44. BMW Berlin Marathon am 24. September 2017: Eliud Kipchoge dominiert im Dauerregen

berlin-marathon-2017-logoBei schwierigen äußeren Bedingungen mit Dauerregen und Pfützen übersäten Straßen gewann der Kenianer Eliud Kipchoge die 44. Ausgabe des BMW Berlin Marathon in 2:03:32. Dabei war das „Duell der Giganten“ gegen Wilson Kipsang (KEN) und Kenenisa Bekele (ETH) bereits nach 30 km zu Ende. Bekele fiel schon vor 25 km aus der Spitzengruppe, Kipsang stieg unvermittelt nach 30 km mit Magenproblemen aus dem Rennen. Dafür hatte Kipchoge in dem äthiopischen Spezialisten für den Halbmarathon, Guye Adola, einen unerwartet starken Gegner, den der Kenianer erst auf den letzten Kilometern niederringen konnte. Hatte die Veranstaltung in den letzten Jahren immer wieder soviel Glück mit den äußeren Bedingungen, dass die weltweite Konkurrenz neidvoll in die deutsche Hauptstadt schaute, hatte diesmal der Wettergott trotz der einmaligen Konstellation des Elitefeldes bei den Männern kein Einsehen.

Dabei war es neben den Regen nassen Straßen vor allem ein Taupunkt von 14°C, der bei gleichen Temperaturen zu völlig Wasser gesättigter Luft mit hoher absoluter Feuchte führte. Keinesfalls optimale Bedingungen für die Jagd auf den Weltrekord. Somit waren die Voraussetzungen denkbar ungünstig, trotzdem agierte die Spitze bis jenseits der 35 km im Regime des Weltrekords.

Auf Betreiben von Kipchoge wurden Konzepte häufiger Splits vom „Breaking 2“-Projekt vom Mai in Monza auf einen Massen-Marathon (hier gab es in Berlin mit über 39000 Finishern einen neuen Rekord) übertragen, alle 200 m gab es auf den ersten 2 km aufbereitete Zeitinformationen, dananch dann alle 500 m. So fand die Spitzengruppe geführt von den drei Tempomachern Sammy Kitwara, Geoffrey Ronoh und Gideon Kipketer (alle KEN) sehr schnell ein gleichmäßiges Tempo. Mit ersten Kilometern in 2:52, 2:52, 2:55, 2:55 und 2:54 befand man sich bei der 5 km-Marke in 14:28 auf Weltrekord-Kurs. Nach 10 km in 29:03 änderte sich daran wenig, wobei nun aber der stärker werdende Regen den Läufern an der Spitze (und nicht nur denen) alles abverlangte.

b-mar-2017-spitze-men-25minNach 20 Minuten setzte der Regen wieder ein und dem Unternehmen Weltrekord ein frühes Ende. (c) H. Winter

Über 43:44 bei 15 km und 58:18 bei 20 km erreichte die Spitze die Halbdistanz nach 1:01:29 Stunden; verdoppelt ergibt dies fast exakt den aktuellen Weltrekord. Hier stieg der erste der drei Tempomacher der ersten Gruppe Geoffrey Ronoh aus und insgesamt 7 Läufer setzten die Tempojagd auf den Weltrekord fort. Noch bevor man die 25 km-Marke nach 1:12:50 passierte, gab eine erste Vorentscheidung, denn etwas überraschend fiel der Mitfavorit Kenenisa Bekele schnell zurück und sollte am Ende das Ziel im Tiergarten nicht mehr erreichen. Sein Manager Jos Hermens war nach dem Rennen sichtbar erbost und forderte den Ausnahmeläufer auf, sich für den Marathon oder seine Geschäfte zu entscheiden. Durch sein frühes Ausscheiden konnte sich für ihn ein erneuter Start beim Dubai Marathon im Januar 2018 anbieten, dann hoffentlich ohen eine Sturz beim Start. Übrigens ging ein weiterer Topläufer in Berlin erst gar nicht an den Start, Ex-Weltrekordler Patrick Makau (KEN) sagte bereits Mitte der letzten Woche seinen Start wegen einer Verletzung ab.

b-mar-2017-30kmBei 30 km fiel mit dem Ausstieg von Wilson Kipsang eine Vorentscheidung. Danach blieb von den „Giganten“ nur noch Eliud Kipchoge im Rennen. (c) H. Winter

Nach 26,5 km reduzierte sich die Spitzengruppe mit dem Ausscheiden des zweiten Tempomachers Gideon Kipketer weiter. Und als nach 29 km Vincent Kipruto (KEN) das hohe Tempo nicht mehr mitgehen konnte, agierten nur noch 4 Athleten an der Front. Dann gab es eine Schrecksekunde, denn neben dem letzten Tempomacher Sammy Kitwara (der wird in Kürze den Valencia Marathon bestreiten) blieb auch Wilson Kipsang nach 1:27:24 bei 30 km stehen und schied mit Magenproblemen aus dem Rennen. Damit spitzte sich das Rennen auf einen Zweikampf zwischen Eliud Kipchoge und dem überraschend immer noch vorne mitlaufenden Äthiopier Guye Adola zu, der seinen ersten Marathon bestritt. Adola hatte bereits seine Weltklasse mit einer Zeit von 59:06 beim Halbmarathon in New Delhi im Jahr 2014 demonstriert. Dass er allerdings auch jenseits der 30 km das Tempo auf Weltrekord-Niveau an der Spitze mitgehen konnte, kam doch etwas überraschend.

b-mar-2017-38kmNach gut 36 km setzte sich Adola von Kipchoge ab und konnte den Vorsprung einige Kilometer halten. (c) H. Winter

Und noch überraschender kam der Antritt Adolas nach etwa 36 km, nachdem das Führungsduo 35 km an der Gedächtniskirche in 1:42:04 zurückgelegt hatte. Schnell konnte der Debütant einige Meter gegenüber Kipchoge gewinnen, der ihn dann kurz vor der 40 km-Marke in 1:57:04 aber wieder einholen konnte, um dann seinerseits nach vorne zu gehen. Diesem Antritt hatte Andola nichts mehr entgegen zu setzen, so dass Kipchoge nun allein in Front dem Ziel entgegenstrebte. Durch einen langsamen Kilometer-Abschnitt von 3:04 Minuten von 39 km nach 40 km war der Weltrekord entgültig verspielt, trotzdem sollten am Ende beide Läufer absolute Topzeiten erzielen.

b-mar-2017-gendarmenmarktNach gut 40 km auf dem Gendarmenmarkt hatte Kipchoge ein- und dann überholt. (c) H. Winter

Kipchoge gewann in 2:03:32 vor Adola mit dem schnellsten Debüt in der (Marathon-)Geschichte in 2:03:43. Dann musste man lange warten, bevor eine Dreiergruppe um den letzten Platz auf dem Podium sprintete. Hier konnte sich der Halbmarathon-Spezialist Mosinet Geremew (ETH) in 2:06:09 knapp vor Felix Kandie (KEN) in 2:06:13 und Vicent Kipruto in 2:06:14 durchsetzen. Platz 6 ging in 2:09:03 an Yuta Shitara (JPN), der beim Halbmarathon noch auf einer Zeit von unter 2:06 Stunden lag. Damit wäre er Landesrekord gelaufen, nachdem ihm dieses über die halbe Distanz in der letzten Woche in Usti in 1:00:17 gelungen war.

Durch die beiden schnellen Zeiten an der Spitze verbesserte sich der Berlin Marathon beim Zehnermittel der schnellsten jemals gelaufenen Zeiten weiter und liegt nun mit 2:03:28 vorerst uneinholbar weit an der Spitze aller globalen Events. Nur noch der London Marathon hat einen Streckenrekord, der unter dem Mittel der Berliner Strecke liegt.

Die deutsche Hoffnung Philipp Pflieger (Regensburg) lag lange mit einem Kurs auf 2:11:30 Stunden im Bereich einer neuen Bestzeit. Nach 39 km lief bei Philipp jedoch nichts mehr, völlig entkräftet musste er das Rennen aufgeben. Dabei ging es der Rekordzahl von 39101 Läufern deutlich besser, die erreichten nämlich das Ziel.b-mar-2017-projections-2017-16-14Projizierte Zeit im Ziel als Funktion der Streckenlänge beim Berlin Marathon 2017 (rote Symbole), 2016 (schwarz) und 2014 (blau). Die gestrichelte horizontale Linie repräsentiert den aktuellen Weltrekord bei den Männern (2:02:57). (c) H. Winter

Bei den Frauen erreichte eine vierköpfige Spitzengruppe mit Gladys Cherono (KEN), Ruti Aga (ETH), Valary Aiyabei (KEN) und Amane Beriso (ETH) über 16:40 bei 5 km, 33:11 bei 10 km und 1:06:04 bei 20 km die Halbmarathonmarke nach 69:39 Minuten. Damit lag man nahe am Streckenrekord von Mizuki Noguchi (Japan), die vor zwölf Jahren 2:19:12 gelaufen war. Als erstes fiel Beriso vor der 30-km-Marke zurück, die das verbliebene Trio nach 1:38:57 passierte. Die ehemalige Berlin-Siegerin Gladys Cherono löste sich kurz vor Kilometer 35 nach 1:55:38 von Aiyabei und Aga und siegte am Ende in 2:20:23, wobei die letzten km-Abschnitte von 3:24 bis 3:30 eine Zeit unter der magischen Schwelle von 2:20 Stunden kosteten.

Aga lief auf Platz 2 in 2:20:41 eine neue Bestzeit und wie auch Aiyabei, die in 2:20:53 Dritte wurde. Schon als Fünfte wurde Anna Hahner (GER) in 2:28:32 im Ziel notiert, der damit ein eindrucksvolles Comeback gelang. Mit einer Zeit von 1:14:03 beim Halbmarathon gelangen ihr zwei relativ gleiche Hälften. Dabei musste sie sogar nach 17 km eine kurze Toilettenpause einlegen, bei der ihre hervorragenden Tempomacher Edwin Yano und Herman Achmüller auf die Gengenbacherin warteten. Mit dieser Leistung konnte sich Anna für den Marathon bei der EM 2018 in Berlin bereits qualifizieren.

Ergebnisse Marathon der Männer:
1. Kipchoge, Eliud (KEN) 02:03:32
2. Adola, Guye (ETH) 02:03:46
3. Geremew, Mosinet (ETH) 02:06:09
4. Kandie, Felix (KEN) 02:06:13
5. Kipruto, Vincent (KEN) 02:06:14
6. Shitara, Yuta (JPN) 02:09:03
7. Sano, Hiroaki (JPN) 02:11:24
8. Vail, Ryan (USA) 02:12:40
9. Adams, Liam (AUS) 02:12:52
10. Mellor, Jonathan (GBR) 02:12:57
11. Malaty, Benjamin (FRA) 02:13:10
12. Belachew, Melaku (ETH) 02:13:22
13. Gokaya, Koji (JPN) 02:14:28
14. Lashyn, Dmytro (UKR) 02:14:45
15. Tiruneh, Chalachew (ETH) 02:15:05
16. Lehmann, Adrian (SUI) 02:15:12
17. Kikuchi, Masato (JPN) 02:15:32
18. van Schuerbeeck, Willem (BEL) 02:15:49
19. Seaward, Kevin (IRL) 02:15:50
20. Sharp, Matt (GBR) 02:16:02
Ergebnisse Marathon der Frauen:
1. Cherono, Gladys (KEN) 02:20:23
2. Aga, Ruti (ETH) 02:20:41
3. Aiyabei, Valary (KEN) 02:20:53
4. Tola, Helen (ETH) 02:22:51
5. Hahner, Anna (GER) 02:28:32
6. Bertone, Catherine (ITA) 02:28:34
7. Samuels, Sonia (GBR) 02:29:34
8. Diaz, Azucena (ESP) 02:30:31
9. Ribeiro, Catarina (POR) 02:33:13
10. Dillen, Kim (NED) 02:33:24
11. Amrhein, Fabienne (GER) 02:34:14
12. Galimany Guasch, Marta (ESP) 02:34:16
13. O’Kane, Ellie (AUS) 02:35:55
14. Graham, Laura (IRL) 02:37:05
15. Ganiel, Gladys (IRL) 02:37:55
16. Phillips, Caitlin (USA) 02:38:27
17. Rüegger, Susanne (SUI) 02:39:39
18. Moen Guidon, Karoline (NOR) 02:40:36
19. Moser, Cornelia (AUT) 02:41:27
20 Hyland, Rachel (USA) 02:41:50