{"id":3212,"date":"2015-11-04T17:23:07","date_gmt":"2015-11-04T17:23:07","guid":{"rendered":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=3212"},"modified":"2015-11-07T16:16:34","modified_gmt":"2015-11-07T16:16:34","slug":"the-long-distance-ein-filmisches-meisterwerk-ueber-die-globalen-laufszene","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=3212","title":{"rendered":"&#8220;The long distance&#8221; &#8211; Ein filmisches Meisterwerk \u00fcber die globale Laufszene"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/thelongdistance.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3214\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/thelongdistance-640x289.jpg\" alt=\"thelongdistance\" width=\"640\" height=\"289\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/thelongdistance-640x289.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/thelongdistance-1200x543.jpg 1200w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/thelongdistance.jpg 1530w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es hat sich l\u00e4ngst herumgesprochen, dass die schnellen L\u00e4uferinnen und L\u00e4ufer fast ausschlie\u00dflich aus den H\u00f6hen Ostafrikas kommen. Diese dominieren das Elitesegment bei den gro\u00dfen L\u00e4ufen fast im Monopol, wobei dabei die Rekorde und die Sieger im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Dass dabei viele Akteure auch auf den weiteren Pl\u00e4tzen landen, interessiert schon weniger. Dabei stellen doch gerade diese L\u00e4ufer das Gros der Elite dar, siegen kann immer nur Eine(r).<\/p>\n<p>Und um diese Problematik geht es in dem sehr gelungen Werk des Jungfilmers Daniel Sager, der dezidiert den Weg zeigt, wie die afrikanischen L\u00e4ufer aus dem heimatlichen Umfeld den Weg auf unsere Stra\u00dfen finden. Dass sich da weit mehr ereignet als nur die kurze Zeit w\u00e4hrend eines Laufs, versteht sich von selbst und ist in beeindruckenden Szenen umgesetzt. Dieser Film ist kein Report \u00fcber grandiose Erfolge und gro\u00dfes Geld, es gibt fast mehr Schatten als Licht. Was dabei wirklich fasziniert ist die Offenheit und der Mut dazu mit der alle Akteure in dieser Dokumentation agieren und zu Wort kommen. Das spricht alles f\u00fcr sich selbst und braucht keinen Kommentar, den es auch nicht gibt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/volker-wagner-film-2015.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" size-full wp-image-3257 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/volker-wagner-film-2015.jpg\" alt=\"volker-wagner-film-2015\" width=\"484\" height=\"313\" \/><\/a><span style=\"font-size: 12pt;\">Manager, Trainer und Physiotherapeut Volker Wagner gibt Anweisungen bei der Rekrutierung von kenianischen Athleten in deren Heimat.\u00a0 (c) ZDF<\/span><\/p>\n<p>Am Ende bleibt man etwas ratlos zur\u00fcck und wundert sich, nicht schon einmal fr\u00fcher \u00fcber diese Thematik etwas tiefer nachgedacht zu haben. Auch insofern war ein solcher Film mehr als \u00fcberf\u00e4llig. Warum allerdings das liebe ZDF eine solch grandiose Dokumentation um 23:55 auf den Sender bringt, nachdem zuvor die Tiefen des Unterschichten nahen TVs zu ertagen waren, bleibt ein R\u00e4tsel. Unser Tip: <strong>UNBEDINGT anschauen!<\/strong><\/p>\n<p>Hier folgt eine Rezension von<strong> Ren\u00e9 Martens<\/strong> in der Wochenzeitung &#8220;<strong>DIE ZEIT<\/strong>&#8220;:<\/p>\n<p>Kenia ist die dominierende Nation im Marathonlauf, Athleten aus dem ostafrikanischen Land belegen regelm\u00e4\u00dfig die bestens dotierten vorderen Pl\u00e4tze bei den gro\u00dfen Events in New York, London, Berlin, Hamburg. Die Hoffnung, auf diese Weise vor der Armut davonlaufen zu k\u00f6nnen, treibt jede Saison unz\u00e4hlige Kenianer in die reichen L\u00e4nder. Sie sind nicht nur bei Ereignissen mit gro\u00dfer Strahlkraft dabei, sie suchen ihr Gl\u00fcck auch bei Marathon- oder Halbmarathonl\u00e4ufen in der Provinz, wo manchmal nur ein paar Hundert Euro als Pr\u00e4mie winken. In Paderborn zum Beispiel, beim j\u00e4hrlichen Osterlauf.<\/p>\n<p>Bei solchen Rennen trifft man oft den Manager Volker Wagner, einer der Protagonisten in Daniel Sagers Dokumentarfilm The Long Distance, den das ZDF in seinem Nachtprogramm zeigt. Der Mittsechziger aus Detmold holt L\u00e4ufer und L\u00e4uferinnen f\u00fcr mehrere Wochen von Kenia nach Deutschland, meldet sie bei verschiedenen Rennen an und bringt sie in einem seiner Bungalows unter. &#8220;Seit 27 Jahren&#8221; mache er das, betont Wagner im Film mehrmals. Sein Lohn: 15 Prozent Provision vom Preisgeld. Damit ist auch sein Problem benannt: Wenn zu viele seiner Sch\u00fctzlinge nicht genug Pr\u00e4mien erlaufen, um ihm das Geld zur\u00fcckzuzahlen, das er, etwa f\u00fcr Flugtickets, vorgestreckt hat, macht er Verlust.<\/p>\n<p>The Long Distance ist Daniel Sagers Abschlussarbeit an der Filmakademie Baden-W\u00fcrttemberg. Der Film, der gerade den First Steps Award gewonnen hat, beginnt in der kenianischen Bergregion Eldoret. Dort fristen zwei Sch\u00fctzlinge Wagners ein \u00e4rmliches Dasein in Lehmh\u00fctten. Felix, Mitte 20, macht ein bisschen in Viehwirtschaft und hofft, von einem Preisgeld eine Solaranlage kaufen zu k\u00f6nnen; Eunice, Anfang 30, k\u00fcmmert sich um ihren Vater und hofft, dass sie bald genug Geld haben wird, ihre Tochter zu sich holen. Die lebt derzeit bei Eunices Schwester.<\/p>\n<p>Sager beschreibt, wie aus den unterschiedlichen Hoffnungen Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse entstehen. Druck herrscht auf beiden Seiten, denn Wagner war zwar als Strippenzieher einst eine gro\u00dfe Nummer, seine Sch\u00fctzlinge liefen Weltrekorde. Doch heute lebt er vor allem von seinen Erinnerungen. Andere Manager, die ebenfalls Gruppen afrikanischer L\u00e4ufer unter Vertrag nehmen, sind l\u00e4ngst erfolgreicher als er. Und dann macht ihm auch noch eine perfide Versch\u00e4rfung der Visumsregelungen zu schaffen. 3.000 Euro Kaution muss er f\u00fcr jeden L\u00e4ufer hinterlegen \u2013 f\u00fcr den Fall, dass sie nach ihren Rennen nicht nach Kenia zur\u00fcckkehren, sondern hier Asyl beantragen. Aber Wagner will nicht aufgeben, er ist ein Sturkopf.<\/p>\n<p>In seiner Verzweiflung dr\u00e4ngt er Eunice dazu, zwei Marathonl\u00e4ufe innerhalb eines Monats zu bestreiten. In Gutsherrenart treibt er sie zu etwas an, was nicht zu verantworten ist. \u00dcber 90 Filmminuten bleibt der Machertyp Wagner eine ambivalente Figur: Mal wirkt er f\u00fcrsorglich, mal gnadenlos \u2013 oft aber auch hilflos. Das gilt f\u00fcr jene Passagen, in denen seine Geldprobleme zum Greifen nah sind. Wagners Ehefrau Natalya scheint es geradezu darauf angelegt zu haben, die finanzielle Misere der Familie vor der Kamera immer wieder zur Sprache zu bringen.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass es Regisseur Sager gelungen ist, solche privaten Konfliktszenen einzufangen. \u00c4hnlich stark, wenn auch aus anderen Gr\u00fcnden, sind die Passagen, die bei den Rennen in Paderborn und anderswo entstanden sind. Mehrere Superzeitlupeneinstellungen zeigen, wie brutal dieser Sport ist, zumindest f\u00fcr jene, die, anders als die hier startenden Freizeitsportler, nicht f\u00fcr ihre Gesundheit laufen, sondern gewisserma\u00dfen um ihr Leben.<\/p>\n<p>Dass The Long Distance Assoziationen zu den aktuellen weltweiten Fluchtbewegungen ausl\u00f6st, bleibt nicht aus: Der Film erz\u00e4hlt von Menschen, die in einer ihnen v\u00f6llig unbekannten Welt das Gl\u00fcck suchen, das zu Hause nicht zu haben ist. Felix und Eunice laufen aber nicht weg. Das wird nicht zuletzt deutlich in Szenen, in denen sie bestenfalls belustigt die Usancen in Deutschland kommentieren. Wo die Menschen &#8220;an Eier glauben&#8221; (eine Anspielung auf Ostern) und &#8220;die Hunde Jacken tragen, wenn es regnet&#8221;, wollen Felix und Eunice gar nicht leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hat sich l\u00e4ngst herumgesprochen, dass die schnellen L\u00e4uferinnen und L\u00e4ufer fast ausschlie\u00dflich aus den H\u00f6hen Ostafrikas kommen. Diese dominieren das Elitesegment bei den gro\u00dfen L\u00e4ufen fast im Monopol, wobei dabei die Rekorde und die Sieger im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Dass dabei viele Akteure auch auf den weiteren Pl\u00e4tzen landen, interessiert schon weniger. 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