{"id":2908,"date":"2015-10-12T20:00:05","date_gmt":"2015-10-12T20:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=2908"},"modified":"2015-10-17T20:46:45","modified_gmt":"2015-10-17T20:46:45","slug":"38-bank-of-america-chicago-marathon-am-11-oktober-2015-quo-vadis-chicago","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=2908","title":{"rendered":"38. Bank of America Chicago Marathon am 11. Oktober 2015: Quo vadis, Chicago?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/chicago-mar-2015-logo.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  wp-image-2567 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/chicago-mar-2015-logo-640x156.jpg\" alt=\"chicago-mar-2015-logo\" width=\"500\" height=\"122\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/chicago-mar-2015-logo-640x156.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/chicago-mar-2015-logo.jpg 932w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dickson Chumba (KEN) und Florence Kiplagat (KEN) lauten die Sieger beim Bank of America Chicago Marathon 2015. Ein Blick auf die Siegerzeiten, vor allem bei den M\u00e4nnern, deutet schon an, dass in diesem Jahr einiges anders \u201clief\u201d als in den letzten Jahren: Chumba ben\u00f6tigte f\u00fcr den Kurs mit Start und Ziel im Grant Park 2:09:25, Kiplagat war 2:23:33 unterwegs. Damit lagen die Zeiten bei den M\u00e4nnern im Vergleich zu den Vorjahren in Dimensionen, die f\u00fcr die Anspr\u00fcche einer der schnellsten Marathonl\u00e4ufe im globalen Vergleich (Streckenrekord: Dennis Kimetto 2:03:45, 2013) als eher entt\u00e4uschend zu bezeichnen sind. Und auch bei der Halbmarathon-Weltrekordlerin Florence Kiplagat hatte man nach ihren Ank\u00fcndigungen im Vorfeld sicher eine deutlich schnellere Zeit erwartet; der Streckenrekord bei den Frauen ist immer noch Paula Radcliffes damaliger Weltrekord von 2:17:18 aus dem Jahr 2002. Aber die Zeit schien Kiplagat weniger zu interessieren, mit ungew\u00f6hnlichen Jubelposen feierte sie ihren Sieg. Die Chancen, dass man nach den nachtr\u00e4glichen Disqualifikationen der letzten Jahre wegen Dopingvergehen einmal wieder die (wirkliche) Siegerin nach dem Zieleinlauf geehrt hat, erscheinen diesmal realistisch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-start.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  wp-image-2939 alignleft\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-start-640x311.jpg\" alt=\"chicago-mar-2015-start\" width=\"630\" height=\"306\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-start-640x311.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-start-1200x582.jpg 1200w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-start.jpg 1300w\" sizes=\"(max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0<span style=\"font-size: 12pt;\">Vor dem Start zum 38. Chicago Marathon.\u00a0 (c) H. Winter<\/span><\/p>\n<p>Vom Leistungsniveau her wird man die 38. Ausgabe dieser Traditionsveranstaltung kaum in Erinnerung behalten, da schon eher wegen der Begleitumst\u00e4nde. Denn gut einem Monat vor dem Startschuss kam aus Chicago die \u00fcberraschende Kunde, dass man nach den Tempojagden fr\u00fcherer Jahre unvermittelt auf Tempomacher, despektierlich auch als \u201eHasen\u201c bezeichnet, verzichten wird. Und was man im Vorfeld bef\u00fcrchten musste, trat dann in voller Konsequenz bei den M\u00e4nnern auch ein: Chicago erlebte einen leistungssportlichen \u201eGAU\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2015Chicago-0421s.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  wp-image-2973 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2015Chicago-0421s-640x427.jpg\" alt=\"2015Chicago-0421s\" width=\"621\" height=\"414\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2015Chicago-0421s-640x427.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2015Chicago-0421s-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 621px) 100vw, 621px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nachdem man sich in den letzten vier Jahren wieder in die Weltelite der Marathonszene gearbeitet hatte \u2013 mit einem Mittel der letzten vier Siegerzeiten von 2:04:11 und einem Zehnermittel von 2:04:40 auf Platz 2 hinter Berlin (2:03:49) und vor Dubai (2:04:46) sowie Rotterdam (2:04:52) und London (2:04:56) \u2013 war man in diesem Jahr etwa 5 Minuten l\u00e4nger unterwegs. Diese Leistung reiht sich auf Platz 96 der besten Zeiten seit Bestehen des Chicago Marathon ein, im weltweiten Ranking des Jahres 2015 wird man die Top100 deutlich verfehlen. Und abgesehen von den 2:11:11 beim Hitzerennen im Jahr 2007, wo man das Rennen f\u00fcr viele Freizeitl\u00e4ufer auf die halbe Distanz verk\u00fcrzte, muss man in Chicago bis in das Jahr 1995 zur\u00fcckblicken, um eine langsamere Zeit des Siegers zu finden. Wenn dann noch bei \u00e4hnlich guten Bedingungen am gleichen Morgen ein \u201eNobody\u201c der Szene, wie das niederl\u00e4ndische Eindhoven, einer Siegerzeit von 2:05:52 und drei Zeiten bis 2:06 vermelden kann, scheinen die Dinge auf den Kopf gestellt. Dass in Chicago am Ende der Streckenrekordler von Eindhoven (2:05:45) gewann, ist dann schon fast eine Ironie des Schicksals.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2015Chicago-1380s.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  wp-image-2974 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2015Chicago-1380s-640x427.jpg\" alt=\"2015Chicago-1380s\" width=\"577\" height=\"385\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2015Chicago-1380s-640x427.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2015Chicago-1380s-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00dcber Rennen mit (oder ohne) Tempomacher kann man diverser Ansicht sein, Argumente gibt es sicher f\u00fcr beide F\u00e4lle. Die Behauptung, dass ohne derartige Unterst\u00fctzung der Wettkampf (wieder) in den Vordergrund tritt, ist aber nur bedingt zu st\u00fctzen, wie auch die Rennen in Chicago nachhaltig demonstrierten. Dabei konnte die Renngestaltung bei M\u00e4nnern so wie Frauen unterschiedlicher kaum sein. Auch \u201enumerisch\u201c schlug sich dies mit der Zeit beim Halbmarathon sehr deutlich nieder. <a href=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-chumba-40km.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  wp-image-2976 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-chumba-40km-559x640.jpg\" alt=\"chicago-mar-2015-chumba-40km\" width=\"382\" height=\"437\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-chumba-40km-559x640.jpg 559w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-chumba-40km-1047x1200.jpg 1047w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-chumba-40km.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 382px) 100vw, 382px\" \/><\/a>Bei den Frauen hatte die gro\u00dfe Favoritin und Halbmarathon-Weltrekordlerin Florence Kiplagat (KEN) vor der Abreise in einem Interview angek\u00fcndigt, in Chicago \u201esehr schnell\u201c laufen zu wollen, nachdem ihre letzten Auftritte \u00fcber die volle Marathondistanz in Chicago 2014 und London 2015 eher bescheiden waren. Als Orientierung stand der Streckenrekord von Paula Radcliffe von 2:17:18 zur Debatte, der f\u00fcr eine Athletin mit ihren Leistungen auf den Unterdistanzen in Grenzen realistisch erschien. Somit war es schon \u00fcberraschend, dass Kiplagat die Tempogestaltung vollst\u00e4ndig der Japanerin Kayoko Fukushi \u00fcberlie\u00df, die mit dem Ziel einer schnellen Zeit f\u00fcr die Olympiaqualifikation hoch motiviert ins Rennen gegangen war und sichtbar alles daf\u00fcr gab.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-fukushi-etc.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  wp-image-2977 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-fukushi-etc-640x426.jpg\" alt=\"chicago-mar-2015-fukushi-etc\" width=\"574\" height=\"382\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-fukushi-etc-640x426.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-fukushi-etc.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 574px) 100vw, 574px\" \/><\/a>Fast einem Uhrwerk gleich lief man die km-Abschnitte um 3:20 Minuten und lag nach 5 km in 16:35 und 10 km in 33:05 auf Kurs zu einer Zeit von 2:19:30, also etwa einer Zeit, die Gladys Cherono in Berlin als Weltjahresbeste erzielte. Bis etwa 15 km in 49:40 konnte eine Gruppe von sieben Frauen dieses Tempo halten, dann rutschen die Splits nach oben und bei der H\u00e4lfte in 1:10:28 lag man immer noch sehr gut im Rennen. Doch an Stelle einer Tempoversch\u00e4rfung durch Kiplagat, zeigte diese kaum Ambitionen die gute F\u00fchrungsarbeit von Fukushi zu nutzen. Die 5 km Abschnitte rutschten jetzt von 16:30 auf etwa 17:20 und wertvolle Zeit ging verloren. Als man die Matten bei 35 km in Chinatown nach 1:58:44 erreichte, lag man nur noch auf Kurs von 2:23 Stunden. Mit einem schnellen km in 3:19 konnte sich Kiplagat nach 38 km auch von der letzten Mitstreiterin absetzen und das Rennen nach 2:23:33 gewinnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-kiplagt-41km.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  wp-image-2978 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-kiplagt-41km-426x640.jpg\" alt=\"chicago-mar-2015-kiplagt-41km\" width=\"286\" height=\"430\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-kiplagt-41km-426x640.jpg 426w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/chicago-mar-2015-kiplagt-41km.jpg 682w\" sizes=\"(max-width: 286px) 100vw, 286px\" \/><\/a>Nur 10 Sekunden sp\u00e4ter belegte Yebrgual Melese (ETH) Platz 2 und Birhane Dibaba (ETH) verteidigte in einem tollen Finale in 2:24:24 mit Sekundenvorsprung den letzten Platz auf dem Podium gegen eine tapfer k\u00e4mpfende Fukushi, die f\u00fcr ihre \u201eTempomacher-Dienste\u201c nicht belohnt wurde. Ob 2:24:25 ihr schon das Ticket zu Olympia im japanischen Team sichern wird, bleibt eher fraglich. Fazit f\u00fcr die kleinere Japanerin: Mit designierten Pacemakern h\u00e4tte sie ihre Ressourcen im ersten Teil etwas schonen und sicher eine noch bessere Leistung abliefern k\u00f6nnen. Im Vergleich zu ihren Konkurrentinnen w\u00e4re das sogar fairer gewesen. So haben andere (L\u00e4uferinnen) von ihrem tollen Einsatz profitiert. Thematisiert hat diesen Ablauf nach dem Rennen niemand.<\/p>\n<p>Das Rennen der M\u00e4nner war das Gegenteil zu dem der Frauen. Schon auf den ersten Kilometern in 3:08, 3:07 und 3:11 war zu ahnen, was sich im weiteren Verlauf anbahnte. Keiner wollte die Verantwortung f\u00fcr das Tempo \u00fcbernehmen und in breiter Front lief man durch die Innenstadt. Wenn der Race Director vor Ort, Carey Pinkowski, mit \u201eCompetion\u201c und (Renn-)Taktik gemeint hat, dass nun auch weniger ausgewiesene Athleten bei einem solchen Tempo in der Spitze mitliefen, ist das sicher fraglich. Denn nach etlichen km und einer Tempoerh\u00f6hung fielen diese Kandidaten auch bei dieser Tempogestaltung zur\u00fcck. Sp\u00e4testens nach 5 km in 15:31 wurde klar, was diesmal in Chicago drohte, man war auf Kurs zu 2:11 Stunden.<\/p>\n<p>Und wenn es auch Leute gab, die von einer solchen Renngestaltung fasziniert schienen, ging das an dem Potential des Elitefelds schlichtweg vorbei. Wenn der Vorjahreszweite Sammy Kitwara (KEN) nach dem Rennen sagte, dass die erste H\u00e4lfte in diesem Jahr weniger anstrengend war als ein Trainingslauf in der Heimat, dann f\u00fchrte dies die \u201eCompetition\u201c eigentlich ad absurdum. Dabei w\u00e4re er bereit gewesen, wie in den Vorjahren, wo er Vierter, Dritter und Zweiter wurde, ein hohes Tempo mitzugehen. Angeblich soll Kitwara auch erst bei der Ankunft in Chicago von dem Verzicht auf Pacemaker erfahren haben. Dazu Pinkowski: \u201eStimmt nicht. Lost in translation \u2026\u201c.<\/p>\n<p>Wie erratisch sich das Rennen in der Anfangsphase entwickelte, zeigte auch der Vorsto\u00df von Elkanah Kibet, der 2006 in die USA kam und bei der US Army besch\u00e4ftigt ist. Kibet machte in Chicago sein Deb\u00fct und hatte 2015 10 km Rennen in den USA in 29:53 und 30:11 absolviert. Mit 2:55 f\u00fcr den Abschnitt von 8 nach 9 km, also im Bereich seiner M\u00f6glichkeiten auf der Unterdistanz, setzte er sich schnell von der gro\u00dfen Spitzengruppe ab und baute seinen Vorsprung auf 15 Sekunden aus. Da dies die f\u00fcr den langsamen Start dringend ben\u00f6tigte Tempoversch\u00e4rfung war, war es schon erstaunlich, dass keiner der Topl\u00e4ufer mit Kibet mitging und ihn als \u201eHasen\u201c nutzte.<\/p>\n<p>Durch die Tempoversch\u00e4rfung legte Kibet die zweiten 5 km in 15:01 zur\u00fcck und erreichte mit gro\u00dfem Vorsprung die 10 km Marke nach 30:32. Er war damit auf Kurs zu einer Zeit von 2:08:50, eine schnellere Projektion f\u00fcr die Zeit im Ziel sollten die L\u00e4ufer im gesamten Rennen nicht mehr erreichen. Noch vor den 15 km war Kibets Einlage aber schon beendet, die Verfolger hatten mit konstanten 15:15 auf den beiden letzten 5 km Abschnitten den Anschluss hergestellt. Am Ende wurde Kibet Siebter in 2:11:31, nachdem er noch bis 30 km in der Spitzengruppe lief.<\/p>\n<p>Zum Halbmarathon in 1:05:11 rutschten die km Abschnitte der Spitze auf bis zu 3:10 ab, man lag nur noch auf Kurs zu einer Zeit von \u00fcber 2:10, in den letzten Jahren war man an dieser Stelle stets gut 3 Minuten schneller. Doch das war noch nicht das Ende der Tempoverschleppung. Die n\u00e4chsten beiden 5 km Abschnitte wurde in f\u00fcr Chicago bescheidenen 15:39 und sogar 15:50 zur\u00fcckgelegt, mit km Abschnitten bis zu 3:17; mit \u201eCompetition\u201c hatte das nur wenig zu tun. Bei 30 km nach 1:33:14 lag die Spitze auf Kurs von \u00fcber 2:11 Stunden. Und dies bei \u2013 bis auf einen zeitweilig auffrischenden Wind \u2013 ausgezeichneten Bedingungen mit Temperaturen um 12\u00b0C (im Schatten).<\/p>\n<p>In der zehnk\u00f6pfigen Spitzengruppe waren noch alle Favoriten beieinander, dazu ein Gesicht, das in der Szene weniger bekannt war. Um einen ganzen Kopf \u00fcberragte der lange US-Amerikaner Luke Puskedra den Rest der Mitstreiter, dem die moderate Renngestaltung sehr entgegenkam und ihm das Laufen in der Spitzengruppe m\u00f6glich machte. Dabei war Puskedra f\u00fcr Insider kein unbeschriebenes Blatt. Als 21j\u00e4hriger Student in Oregon lief er den Halbmarathon in gro\u00dfartigen 61:36, was ihm einen Platz im Oregon Project von Nike einbrachte. Sein Marathondeb\u00fct in New York ging in 2:28:54 gr\u00fcndlich daneben, aus dem Oregon Project von Salazar flog er heraus, so dass Chicago f\u00fcr ihn eine sp\u00e4ten Durchbruch bedeutete. Erst drei Wochen zuvor hatte er sich entschlossen hier zu starten. Er war einer der Profiteure der Tempomacher losen Veranstaltung, im Ziel wurde er sogar F\u00fcnfter in 2:10:24 und lief dabei fast zwei exakt gleich schnelle H\u00e4lften. Im Februar bei den US-Marathon-Trials kann er sich nun berechtigte Hoffnungen auf Olympia 2016 in Rio machen.<\/p>\n<p>Dass nach 30 km das Rennen auf diesem Niveau nicht weiter \u201elaufen\u201c w\u00fcrde, war angesichts der Vorleistungen der Kontrahenten zu erwarten: Vorjahreszweiter Sammy Kitwara (KEN, 2:04:28), Vorjahresdritter und Tokyo-Sieger 2014 Dickson Chumba (KEN, 2:04:32), Rotterdam Sieger 2015 Abera Kuma (ETH, 2:05:56), Wesley Korir (KEN, 2:06:13) oder Sammy Ndungu (KEN, 2:07:04). Mit einer Tempoversch\u00e4rfung nach 31 km mit einem km Abschnitt in 2:47 gab es eine Vorentscheidung, bei der sich Chumba, Kitwara und Kuma absetzen konnten. 35 km in Chinatown wurden in 1:47:52 erreicht, die letzten 5 km in 14:38 und auch die kommenden 5 km wurden in 14:50 sehr schnell zur\u00fcckgelegt. Hier hatte sich Chumba von Kitwara absetzen k\u00f6nnen, Kuma war schon vorher abgefallen und brach gewaltig ein. In 2:13:44 wurde er nur Neunter.<\/p>\n<p>Die letzten 10 km hatte Chumba in 29:28 zur\u00fcckgelegt, das ist das Tempo f\u00fcr einen Marathon in 2:04 Stunden. Das h\u00e4tte man sich gerne als Zeit im Ziel gew\u00fcnscht, doch das hatte man auf den ersten 30 km schlichtweg verbummelt. Diesbez\u00fcglich kann man sich wieder fragen, ob eine \u201eBummelei\u201c auf den ersten \u00be der Strecke mehr bringt als ein rigides Temporennen, das dann gleichfalls ab 30 km mit schnellen Zeiten im Ziel f\u00fcr die \u201e\u00dcberlebenden\u201c (s. Berlin) zum Erfolg f\u00fchrt. Die \u201eCompetition\u201c in der Schlussphase ist mit oder ohne Tempomacher vorhanden, nur dass der sportliche Wert einer schnellen Zeit unzweifelhaft h\u00f6her liegt. Durch die Renngestaltung brachten sich auf jeden Fall alle Elitel\u00e4ufer um eine Empfehlung f\u00fcr eine Olympiaqualifikation. Und falls sie noch Ambitionen f\u00fcr Rio hegen, m\u00fcssen sie noch einmal ran, vermutlich dann aber MIT Tempomachern.<\/p>\n<p>Auf dem Schlusspart lie\u00df sich Chumba die F\u00fchrung nicht mehr nehmen und erreichte das Ziel im wundersch\u00f6nen Grant-Park nach 2:09:25, eine kaum Begeisterung ausl\u00f6sende Zeit. Das Preisgeld von 100.000 US$ bekam er nat\u00fcrlich trotzdem. Sammy Kitwara konnte seine Serie in Chicago leider nicht komplettieren, nach Platz 4, 3 und 2 folgte diesmal wieder Platz 2 in 2:09:50. Platz 3 ging an Sammy Ndungu in 2:10:06, der zwischendurch bei einem Toilettenaufenthalt ca. 30 Sekunden verlor und diese in einem kraftraubenden Zwischenspurt wieder kompensierte. Ganze zwei Athleten unter 2:10, das ist f\u00fcr Chicagoer Standards schon bitter. Da gab es hier schon andere Zeiten, unerreicht die Breite im Jahr 2012 (mit Tempomachern!), wo man f\u00fcr Platz 10 2:08:39 laufen musste. Shami Dawit (ETH) h\u00e4tte damit 2015 gewonnen.<\/p>\n<p>Nach dem Lauf musste sich bei vielen Beteiligten die Entt\u00e4uschung erst einmal setzen, auch beim Race Director Carey Pinkowski. Euphemistisch wurde die \u201eCompetition\u201c und was immer beschworen, aber eigentlich konnten die Ergebnisse und der Ablauf der Rennen, insb. bei den M\u00e4nnern, kaum zufriedenstellen. Somit wird man mit Interesse verfolgen, wie sich die Dinge in Chicago weiter entwickeln. Eigentlich konnte man sich nach dem Lauf am letzten Sonntag keine bessere Werbung f\u00fcr einen Lauf MIT Tempomachern (so die denn funktionieren) vorstellen.<\/p>\n<p>Auf eine weitere Diskussion zu den Hintergr\u00fcnden soll hier verzichtet werden, das geht in den Bereich der Spekulation und interner Entwicklungen. Aber wenn Pinkowski auf Grund der versteckten Klagen f\u00fcr die fehlenden Unterst\u00fctzung im ersten Teil des Rennens empfiehlt, dass die L\u00e4ufer dann doch bitte an Orten starten sollen, wo Tempomacher eingesetzt werden, ist das schon mehr als bedenklich. (Pinkowski: I thought it was great theater. If they (Dickson Chumba and Sammy Kitwara) didn\u2019t like it, they can go to Berlin (which is paced) next year.). Dazu kann man dann nur anmerken, die werden das vermutlich tun. Und nicht nur diese! Man kann den Verantwortlichen in Chicago nur dringend empfehlen, ihr Konzept noch einmal hinsichtlich dieser Thematik zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>Ansonsten war der Marathon f\u00fcr die \u00fcberwiegende Masse der Teilnehmer ein gro\u00dfartig organisiertes Event, bei dem 20156 M\u00e4nner und 17199 Frauen im Ziel registriert wurden. Mit 37355 Finishern lag man allerdings deutlich hinter dem Rekord aus dem Vorjahr mit 40659 zur\u00fcck. Bei einem Frauenanteil von 46 % sind somit in Chicago seit dem Beginn im Jahr 1977 insgesamt 701.604 Teilnehmer \u00fcber den Zielstrich gelaufen. Das \u00f6ffentliche Interesse am Lauf ist nach wie hoch, obwohl man im Vergleich zu den Vorjahren abnehmende Tendenzen registrieren muss. Die benannten 1,6 Millionen Zuschauer werden in einer realistischen Sch\u00e4tzung auch nicht in Ans\u00e4tzen erreicht.<\/p>\n<p>Der Lauf wurde von NBC5 live im TV \u00fcbertragen, wobei die Vielzahl von Werbeunterbrechungen mehr als st\u00f6rend ist. Daf\u00fcr sind mit Tim Hutchings, Ed Eystone und auf dem Motorrad Dathan Ritzenhein Kommentaren von internationaler Klasse und Expertise vor Ort. Noch besser macht es allerdings das Radio AM670 The Score. Was Josh List und seine Crew jedes Jahr auf die Beine stellen, ist schlichtweg immer wieder gro\u00dfartig. Die brauchen allerdings auch keine Tempomacher!<\/p>\n<p><strong>Ergebnisse der M\u00e4nner:<\/strong><\/p>\n<p>1. Chumba, Dickson (KEN) 02:09:25<br \/>\n2. Kitwara, Sammy (KEN) 02:09:50<br \/>\n3. Ndungu, Sammy (KEN) 02:10:06<br \/>\n4. Gebru, Girmay Birhanu (ETH) 02:10:07<br \/>\n5. Puskedra, Luke (USA) 02:10:24<br \/>\n6. Korir, Wesley (KEN) 02:10:39<br \/>\n7. Kibet, Elkanah (USA) 02:11:31<br \/>\n8. Rotich, Lucas (KEN) 02:13:39<br \/>\n9. Kuma, Abera (ETH) 02:13:44<br \/>\n10. Cabada, Fernando (USA) 02:15:36<br \/>\n11. Adams, Liam (AUS) 02:16:29<br \/>\n12. Richards, Malcolm (USA) 02:16:41<br \/>\n13. Wietecha, Scott (USA) 02:17:02<br \/>\n14. Watson, Rob (CAN) 02:17:21<br \/>\n15. Migliozzi, Tony (USA) 02:17:44<br \/>\n16. Lemon, Chris (USA) 02:18:06<br \/>\n17. Ripley, Zach (USA) 02:18:26<br \/>\n18. Macpherson, Scott (USA) 02:18:34<br \/>\n19. Shaw, Ethan (USA) 02:19:33<br \/>\n20. Geoghegan, Patrick (USA) 02:19:38<\/p>\n<p><strong>Inoffizielle Zwischenzeiten der M\u00e4nner:<\/strong><\/p>\n<p>5 km 15:31\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 3:08, 3:07, 3:11,2:59, 3:06<br \/>\n10 km 30:32\u00a0 15:01\u00a0\u00a0\u00a0 3:02, 3:01, 3:03, 2:55, 3:00<br \/>\n15 km 46:00\u00a0 15:28\u00a0\u00a0\u00a0 3:03, 3:05, 3:04, 3:08, 3:08<br \/>\n20 km 1:01:45\u00a0 15:45\u00a0\u00a0\u00a0 3:10, 3:08, 3:05, 3:10, 3:12<br \/>\nHM 1:05:12<br \/>\n25 km 1:17:24\u00a0\u00a0 15:39\u00a0\u00a0\u00a0 3:04, 3:12, 3:17, 3:00, 3:06<br \/>\n30 km 1:33:14\u00a0 15:50\u00a0\u00a0\u00a0 3:08, 3:09, 3:15, 3:03, 3:15<br \/>\n35 km 1:47:52\u00a0 14:38\u00a0\u00a0\u00a0 2:58, 2:47, 2:54, 2:59, 3:00<br \/>\n40 km 2:02:41\u00a0 14:50 \u00a0\u00a0 2:57, 2:57, 3:03, 2:51, 3:02<br \/>\n<strong>Ziel 2:09:25\u00a0 6:43<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0 3:02, 3:04<\/p>\n<p><strong> Ergebnisse der Frauen:<\/strong><\/p>\n<p>1. Kiplagat, Florence (KEN) 02:23:33<br \/>\n2. Melese, Yebrgual (ETH) 02:23:43<br \/>\n3. Dibaba, Birhane (ETH) 02:24:24<br \/>\n4. Fukushi, Kayoko (JPN) 02:24:25<br \/>\n5. Seboka, Mulu (ETH) 02:24:40<br \/>\n6. Assefa, Meskerem (ETH) 02:25:11<br \/>\n7. Kastor, Deena (USA) 02:27:47<br \/>\n8. Nukuri, Diane (BDI) 02:29:13<br \/>\n9. Draskau Petersson, Jessica (DEN) 02:30:07<br \/>\n10. Hall, Sara (USA) 02:31:14<br \/>\n11. Partridge, Susan (GBR) 02:31:31<br \/>\n12. Crouch, Sarah (USA) 02:32:51<br \/>\n13. Britton, Fionnuala (IRL) 02:33:15<br \/>\n14. Juodeskaite, Monika (LTU) 02:34:29<br \/>\n15. Arenas, Maritza (MEX) 02:38:21<br \/>\n16. Moody, Tera (USA) 02:39:32<br \/>\n17. Hyland, Rachel (USA) 02:41:26<br \/>\n18. Harnish, Laura (USA) 02:42:09<br \/>\n19. Moeller, Erin (USA) 02:42:27<br \/>\n20. Kersjes, Lauren (USA) 02:44:28<\/p>\n<p><strong>Inoffizielle Zwischenzeiten der Frauen:<\/strong><\/p>\n<p>5 km 16:35<br \/>\n10 km 33:05\u00a0 16:30\u00a0\u00a0\u00a0 3:18, 3:20, 3:17, 3:16, 3:19<br \/>\n15 km 49:40\u00a0 16:35\u00a0\u00a0\u00a0 3:17, 3:18, 3:19, 3:18, 3:23<br \/>\n20 km 1:06:40\u00a0 17:00\u00a0\u00a0\u00a0 3:24, 3:20, 3:23, 3:26, 3:27<br \/>\nHM 1:10:28<br \/>\n25 km 1:24:00\u00a0 17:20\u00a0\u00a0\u00a0 3:21, 3:30, 3:36, 3:23, 3:30<br \/>\n30 km 1:41:19\u00a0 17:19 \u00a0\u00a0 3:28, 3:24, 3:25, 3:30, 3:32<br \/>\n35 km 1:58:44\u00a0 17:25\u00a0\u00a0\u00a0 3:29, 3:22, 3:31, 3:31, 3:32<br \/>\n40 km 2:15:58\u00a0 17:14\u00a0\u00a0\u00a0 3:35, 3:31, 3:25, 3:19, 3:24<br \/>\n<strong>Ziel 2:23:33\u00a0 7:35\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0 3:25, 3:29<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dickson Chumba (KEN) und Florence Kiplagat (KEN) lauten die Sieger beim Bank of America Chicago Marathon 2015. 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