50 Jahre Cevron Houston Marathon am 16. Januar 2022: Bei eisigen Temperaturen setzen die Frauen die Glanzlichter

Die US-Amerikanerinnen Keira D’Amato (USA) im Marathon und Sara Hall (USA) sowie Vicoty Chepngeno (KEN) sorgten bei Wind und eisigen Temperaturen für die Highlights bei der 49. Ausgabe des Chevron Houston Marathon und Aramco Halbmarathon. Chepngeno gewann den Halbmarathon der Frauen mit US-All-Comers-Rekord in 1:05:03, womit sie zur elfschnellsten Läuferin aller Zeiten aufstieg, Sara Hall wurde Zweite mit US-Rekord von 1:07:15 und auch D’Amato lief bei ihrem Sieg im Marathon in 2:19:12 Landesrekord.

Keira D’Amato lief US-Rekord im Marathon der Frauen. (c) Livestream/Screenshot

Unterstützt durch die beiden Tempomacher Calum Neff (CAN) und Solas Franz (USA) war Keira von Beginn an auf Rekordkurs. Über 16:25 bei 5 km und 32:45 bei 10 km erreichte die Amerikaniern zusammen mit ihren Tempomachern und der dreimaligen Houston-Siegerin Biruktayt Degefa (ETH) die 15 km-Marke nach 49:14 auf Kurs zu einer Zeit von 2:19:17, also deutlich unter dem US-Rekord, den Deena Kastor bereits 2003 mit 2:19:36 im Jahr 2006 beim London Marathon aufgestellt hatte. Während auf dem Weg zur Halbdistanz Degefa nicht mehr folgen konnte und später nach 35 km ausstieg, konnte D’Amato das Tempo halten und erreichte über 1:05:53 bei 20 km den Halbmarathon 1:09:41.

Als es nun zurück aus den westlichen Vororten zurück ins Stadtzentrum von Houston ging, half nun ein Rückwind mit, das Tempo hoch zu halten, die Trainingsjacke zu Beginn hatte Keira da schon lange ausgezogen. Über 1:22:35 bei 25 km und 1:39:40 bei 30 km wurde es bis 20 Meilen (ca. 32,2 km) in 1:46:32 noch einmal eng, denn die Projektion war mit 2:19:39 erstmals über den Kastor-Rekord gerutscht. Mit nachfolgenden km-Splits von 3:18, 3:14: 3:19 erreichte sie 35 km in 1:55:44 und lag mit 2:19:31 wieder auf Rekordkurs. In einem eindrucksvollen Finale erreichte sie 40 km in 2:12:09 und das Ziel vor dem George Brown Center in 2:19:12.

Keira D’Amato gewann den Houston Marathon 2022. (c) Livestream/Screenshot

Dabei war sie die zweite Hälfte mit 1:09:31 sogar etwas schneller als den ersten Part gelaufen. Damit belegt die 37-jährige Mutter zweier Kinder in einer ewigen Bestenliste Platz 22 und ist zusammen mit der Japanerin Noguchi hinter Lauflegende Paula Radcliffe die zweitbstbeste Läuferin ohne ostafrikanische Wurzeln. Übrigend lief Keira auch schon den Berlin Marathon, im Jahr 2019 wurde sie in 2:34:55 Siebzehnte. Durch den Ausstieg der Mitfavoritin Degefa musste man fast genau 10 Minuten warten, bevor Alice Wright (GBR)  in 2:29:08 als Zweite die Ziellinie überlief. Knapp dahinter folgte Maggie Montoya (USA) mit der gleichen Zeit.

Ein Kuriosum ereignete sich im Halbmarathon der Frauen, wo in der Dämmerung eines gemeinsamen Starts der Marathon- und Halbmarathonfelder die führende Läuferin Vicoty Chepgngeno weitgehend übersehen wurde. In der TV-Übertragung von CBS-3 war somit nur von der Verfolgergruppe mit Sara Hall, Dominique Scott (RSA), Fiona O’Keefe (USA), Jessica Judd (GBR) sowie Emily Durgin (USA) zu sehen. Alle diese Läuferinnen blieben am Ende unter 68 Minuten und sorgten auch in der Breite für eine sehr gute Ergebnis. Als Chepngeno, die im November in Philadelphia in 1:07:22 gewann und 2019 in den USA eine Siegesserie von acht Halbmarathonläufen absolvierte, in flotten 15:15 Minuten die ersten 5 km absolvierte, lag die Gruppe von Hall mit 16:03 bereits 48 Sekunden zurück, bei 10 km in 30:32 betrug der Vorsprung auf die Verfolger bereits 1:22 Minuten.

Vicoty Chepngeno gewann mit Streckenrekord den Halbmarathon in Houston. (c) Livestream/Screenshot

Während vorne Chepgeno über 46:04 bei 15 km kaum nachließ und das Rennen mit Kursrekord von 1:05:03 gewann und damit die Marke durch Marathon-Weltrekordlerin Brigid Kosgei von 1:05:50 „pulversierte“, konnte sich weit hinter ihr Sara Hall von den Mitstreiterinnen etwas lösen und mit 1:07:15 einen neuen US-Rekord aufstellen , den zuvor an gleicher Stelle Molly Huddle mit 1:07:25 im Jahr 2018 aufgestellt hatte. Weiterhin gab es das einmalige Faktum, dass ein Ehepaar die jeweiligen Landesrekorde in einem Straßenlauf-Wettbewerb halten. Bereits 2007 war Ryan Hall, der Mann von Sara, an gleicher Stelle einen damals sensationellen US-Rekord mit 59:43 gelaufen.

Vo einer solchen Zeit konnte man im Halbmarathon der Männer diesmal träumen und auch im Marathon gab es bestenfalls „Hausmannskost“. Im Marathon der Männer sah es zunächst gar nicht so schlecht aus , ein Pulk von ca. 10 Athleten (dazu noch einige gleichzeitg gestartete Läufer im HM) liefen die ersten 5 km in 14:57 und 10 km in 30:17, danach wurde die Fahrt bis 15 km in 45:47 schon deutlich langsamer und bis 20 km in 1:01:54 war mit km-Splits um 3:14 das Tempo auf eine Endzeit von 2:10:35 abgesackt. Die Hälfte wurde in 1:05:29 absolviert, d.h. 2:11 Stunden im Ziel, und 6 Läufer an der Spitze verschleppten die Fahrt weiter, so dass nach 25 km in 1:18:09 sogar einige Verfolger zur Spitze aufschlossen.

An der Spitze machte nun der Debütant und ehemalige Läufer aus Houston Frank Lara (USA) das Tempo, das bis 30 km in 1:33:58 kaum schneller wurde (Tempo auf 2:12:09). An der Spitze hatte sich nun eine siebenköpfige Gruppe etabliert, aus der nach 35 km in 1:49:15 der britsche Debütant Luke Caldwell (GBR) zurückfiel. Nach 40 km in 2:04:34 fiel dann die Entscheidung. Debütant Ngandu setzte sich auf dem letzten Kilometer zusammen mit Abdi Abdo (BHR) ab und gewann das Duell in 2:11:03, eine der schwächeren Siegerzeiten in den letzten Jahren, vor Abdo in 2:11:11. Dritter wurde Elisha Barno (KEN) in 2:11:16.

    Ergebnisse Marathon der Frauen:
1. Keira D’Amato (U.S.A.) – 2:19:12 – NR, CR
2. Alice Wright (Great Britain) – 2:29:08
3. Maggie Montoya (U.S.A.) – 2:29:08
4. Roberta Groner (U.S.A.) – 2:32:02
5. Atsede Tesema (Ethiopia) – 2:32:38
6. Brittney Feivor (U.S.A.) – 2:32:39
7. Kathya Mirell Garcia Barrios (Mexico) – 2:32:54
8. Christina Welsh (U.S.A.) – 2:33:00
9. Molly Bookmyer (U.S.A.) – 2:33:19
10. Andrea Pomaranski (U.S.A.) – 2:33:35
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    Ergebnisse Halbmarathon der Frauen:
1. Vicoty Chepngeno (Kenya) – 1:05:03 – ACR
2. Sara Hall (U.S.A.) – 1:07:15 – NR
3. Dominique Scott (South Africa) – 1:07:32
4. Fiona O’Keefe (U.S.A.) – 1:07:42
5. Jessica Judd (Great Britain) – 1:07:52
6. Emily Durgin (U.S.A.) – 1:07:54
7. Caren Maiyo (Kenya) – 1:08:41
8. Dakotah Lindwurm (U.S.A.) – 1:09:36
9. Nell Rojas (U.S.A.) – 1:09:42
10. Annie Frisbie (U.S.A.) – 1:10:27
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   Ergebnisse Marathon der Männer:
1. James Ngandu (Kenya) – 2:11:03 – debut
2. Abdi Abdo (Bahrain) – 2:11:11
3. Elisha Barno (Kenya) – 2:11:16
4. Kenta Uchida (Japan/SID Group) – 2:11:19
5. Kelkile Gezahegn (Ethiopia) – 2:11:20
6. Frank Lara (U.S.A.) – 2:11:32 – debut
7. Luke Caldwell (Great Britain) – 2:11:33 – debut
8. Josh Izewski (U.S.A.) – 2:12:45 – PB
9. Augustus Maiyo (U.S.A.) – 2:13:17
10. Rodgers Ondati Gesabwa (U.S.A.) – 2:14:46
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Ergebnisse Halbmarathon der Männer:
1. Milkelsa Tolosa (Ethiopia) – 1:00:24
2. John Korir (Kenya) – 1:00:27
3. Wilfred Kimitei (Kenya) – 1:00:44
4. Kirubel Erassa (U.S.A.) – 1:00:44
5. Shadrack Kimining (Kenya) – 1:00:53
6. Patrick Tiernan (Australia) – 1:00:55
7. Biya Simbassa (U.S.A.) – 1:01:03
8. Rory Linkletter (Canada) – 1:01:08 – NR
9. Sydney Gidabuday (U.S.A.) – 1:01:09
10. Scott Fauble (U.S.A.) – 1:01:11