Diamond League Meeting in Zürich am 1. September 2016: 5000 m Lauf der Männer – Afrikanische Leistungsverweigerung

IAAF_DiamondLeagueDas hatte sich die Veranstalter des Meetings „Weltklasse in Zürich“ im Rahmen der Diamond League Serie sicher etwas anders vorgestellt. Mit einem sehr respektablen Feld von Ausdauerathleten von Weltklasseniveau wollte man auf der legendär schnellen Bahn des Letzigund-Stadions die Jahresbestzeit über 5000 m jagen, die mit 12:59,29 der britische Doppel-Olympiasieger über diese Distanz Mo Farah im Juli in London aufgestellte. Alles war bestens gerichtet, die „Hasen“ instruiert, und dann dies!

Während die Tempomacher genau nach Plan agierten und nach 1:31 für die ersten 600 m die 1000 m nach 2:34 erreichten (entspricht einer Endzeit von 12:50), war nur der US-Hindernisspezialist Evan Jager das Tempo mitgegangen. Die versammtelte (ost)afrikanische Elite bummelte in über 50 m Abstand hinter zwei Tempomachern und Jager hinterher. Was diese ganze Aktion sollte, war letztlich nicht zu ergründen. Daran änderte sich wenig, als das Führungstrio 2000 m nach 5:14 und 3000 m nach 7:56 erreichte, wo eine Zeit unter 13 Minuten schon nicht mehr zu schaffen war. Die Tempomacher waren zu diesem Zeitpunkt beide nacheinander ausgeschieden, und Jager allein auf weiter Flur. Und wie! Fast eine komplette Gerade betrug der Vorsprung, der allerdings nach 10:40 für Jager bei 4000 m, d.h. einem letzten Kilometer in 2:44, sichtlich schmolz.

Erst jetzt wurde das Tempo der Verfolger enorm erhöht, und die Spannung konzentrierte sich nun weniger auf eine schnelle Zeit (die war lange dahin), sondern auf die Jagd auf den weit enteilten Amerikaner. Erst auf den letzten 400 m war zu erahnen, dass der „Ausreißer“ noch gestellt werden könnte. Und so kam es dann auch. Jager schwanden die Kräfte und mit einer 54er-Schlussrunde zog der Äthiopier Hagos Gebrhiwet eingangs der Zielgeraden an ihm vorbei, um das Rennen in sehr mäßigen 13:14:82 vor Paul Chelimo, der mittlerweile für die USA startet, in 13:16:51 zu gewinnen. Der mutige, völlig erschöpfte Jager musste am Ende für seine anfängliche Tempojagd bezahlen und wurde in 13:16:86 knapp hinter seinem Landsmann Dritter. Die Zeiten in Zürich gehören sicher zu den schwächsten Leistungen an diesem denkwürdigen Ort seit langer Zeit, wo sich in den 90er-Jahren Haile und Co. Duelle weiter unter der 13-Minuten-Grenze lieferten. Nicht nur diese Dinge sind lange Geschichte.

zurich-dl-jagerEvans Jager (USA) wurde am Ende für seinen mutigen Sololauf nicht belohnt und nur Dritter.  (c) SRF2

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