unglaublichen Geschichten und Kuriositäten um den Laufsport. Denn so richtig ist nicht zu begreifen, unter welchen Umständen der in Berlin lebende Arzt Paul Schmidt bei dieser Veranstaltung – der Hella Marathon Nacht Rostock – einen neuen Steckenrekord in einer grandiosen Zeit aufstellte. Schon in den letzten beiden Jahren dominierte er den Lauf überaus deutlich, diesmal war eine ähnliche Leistung im Bereich von 2 1/2 Stunden zumindest ungewiss, zumal Schmidt erst zwei Wochen zuvor den Schlösser-Marathon in Füssen in guten 2:27 bestritten hatte und zudem mitten intensiver Vorbereitungen auf den Berlin-Marathon Ende September steckt.

Am Veranstaltungstag kam es dann noch schlimmer. Der Fernreisebus hatte über 2 Stunden Verspätung und damit geriet sogar der Start in Gefahr. Doch solche „Zugaben“ scheinen Schmidt erst recht zu motivieren, hatte er doch Ende Mai zwei Stunden nach Gewinn der Berlin-Brandenburgischen Meisterschaft über 5000 m in 14:43 und zeitlich knapper Anreise auch noch einen Waldlauf in Berlin-Grünau in nur unwesentlich langsameren Tempo gewonnen. In Rostock wurde es gestern abend richtig knapp. Die Vordehnungen erfolgten im Bus, das Aufwärmen beim Lauf zu Start, dann noch Chip und Startnummer montiert, Interview für den NDR – und schon ging es los. Keine zehn Minuten hätte er später kommen dürfen …

Wer allerdings dachte, dass diese Vorgeschichte Folgen hatte, lag richtig. Allerdings in der anderen Richtung. Paul setzte sich sofort von allen Mitstreiten ab, lag nach 33:38 bei 10 km und 70:30 beim Halbmarathon weit vor den Verfolgern und lief am Ende einen Vorsprung von sage und schreibe einer halben Stunde heraus. Während die Platzierten mit Zeiten von 2:48 (4 Minuten /km) und darüber – wie erwartet – in breitensportlichen Dimensionen agierten, lief der gute Paul mit schier unfassbaren 2:19:35 eine Zeit, die in der aktuellen deutschen Bestenliste auf Platz 7 rangiert, nur gut zwei Minuten fehlen in dieser auf Platz 2 im Jahres-Ranking. Entsprechend euphorisch war die Stimmung bei allen Beteiligten nach dieser Leistung.  Für den Veranstalter der 13. Hella Marathon Nacht Rostock hatte Paul Schmidt nur Lob übrig: „Die Unterstützung ist großartig gewesen. Ich laufe da, wo ich mich wohlfühle. Und das ist hier der Fall“.

Am 23. August geht er den Halbmarathon am Wörthersee an, rund fünf Wochen später will er beim Berlin Marathon am 27. September starten. Bleibt zu hoffen, dass er dann auch dem Druck bei der Großveranstaltung standhält und die Bedingungen bei der Berliner Weltklasse-Veranstaltung zu einer noch besseren Zeit nutzen kann. Eine Zeit im Regime von 2:15 Stunden wäre nun schon fast denkbar. Dafür muss dann aber Ende September alles stimmen. Wir wünschen jedenfalls schon heute viel Erfolg für ein großartiges Abschneiden in Berlin.

Und da Berlin eine Partnerschaft mit dem WMM-Partner Tokyo-Marathon eingangen ist, darf der „beste Berliner“ auf Kosten der Veranstalter Ende Februar 2016 in Tokyo starten. Auch dies wäre sicher ein lohnenswerter Aspekt für eine gute Leistung auf den Straßen der deutschen Hauptstadt.

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Paul Schmidt gewann den Marathon am 1. August in Rostock.  (c) Veranstalter

      Ergebnisse Marathon der Männer:

1. SCHMIDT Paul Fitness First 2:19:35
2. TAUTORAT Carsten TEAM City-Sport Rostock 2:48:24
3. LAENGER Uwe 1.FC UNION BERLIN 2:54:32
4. SCHWARK Ludwig Berlin 2:57:01
5. RONNEBERGER Jens Schwäbische Albläufer 3:05:37


Die (inoffiziellen, z.T. extrapolierten) Splits von Paul Schmidt:

 5 km 16:45
10 km 33:28 16:43
15 km 50:24 16:56
20 km 1:07:03 16:39
 HM 1:10:30
25 km 1:23:36 16:33
30 km 1:40:07 16:31
35 km 1:56:12 16:05
40 km 2:12:25 16:13
  Ziel 2:19:35  7:10

Deutsche Bestenliste – Marathon für das Jahr 2015  (Stand: 1.8.2015, Quelle: DLV)

1. Julian Flügel TSG 08 Roth 2:14:51 26.04. Hamburg
2. Marcel Bräutigam Rennsteiglaufverein 2:17:22 17.05. Kassel
3. Ybekal Daniel Berye PSV GW Kassel 2:17:40 17.05. Kassel
4. Simon Stützel TSG 08 Roth 2:17:51 18.01. Houston
5. Tobias Schreindl LG Passau 2:18:32 19.04. Linz
6. Dawit Kabede PSV GW Kassel 2:19:30 17.05. Kassel
7.* Paul Schmidt Fitness First/Dresden 2:19:35 01.08. Rostock
8. Frank Schauer Tangermünder Elbd. 2:19:46 26.04. Hamburg
9. Steffen Uliczka SG Kronshagen/Kiel 2:20:19 26.04. Hamburg
10. Benedikt Hoffmann TSG Heilbronn 2:22:31 19.04. Zürich

*) Kurs in Rostock ist ggfs. nicht zertifiziert für Bestenlisten.