18. Standard Chartered Singapore Marathon am 1. Dezember 2019: Priscah Cherono trotzt der Schwüle und läuft Streckenrekord

Mit Erfolgen der Vorjahressieger Priscah Cherono (KEN) sowie Joshua Kipkorir (KEN) endete am Sonntag die 18. Ausgabe des Standard Chartered Singapore Marathon. Cherono konnte dabei den Streckenrekord auf angesichts der äußeren Bedingungen ausgezeichnete 2:28:54 steigern, während sich Kipkorir nach 2:19:14 ins Ziel rettete. Dabei konnte auch der Start in den frühen Abendstunden (18:00 Uhr) nicht verhindern, dass bei Temperaturen um 30°C und hoher Luftfeuchtigkeit mit einem Taupunkt von 25°C die Voraussetzungen für den Ausdauersport mehr als herausfordernd waren. Es ist mehr als unsinnig, bei solch extremen Schwüle einen Marathon zu organisieren, für die Elite, aber vor allem auch die Breitensportler. Als potentieller Kandidat für die „World Marathon Majors“ gehandelt, ist der Event in Singapore die denkbar ungeeignetste Wahl.

Während die Männer angesichts der äußeren Bedingungen massiv einbrachen, machten es die Frauen weit besser und schafften sogar einen neuen Kursrekord mit der ersten Zeit in Singapore von unter 2:30 Stunden. Das Rennen der Frauen bestimmten auf den ersten 30 km Priscah Cherono, die ihre PB von 2:27:41 in Venedig aufstellte, und Stella Barsosio (KEN). Über 16:44 bei 5 km, 33:48 bei 10 km erreichte das Duo die 15 km nach 50:46. Wie flott die beiden Läuferinnen unterwegs waren, zeigte sich nach 1:07:52 für 20 km bei der Halbmarathonmarke in 1:11:39, womit sie auf Kurs zu einer Zeit waren, die fast 10 Minuten unter dem Kursrekord von 2:31:55 durch Salina Kosgei aus dem Jahr 2006 lag.

Nach 30 km in 1:43:24 setzte sich Cherono von Barsosio ab und vergrößerte ihre Führung zusehends, obwohl die Führende gleichfalls ob der äußeren Bedingungen schächer wurde. 35 km erreichte Cherono nach 2:01:43 mit einem Vorsprung von 15 Sekunden auf ihre Landsfrau. Mit 2:20:38 bei 40 km lief sie nach 5 km-Splits zu Beginn um 17 Minuten die letzten 5 km nur noch in 18:54. Für einen deutlichen Sieg reichte aber dieses Tempo immer noch, mit 2:28:52 schaffte sie einen beachtlichen Streckenrekord, der allerdings – aus verständlichen Gründen – international bestenfalls zweitklassig ist. Barsosio wurde Zweite in 2:30:18 vor Alemnesh Guta (ETH) in 2:37:05. Die äthiopische Topläuferin Mamitu Daska (ETH) wurde in 2:37:17 Vierte, 2011 war sie als Siegerin in Frankfurt über 15 Minuten schneller gelaufen.

Joshua Kipkorir gewann den Singapore Marathon 2019. (c) Veranstalter

Das Rennen der Männer nahm einen koriosen Verlauf, diente aber auch als ein weiteres Beispiel, wie unsinnig es ist, einen Marathonlauf unter solch extremen Bedingungen zu absolvieren. Mit „Sport“ haben die Abläufe, die man zu Ende in Singapore beobachten konnte, nur noch wenig zu tun. Trotz der schwierigen Verhältnisse legte der Titelverteidiger Kipkorir los, als wolle er den Lauf in der Sauna des Inselstaates in neue Dimensionen katapultieren. Den Kursrekord hatte bereits im Jahr 2007 der Ex-Weltmeister Luke Kibet mit 2:11:25 aufgestellt. Dabei hatte der Sieger des Vorjahres erst Ende Oktober in Gyeongju, d.h. vor gut einem Monat, mit 2:09:50 seine PB einstellen können.

Mit flotten ersten 5 km in 14:47 und 10 km in 30:05 war Kipkorir bereits von Beginn an allein auf weiter Front und auf Kurs zu einer Zeit von 2:07 Stunden. Über 45:30 bei 15 km und 1:01:11 bei 20 km erreichte der wackre Kenianer die Halbdistanz nach 1:04:49, das deutete immer noch auf eine Topzeit hin. Mit 1:07:06 lagen hier die ersten Verfolger über 2 Minuten zurück. Dass aber auch Kipkorir die Gesetze der Thermodynamik in Sachen Kühlung des Körpers durch reduzierte Verdunstungskühlung bei Schwüle nicht außer Kraft setzen konnte, sollte sich schon bald zeigen.

Nach 25 km in 1:17:06 rannte er keine 5 km mehr unter 16 Minuten, sondern brach sehr sichtbar ein. Schon nach 30 km in 1:33:30 lag er nur noch in den Regionen des Kursrekords, den er aber anschließend schnell aus den Augen verlor. In 17:19 lief er die 5 km von 30 km nach 35 km, bei 40 km in 2:10:12 hatte er die letzten 5 km sogar nur noch in 19:22 zurückgelegt und war damit langsamer als die besten Frauen. Dies hatte auch Konsequenzen für seinen Vorsprung auf die Konkurrenten, die ihm nun näherrückten. Die letzten 2195 m quälte sich Kipkorir in Richtung Ziel und brauchte für dieses Segment fast 9 Minuten in einer Weise, die man eigentlich bei einer internationalen Veranstaltung nicht sehen will.

In einem „survival of the fittest“ passierte er völlig dehydriert und am Ende aller Kräfte die Ziellinie nach 2:19:11, einer international und auch für Singapore eine völlig indiskutable Zeit. Einige 100 m später wäre er vermutlich noch vom Zweiten Munya Mutai (KEN) eingeholt worden, der in 2:19:48 Zweiter wurde und dabei ab 40 km 1:17 Minuten schneller war als der Sieger. Benson Seurei (BHR), der im Oktober bei „etwas besseren“ Bedingungen beim WM-Marathon in Doha ausgestiegen war, wurde in 2:20:22 Dritter. Schön anzusehen waren die Zieleinläufe der völlig erschöpften Männer kaum, eine Werbung für den Laufsport waren sie erst recht nicht. Das sollten auch jene Kräfte bedenken, die die Aufnahme dieser Veranstaltung in die Serie der WMM mit Macht betreiben.

Ergebnisse Marathon der Männer:
1. Joshua Kipkorir KEN 2:19:14
2. Munyo Solomon Mutai KEN 2:19:48
3. Benson Seurei BHR 2:20:26
4. Philip Lagat KEN 2:20:38
5. Barselius Kipyego KEN 2:22:13
6. Elijah Kiprono Kemboi KEN 2:24:20
7. Josphat Kiptanui Too Chobei KEN 2:24:25
8. David Kipkorir Rutoh KEN 2:25:17
9. Alfred Kipkemboi Koech KEN 2:29:20
10. Bosuben Benard Kipkemoi KEN 2:29:33
Ergebnisse Marathon der Frauen:
1. Priscah Jepleting Cherono KEN 02:28:54
2. Stellah Jepng’etich Barsosio KEN 02:30:20
3. Alemnesh Guta ETH 02:37:05
4. Mamitu Daska ETH 02:37:19
5. HARUKA YAMAGUCHI JPN 02:37:29