{"id":21986,"date":"2021-05-03T01:10:31","date_gmt":"2021-05-03T01:10:31","guid":{"rendered":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=21986"},"modified":"2021-05-04T11:37:17","modified_gmt":"2021-05-04T11:37:17","slug":"40-jahre-25-km-lauf-durch-berlin-s25-berlin-am-3-mai-2021-abstieg-in-die-leistungssportliche-bedeutungslosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=21986","title":{"rendered":"40 Jahre 25 km-Lauf durch Berlin (&#8220;S25 Berlin&#8221;) am 3. Mai 2021: Abstieg in die leistungssportliche Bedeutungslosigkeit"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-19918 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/s25-berlin-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"184\" \/>Am heutigen Montag ist das 40-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um eines Laufs, an dem wieder mehrere tausend L\u00e4ufer auf die 25 km lange Strecke durch die Berliner Innenstadt mit Start und Ziel am\/im Olympiastadion gegangen w\u00e4ren. <!--more-->Ein grandioses Finale winkt dabei jedem Teilnehmer mit der Passage durch die Katakomben und dem Ziel auf der blauen Bahn des Stadions.Von den franz\u00f6sichen Allierten am<strong> 3. Mai 1981<\/strong> als <strong>&#8220;25 km de Berlin&#8221;<\/strong> begr\u00fcndet (eigentlich sollte der Lauf schon ein Jahr zuvor stattfinden), hat diese Veranstaltung eine in der Tat einmalige Historie hinter sich und war vor allem der <strong>&#8220;T\u00fcr\u00f6ffner&#8221; f\u00fcr den Berlin Marathon<\/strong> hinsichtlich einer Streckenf\u00fchrung mitten durch die Stadt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-17123 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/25km-franz-start-1081-640x458.jpg\" alt=\"25km-franz-start-1081\" width=\"551\" height=\"394\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/25km-franz-start-1081-640x458.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/25km-franz-start-1081-768x550.jpg 768w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/25km-franz-start-1081-1200x859.jpg 1200w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/25km-franz-start-1081.jpg 1596w\" sizes=\"(max-width: 551px) 100vw, 551px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Kurz vor dem Start bei der Premiere der &#8220;25 km de Berlin&#8221; im Jahr 1981. (c) Sportmuseum Berlin<\/span><\/p>\n<p>In den 40 Jahren seiner wechselvollen Geschichte hat dieser Lauf stets Sport auf h\u00f6chstem Niveau geboten, zu allen Zeiten waren Athleten der Weltklasse am Start, vielfach wurden Weltrekorde\/Weltbestzeiten aufgestellt und auch die aktuellen globalen Rekorde &#8211; aufgestellt von den Inhabern der Weltrekorde \u00fcber die Marathondistanz &#8211; wurden auf der wegen des erheblichen H\u00f6henprofils nicht einfach zu laufenden Strecke erzielt: 2010 lief die kenianische Ausnahmel\u00e4uferin <strong>Mary Keitany<\/strong> (KEN) 1:19:53, zwei Jahre sp\u00e4ter ihr Landsmann <strong>Dennis Kimetto<\/strong> (KEN) 1:11:18. Beide Bestmarken haben bis heute Bestand.<\/p>\n<p>Bereits Mitte der 80er-Jahre gingen um die 10.000 Aktive an den Start, eine Rekordmarke verzeichnete man mit 14.300 L\u00e4ufern aus aller Welt ein halbes Jahr nach dem Mauerfall im Jahr 1990. Bald darauf zogen sich die Allierten aus der Organisation dieses Events von Weltruf zur\u00fcck, der <strong>Berliner Leichtathletik Verband<\/strong> \u00fcbernahm die Veranstaltung bis ab 2008 <strong>&#8220;Berlin l\u00e4uft&#8221;<\/strong> verantwortlich zeichnete. Diese Wechsel hatte der &#8220;Franzosenlauf&#8221; vor allem im Leistungsniveau unbeschadet \u00fcberstanden, stets ging eine Armada von Freizeitl\u00e4ufern mit L\u00e4ufern aus der absoluten Weltspitze &#8211; vornehmlich aus ostafrikanischen L\u00e4ndern &#8211; an den Start. Doch dies scheint nun eine Geschichte aus vergangenen Zeiten zu sein.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-17121 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/big25-2015-winner-men-640x388.jpg\" alt=\"big25-2015-winner-men\" width=\"549\" height=\"333\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/big25-2015-winner-men-640x388.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/big25-2015-winner-men-768x466.jpg 768w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/big25-2015-winner-men.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 549px) 100vw, 549px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Ein Foto aus glorreichen Zeiten (2015) mit den Weltklasse-Athleten Cheroben, Temesgen und Kipkemoi. Die Zeit des Siegers: 1:12:31 Stunden! (c) H. Winter<\/span><\/p>\n<p>Im Jahr 2014\u00a0 schloss sich &#8220;Berlin l\u00e4uft&#8221; mit der belgischen <strong>Agentur Golazzo<\/strong> zusammen, die nach eigenem Bekunden europaweit \u00fcber 200 L\u00e4ufe betreut. Was dann bereits in den letzten beiden Jahren geschah, kam zun\u00e4chst doch sehr \u00fcberraschend, denn man verzichtete unvermittelt auf Elitel\u00e4ufer &#8211; kaufm\u00e4nnisch gesehen sicher ein kaum einsichtiger Kostenfaktor. Dabei wurde in den Jahren 2017 und 2018 die Ma\u00dfnahme noch etwas kaschiert, als die deutschen Topl\u00e4ufer <strong>Katharina Heinig<\/strong> und dann <strong>Jonas Koller<\/strong> letzte Chancen f\u00fcr eine Qualifikationsleistung im Rahmen des Events nutzten. Aber schon damals fehlte die internationale Elite, und es resultierte der Absturz des Leistungsniveaus in das Regime eines Volkslaufs.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr vor der durch die Corona-Pandemie diktierten Zwangspause, am 12. Mai 2019, schlug der Verzicht auf Topathleten und angemessene Preisgelder in allen Belangen zu. Der Sieger \u00fcber die 25 km <strong>Samalya Sch\u00e4fer<\/strong> (GER) lief mit 1:25:46 eine lobenswerte Zeit, international ist das aber bestenfalls drittklassig und wird ansonsten von vielen Frauen der Weltelite deutlich unterboten. Der immer noch g\u00fcltige Weltrekord f\u00fcr die Frauen &#8211; erzielt bei diesem Rennen (!) &#8211; durch Mary Keitany steht steht seit 2010 bei 1:19:53. Platz 2 ging an <strong>Donal Coakle<\/strong>y (IRL) in 1:30:49, womit ein einziger L\u00e4ufer die 90 Minuten unterbieten konnte. Das ist angesichts der Topleistungen fr\u00fcherer Jahre mit vielen Zeiten unter 1:15 Stunden schon bitter.<\/p>\n<p>Einen Tag zuvor beim<strong> 25 km Lauf in Grand Rapids<\/strong> in den USA liefen allein 10 Frauen bis 1:30 Stunden ins Ziel! Der Berliner 25 km-Lauf hatte bis vor kurzem Weltgeltung, wurde nun aber von den verbliebenen Konkurrenten der Szene im japanischen Kumamoto und in Grands Rapids leistungsm\u00e4\u00dfig demontiert. Bei den US-Meisterschaften 2019 im Rahmen des Traditionsrennens in Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan lief\u00a0 <strong>Parker Stinson<\/strong> (USA) Landesrekord in 1:13:38. Selbst f\u00fcr Platz 10 im Feld der US-Athleten musst man noch 1:17:53 rennen. Und sogar die beste Frau <strong>Emma Bates<\/strong> (USA) h\u00e4tte mit ihren 1:23:51 den Sieger (!) von Berlin deutlich hinter sich gelassen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man sich fragen, was es am Ende bringt, wenn die Topelite weit vor dem Feld der Breitensportler vorweg l\u00e4uft. Letztere sollen ihren Spa\u00df haben und finden diesen sicher ohne die Elite, vor allem bei dem spektakul\u00e4ren Einlauf ins Berliner Olympia-Stadion. Doch Sport ist auch eng korreliert mit Leistung(en), und da sollten Konzepte, die die allgegenw\u00e4rtige Leistungslosigkeit pr\u00e4ferieren, ihre Grenzen finden. Ansonsten verkommt nicht nur der Sport zur Beliebigkeit. Ferner zeigen die Entwicklungen in den USA, dass die Korrelation zwischen der Teilnahme von Topelite und Freizeitl\u00e4ufern viel komplexer ist, als es eine oberfl\u00e4chliche Einsch\u00e4tzung der Dinge erwarten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>So wird in einem Betrag in der &#8220;Berliner Zeitung&#8221; vom 3. Mai 2019 Christina Kelkel, die bei Golazzo f\u00fcr die Organisation des 25 km-Laufs verantwortlich zeichnet, zitiert: &#8220;Irgendwann stagnierte der Lauf mit Blick auf die Teilnehmerzahlen. Wir haben das Baby wieder gro\u00dfgezogen. 2010 waren es noch 6.000 L\u00e4ufer, im vergangenen Jahr wurde die Zahl auf 12.000 verdoppelt.&#8221; Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn man diese Einsch\u00e4tzungen st\u00fctzen k\u00f6nnte, die Realit\u00e4ten scheinen sich aber mittlerweile anders zu entwickeln. Nach dem leistungssportlichen Desaster rennen dem 25 km-Lauf nun auch die L\u00e4ufer davon.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend im Jahr 2018 10.662 Finisher im Stadion gez\u00e4hlt wurden, waren das im letzten Jahr noch 7.920 Finisher (Die mit einer Versp\u00e4tung von zwei Tagen auf der Webseite des Laufes publizierten NEWS berichten von 10.047 Teilnehmern).\u00a0 Ganze 3.214 L\u00e4ufer beendeten den 25 km-Lauf, im letzten Jahr waren das noch 4.162. Nimmt man den mittlerweile etablierten Halbmarathon dazu, lauten die Zahlen 4.684 im Jahr 2019 zu 5.796 im Jahr 2018. Dem &#8220;Baby&#8221; scheint es mitnichten gut zu gehen. Eine gesunde Entwicklung sieht diesbez\u00fcglich sicher anders aus.<\/p>\n<p>Dies ist umso erstaunlicher, als der mittlerweile \u00fcberm\u00e4chtige &#8220;Bruder&#8221; in der Stadt &#8211; der von SCC-Events organisierte Halbmarathon Anfang April &#8211; einen grandiosen Boom erf\u00e4hrt, der an die Regionen des (vollen) Marathon im Herbst heranreicht. So wurden im letzten Jahr an der neuen Location mit Start und Ziel im Tiergarten fast 30.000 Finisher registriert. Dabei kam auch der Halbmarathon zahlenm\u00e4\u00dfig lange nicht &#8220;aus dem Quark&#8221;. Man hat aber dort immer der Leistungselite ein Podium geboten und in der Leistungsbreite der Resultate \u00fcberzeugt. Dies findet dann auch ein entsprechendes Echo in den Medien, das bei den S25 zu einer Vorberichterstattung f\u00fchrt, die weitgehend die Stra\u00dfensperrungen f\u00fcr den Verkehr wegen des Laufs thematisiert. Eine Berichterstattung vom sportlichen Ablauf der Veranstaltung selbst ist so gut wie nicht mehr zu finden; wor\u00fcber sollte man auch dezidiert berichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Somit begibt sich der Veranstalter Golazzo mit voller Fahrt auf die Spuren der <strong>Competitor Group<\/strong>, die in den USA seit l\u00e4ngerer Zeit die Rock\u00b4n\u00b4Roll Laufveranstaltungen organisieren. Dort waren es zun\u00e4chst die Eliteathleten, die &#8220;eingespart&#8221; wurden, danach gingen die Sponsoren und Medien stiften, worauf dann auch die Teilnehmerzahlen dramatisch sanken. So wurde zum Beispiel der legend\u00e4re <strong>San Diego Marathon<\/strong> zugrunde gewirtschaftet. Von der gl\u00e4nzenden Premiere 1998 mit 20.000 Meldungen sind nach 20 Jahren und 10 Jahren Competitor gerade noch 2.000 Unentwegte \u00fcbriggeblieben.<\/p>\n<p>Bleibt zu hoffen, dass den S25 ein solches Schicksal erspart bleibt. Leider war es zum 40. Jubil\u00e4um das Corona-Virus, das eine Wende in Richtung zu den alten Zeiten verhinderte und auch beim 40. Jahrestag immer noch auf globaler Skala w\u00fctet. Man kann nur in allen Belangen w\u00fcnschen, dass nach Bew\u00e4ltigung der Pandemie es auch bei dem 25 km-Lauf durch Berlin wieder (steil) nach oben geht.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckblick auf die ersten 30 Ausgaben des &#8220;25 km (de) Berlin&#8221;:<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/hJkr9nsZTw4\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Der &#8220;Doppel-Weltrekord&#8221; \u00fcber 25 km im Jahr 2010:<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Qo2W0GjEtFo\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Der Weltrekord bei den M\u00e4nnern durch Dennis Kimetto (KEN) im Jahr 2012:<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/qfyHLytT_EA\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am heutigen Montag ist das 40-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um eines Laufs, an dem wieder mehrere tausend L\u00e4ufer auf die 25 km lange Strecke durch die Berliner Innenstadt mit Start und Ziel am\/im Olympiastadion gegangen w\u00e4ren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"table_tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21986"}],"collection":[{"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21986"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21986\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21992,"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21986\/revisions\/21992"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21986"},{"taxonomy":"table_tags","embeddable":true,"href":"http:\/\/run.hwinter.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftable_tags&post=21986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}