{"id":20676,"date":"2020-10-12T06:59:01","date_gmt":"2020-10-12T06:59:01","guid":{"rendered":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=20676"},"modified":"2020-10-13T10:31:51","modified_gmt":"2020-10-13T10:31:51","slug":"ineos159-challenge-am-12-oktober-2019-in-wien-ein-jahrestag-unerwarteter-exteme-was-nun-eliud","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=20676","title":{"rendered":"&#8220;INEOS1:59-Challenge&#8221; am 12. Oktober 2019 in Wien: Ein Jahrestag unerwarteter Exteme &#8211; Was nun, Eliud?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-17049 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/ineos-1-59-challenge.jpg\" alt=\"ineos-1-59-challenge\" width=\"257\" height=\"252\" \/><\/p>\n<p>Am <strong>12. Oktober 2019<\/strong> war der zweite Angriff <strong>Eliud Kipchoges<\/strong> (KEN) auf die 2 Stunden-Barriere im Marathon auf der <strong>Hauptalle im Wiener Prater<\/strong> vom Erfolg gekr\u00f6nt. <!--more-->Mit einem Riesenaufwand und fast unbegrenzten finanziellen Ressourcen wurde aus &#8220;Breaking 2&#8221; im Mai 2017 auf der Rennbahn in Monza die <strong>&#8220;INEOS1:59-Challenge&#8221;<\/strong>, die der britischen Milliad\u00e4r Jim Ratcliffe &#8211; hat nichts mir der Lauflegende Paula Radcliffe gemein &#8211; initiiert (und bezahlt) hatte. Musterg\u00fcltig vorbereitet und durchgef\u00fchrt rannte Eliud in <strong>1:59:40,2<\/strong> Stunden die 42.195 m durch den Prater und unterbot damit eine weitere Traumbarriere in der Leichtathletik. Zu einem <strong>&#8220;Banister des Marathon&#8221;<\/strong> wurde der kenianische Superstar allerdings dadurch noch nicht, denn die Leistung wurde nicht regelkonform realisiert, und vor allem das Schuhwerk &#8211; die Siebenmeilen-Stiefel aus Beaverton &#8211; sorgte f\u00fcr eine nachhaltige Diskussion.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-20678 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/ineos-159-sang-kipchoge-640x584.jpg\" alt=\"\" width=\"507\" height=\"463\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/ineos-159-sang-kipchoge-640x584.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/ineos-159-sang-kipchoge-768x700.jpg 768w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/ineos-159-sang-kipchoge.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Eliud Kipchoge zusammen mit seinem v\u00e4terlichen Coach Patrick Sang nach dem erfolgreichen Abschluss des INEOS1:59-Projekts. (c) INEOS<\/span><\/p>\n<p>So blieb die l\u00e4ngerfristige (Nach-)Wirkung des Ereignisses doch recht bescheiden, irgenwie haftete dem ganzen Unternehmen die nicht erlaubten Hilfen negativ an. Am Ende geriet die Aktion als ein Muster ohne Wert. Hauptprofiteure der Tempojagd waren dabei die r\u00fchrigen Organisatoren vom <strong>Vienna City Marathon<\/strong>, die dann aber &#8211; auch dies eine Ironie des Schicksals &#8211; ihren verdienten Lohn in einem Teilnehmerboost beim regul\u00e4ren Marathon im April 2020 nicht einfahren konnten &#8211; das Corona Virus legt(e) fast die ganze globale Laufszene bis auf unbestimmte Zeit lahm.<\/p>\n<p>Genau ein Jahr nach dieser historischen Tat wird die Erinnerung aber durch ein weiteres Ereignis getr\u00fcbt, das erst eine gute Woche zur\u00fcckliegt und das f\u00fcr sicherlich eine \u00e4hnliche Aufmerksamkeit sorgte wie der Auftritt Eliuds in Wien. Schauplatz war diesmal eine Rundstrecke um den <strong>St. James Park in London<\/strong>, die in der Paradoxie der Dinge in einer fr\u00fchen Phase f\u00fcr das INEOS1.59-Projekt in Betracht gezogen wurde; die Wetterprognosen gaben dann aber den Vorzug f\u00fcr Wien.\u00a0 Auf dem 19 Runden-Kurs hatten die Macher des London Marathon wegen der Hygieneanforderungen eine &#8220;bio secure bubble&#8221; aufgebaut und dabei gehofft, dass bei den M\u00e4nnern im &#8220;Kampf des Jahrhunderts&#8221; der Weltrekord wieder in die britische Hauptstadt kam. Abgesehen davon, dass ohne die einmaligen Massen an L\u00e4ufern und Zuschauern der Veranstaltung das Herz genommen war, kam es f\u00fcr einige Beteiligte am Ende kn\u00fcppeldick.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-20555 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/london-mar-2020-pk-kipchoge-640x528.jpg\" alt=\"\" width=\"511\" height=\"421\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/london-mar-2020-pk-kipchoge-640x528.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/london-mar-2020-pk-kipchoge.jpg 740w\" sizes=\"(max-width: 511px) 100vw, 511px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Eliud Kipchoge war bei der Pressenkonferenz vor dem Rennen noch sehr zuversichtlich. (c) Livestream\/Screenshot<\/span><\/p>\n<p>Die erste Hiobs-Botschaft ereilte die Laufszene kurz nach der ersten Pressekonferenz: Der zweite Superstar der Szene <strong>Kenenisa Bekele<\/strong> (ETH), der zur gleichen Zeit, wo sich Eliud 2019 anschickte, durch den Prater zu sausen, beim Berlin Marathon die Fabelzeit Eliuds von 2:01:39 an gleicher Stelle um den Wimperschlag von zwei Sekunden verpasste, meldete sich mit diversen Problemen ab. Das mit h\u00f6chsten Erwartungen verbundene Duell der beiden Ausnahmek\u00f6nner war damit geplatzt; die Entt\u00e4uschung dar\u00fcber war kaum zu \u00fcbersehen. Ein weiterer &#8220;Durchmarsch&#8221; Eliud Kipchoges in seinem 13. (!) regul\u00e4ren Marathon schien damit so gut wie sicher. Die vor allem \u00e4thiopische (Rest-)Konkurrenz war sicher hochklassig, aber wohl kaum eine Gefahr f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Marathonl\u00e4ufer aller Zeiten. Zumal Eliud \u00fcber eine beispiellose Best\u00e4ndigkeit verf\u00fcgte.<\/p>\n<p>Und dann spielte das Wetter nicht mit, Regen gab es schon an den Tagen vor dem Rennen und dann erst recht am Tag des Marathon. Bereits nach wenigen km\/Meilen war klar, dass es keine Jagd in die Regionen des Weltrekords, geschweige denn der 2 Stunden geben w\u00fcrde. Nach der H\u00e4lfte der Distanz lag man mit 1:02:54 im Regime einer Zeit um 2:06 Stunden und schon fast zwei Minuten hinter den Vorgaben, was noch nicht einmal zu einer Welt-Jahresbestzeit reichen w\u00fcrde &#8211; am Ende waren die L\u00e4ufe in Tokyo und Sevilla deutlich schneller. Doch f\u00fcr Eliud kam es dann noch schlimmer.<\/p>\n<p>Nach 27 km ging der letzte Tempomacher aus dem Rennen, doch anstatt dass Eliud nun das Kommando \u00fcbernahm, waren es nun die \u00c4thiopier, die f\u00fcr die Pace sorgten. Eliud agierte ungewohnt am Ende der Spitzengruppe und nahm bald darauf seine M\u00fctze ab. Als nun jeder auf den rennentscheiden Antritt des Meisters wartete, fiel dieser v\u00f6llig \u00fcberraschend nach 37 km in 1:50:23 zur\u00fcck und verlor schnell an Boden. Und w\u00e4hrend vorne drei \u00c4thiopier und ein Kenianer um den Sieg k\u00e4mpften, lag Eliud bei 40 km in 1:59:46 fast eine halbe Minute zur\u00fcck. Bei seinem letzten Lauf in Wien war er dieser Stelle \u00fcber 6 Minuten schneller gewesen.<\/p>\n<p>Nach dem Lauf klagte er \u00fcber Probleme mit einem Ohr und danach mit seiner H\u00fcfte. Mit 7:03 Minuten von 40 km bis ins Ziel war er fast auf die Sekunde eine Minute langsamer als in Wien, f\u00fcr den letzten Kilometer, den er im Prater in aberwitzigen 2:42,7 rannte, brauchte er sichtlich am Ende der Kr\u00e4fte eine halbe Minute l\u00e4nger. Damit ging eine in der Tat einmalige Serie zu Ende, die nach seinem zweiten Platz bei seinem zweiten Marathon in Berlin hinter dem Weltrekord laufenden Wilson Kipsang im September 2013 begann.<\/p>\n<p>Z\u00e4hlt man die &#8220;Laborexperimente&#8221; in Monza und Wien nicht mit, war dies Marathon Nr. 13 f\u00fcr Eliud, augenscheinlich kein gutes Omen. Nachdem der Kenianer seit seinem Sieg beim Rotterdam Marathon in 2:05:00 im April 2014 die Szene in nie gekannter Dominanz beherrschte, nahm diese einmalige Serie &#8211; mit dem Weltrekord 2018 von 2:01:39 in Berlin als H\u00f6hepunkt &#8211; ein abruptes Ende, mit dem in dieser Form sicher kaum jemand rechnen konnte. Nur bei dem taktischen Rennen bei Olympia 2016 war er in 2:08:44 im Marathon einmal langsamer unterwegs gewesen.<\/p>\n<p>Wie geht es mit dem Ausnahmel\u00e4ufer nun weiter? Eliud zeigte auch angesichts der \u00fcberraschenden &#8220;Niederlage&#8221; durchaus Gr\u00f6\u00dfe. F\u00fcr eine gr\u00fcndliche Analyse ist es aktuell sicher zu fr\u00fch. Als einen ersten Schritt machte er auf dem R\u00fcckflug einen Umweg \u00fcber die Niederlande, um das Problem mit seinem Ohr untersuchen zu lassen. Was bisher kaum diskutiert wurde, ist der Aspekt, dass ihm die Aktion am Limit im Wiener Prater doch mehr Ressourcen gekostet haben mag, als es die Eindr\u00fccke bei der sub-2-Stunden-Aktion vermuten lassen, wo Eliud kaum sichtbare Anzeichen von Ersch\u00f6pfung zeigte.<\/p>\n<p>Ohne weitere Spekulationen muss man am besten seinen n\u00e4chsten Start abwarten, wo dann vor allem auch das Wetter ein geringerer Faktor spielt als bei der Regenschlacht um den St. James Park. Mental sollte Kipchoge stark genug sein, zusammen mit seiner eisernen Selbstdisziplin in den Trainingsvorbereitungen wieder zu alter St\u00e4rke zur\u00fcckzufinden. Vielleicht war auch die einj\u00e4hrige Pause zwischen den L\u00e4ufen in Wien und London verbunden mit allen Nebeneffekten und Einschr\u00e4nkungen durch die Corona-Pandemie einfach zu lang. In wenigen Wochen wird Eliud 36 Jahre alt, so ganz lange kann er sich mit einem &#8220;Comeback&#8221; keine Zeit lassen. Ob dann der Olympische Marathon im Sommer 2021 der richtige Zeitpunkt daf\u00fcr ist, ist sicher fraglich.<\/p>\n<p>Davon unber\u00fchrt gehen die Dinge auf dem historischem Gel\u00e4uf im Wiener Prater munter weiter.\u00a0 Ein Jahr danach lie\u00df man dort auf einer 2 km-Pendelstrecke die Historie im Rahmen eines<strong> &#8220;VCM Tribute to Eliud in Vienna&#8221;<\/strong> wieder aufleben. Die Tribute-L\u00e4ufer starteten exakt mit dem Startsignal aus dem Jahr 2019 und durften dann ergr\u00fcnden, wie weit sie (allein) in der Kipchoge-Zeit laufen k\u00f6nnen. Soweit bekannt, kam niemand seiner Marke auch mit einem R\u00fcckstand im 10 km-Regime nahe. Eliud bleibt eine Ausnahmeerscheinung mit Erinnerungen, die sicherlich bleiben und in Wien auch (zu Recht) gepflegt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 12. 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