{"id":20268,"date":"2020-08-04T12:28:10","date_gmt":"2020-08-04T12:28:10","guid":{"rendered":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=20268"},"modified":"2020-08-07T06:52:02","modified_gmt":"2020-08-07T06:52:02","slug":"marathon-legende-und-doppel-olympiasieger-waldemar-chierpinski-wird-70","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=20268","title":{"rendered":"&#8220;Meilenweit bis Marathon&#8221;: Lauf-Legende und Doppel-Olympiasieger Waldemar Cierpinski wird 70"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-20271 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/chierpinski-bw.gif\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"158\" \/><\/p>\n<p>Am 3. August feierte der Doppel-Olympiasieger im Marathon, <strong>Waldemar Cierpinski<\/strong> aus Halle (Saale), seinen 70. Geburtstag. Dies gibt Anlass auf eine bemerkenswerte sportliche Karriere zur\u00fcckzublicken, die ihren Klimax mit den zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen <!--more-->1976 in Montreal und 1980 in Moskau fand. In einem ansprechend produzierten 1 1\/2 st\u00fcndigen Feature der Landesmedienanstalt MDR wurde sein Werdegang mit einer ganzen Reihe von Zeitzeugen nachgezeichnet. Dabei errang er seine Erfolge in einer Disziplin, in der deutsche Athleten eher eine untergeordnete Rolle im globalen Ranking spiel(t)en.<\/p>\n<p>28 offizielle (Marathon-)L\u00e4ufe absolvierte Cierpinski in seiner gut zehnj\u00e4hrigen Karriere, bei drei Rennen &#8211; zweimal im japanischen Fukuoka, einmal in Kosice &#8211; kam er nicht ins Ziel. Sein &#8220;Meisterst\u00fcck&#8221; vollbrachte er ohne Zweifel am 31. Juli 1976 in den Stra\u00dfen Montreals, wo er v\u00f6llig unerwartet bei seinem f\u00fcnften Marathonlauf Olympisches Gold in seiner einzigen Zeit von unter 2:10 Stunden in 2:09:55 gewann. Man konnte damals ohne \u00dcberteibung von einer Sensation sprechen, wie der damals 26-j\u00e4hrige Cierpinski im str\u00f6menden Regen den hohen Favoriten und Titelverteidiger <strong>Frank Shorter<\/strong> (USA) Paroli bot und das Rennen gewann. Ironischer Weise hatte Shorter den ihm unbekannten Deutschen mit Carlos Lopez (POR) verwechselt, der aber nach Silber \u00fcber 10000 m gar nicht mehr an den Start des Marathon gegangen war. Viel sp\u00e4ter \u00e4u\u00dferte Shorter dann: &#8220;Waldemars Sieg ging in Ordnung, denn er hatte den Kampf mit mir mit dem Kopf gewonnen.&#8221;<\/p>\n<p>Erst zwei Jahre zuvor hatte der &#8220;Noboby&#8221; in Kosice als Dritter in 2:20:29 seinen ersten Lauf \u00fcber die K\u00f6nigsdistanz bestritten, ein Jahr sp\u00e4ter landete er an gleicher Stelle in 2:13:31 auf Platz 7. Sein zweiter Olympiasieg am 1. August 1980 in Moskau kam dann schon weniger unerwartet, zumal ein Teil der ernsthaften Konkurrenz durch den Boykott etlicher Nationen nicht vor Ort war. In einer taktischen Meisterleistung im Schlusspart gewann Cierpinski in 2:11:03 in seinem insgesamt 15. Marathon erneut die Goldmedaille. Unvergessen die emotionsgeladene Reportage des DDR-Kultreporters Heinz-Florian Oertel, dessen viel ziertierte Kommentare zum Zieleinlauf auch im Kontext zu seinen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Sympathiebekundungen zu einem Regime zu sehen waren, das viele Rechte seiner B\u00fcrger mit den F\u00fc\u00dfen trat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-20279 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/moskau-oly-1980-cierpinski-group.jpg\" alt=\"\" width=\"452\" height=\"508\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Die Spitzengruppe beim Olympischen Marathon 1980 in Moskau. Vorne laufen Gerard Nijboer (NED,#360) und Waldemar Cierpinski (#297). (c) Sportverlag Berlin<\/span><\/p>\n<p>Durch den Boykott des sozialistischen Lagers von Olympia 1984 in Los Angeles war es Cierpinski verwehrt, einen einmaligen Rekord von drei aufeinanderfolgenden Olympiasiegen im Marathon zu erringen. Noch heute zeigt sich der gro\u00dfartige L\u00e4ufer sichtbar bewegt, wenn diese Thematik zur Sprache kommt (auch in dem TV-Beitrag beim MDR). Eine realistische Einsch\u00e4tzung der Dinge sah aber f\u00fcr den Hallenser in LA nur minimale Chancen einer Titelverteidigung, sowohl auf der Basis, was dann auf den Stra\u00dfen der kalifornischen Megametropole lief, und in einer Einsch\u00e4tzung seines damaligen Leistungspotentials. Schon beim Tokyo Marathon im Februar 1984, den er als Achter in 2:12:00 beendete, lagen seine Landsleute Michael Heilmann und J\u00f6rg Peter vor ihn, sogar das bundesdeutsche Ass Ralf Salzmann konnte den Olympiasieger schlagen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die &#8220;Gegen-Olympiade&#8221; in Berlin-Gr\u00fcnau konnte sich Cierpinski damals nicht mehr motivieren und sagte seine Teilnahme ab. Auch dies eine Ironie der Historie, Peter und Heilmann legten am 21.7.1984 ein Wahnsinnsrennen auf des Pflaster von Berlin-Gr\u00fcnau und Schm\u00f6ckwitz. So gut wie unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit nahm J\u00f6rg Peter in grandiosen 2:09:14 dem DDR-Star seinen Landesrekord vom ersten Olympiasieg ab und auch Michael Heilmann war damals schneller. Ein Jahr sp\u00e4ter beendete dann Waldemar Cierpinski seine einmalige Karriere dort, wo er sie auch elf Jahre vorher begonnen hatte, in Kosice. Als F\u00fcnfter in 2:19:52 lief in den gleichen zeitlichen Regionen wie bei seinem Deb\u00fct an gleicher Stelle.<\/p>\n<p>Wie dramtisch sich seine Disziplin weiter entwickelt hat &#8211; vor allem auch durch die massive Pr\u00e4senz der Ostafrikaner &#8211; , belegt die Tatsache, dass man weltweit mittlerweile fast 3000 (!) mal schneller gelaufen ist als seine PB. Dies soll aber in keiner Weise seine au\u00dfergew\u00f6hnlichen Leistungen in Frage stellen, die er erbrachte, als es darauf an kam und er sich &#8211; in sozialistischer Diktion &#8211; &#8220;an den Fronten des Leistungssports bew\u00e4hrte&#8221;. Den Genossen und Parteioberen in Berlin kamen seine Erfolge nur zu recht und wurden durch ihr Sprachrohr Oertel um die Welt posaunt. Bei aller N\u00e4he zum Regime hat in einer oberfl\u00e4chlichen Einsch\u00e4tzung Cierpinski den Pfad ethischer Grunds\u00e4tzen nie verlassen, was auch seine hohe Beliebtheit noch heute vor allem im Osten der Republik belegen mag. Und auch in Sachen &#8220;Doping&#8221; ist man versucht seine Beteuerungen zumindest in Ans\u00e4tzen zu folgen.<\/p>\n<p>Sporthistorisch bestehen kaum Zweifel, dass Waldemar Cierspinski zu den ganz gro\u00dfen der deutschen Sportgeschichte zu z\u00e4hlen ist. Happy Birthday, Waldemar!<\/p>\n<table class=\" aligncenter\" style=\"width: 600px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"3\"><strong>Die Marathonl\u00e4ufe von W. Cierpinski<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:20:29<\/td>\n<td>Kosice<\/td>\n<td>6.10.1974<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:17:31<\/td>\n<td>Kosice<\/td>\n<td>5.10.1975<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:13:58<\/td>\n<td>Karl-Marx-Stadt<\/td>\n<td>17.4.1976<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:12:22<\/td>\n<td>Wittenberg<\/td>\n<td>30.5.1976<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>2:09:55<\/strong><\/td>\n<td><strong>Montreal (OS)<\/strong><\/td>\n<td><strong>31.7.1976<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:14:56<\/td>\n<td>Fukuoka<\/td>\n<td>5.12.1976<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:16:01<\/td>\n<td>Kosice<\/td>\n<td>2.10.1977<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:14:51<\/td>\n<td>Prag<\/td>\n<td>8.5.1978<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:14:58<\/td>\n<td>Boxberg<\/td>\n<td>24.6.1978<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:12:20<\/td>\n<td>Prag<\/td>\n<td>3.9.1978<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:22:49<\/td>\n<td>Fukuoka<\/td>\n<td>3.12.1978<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:15:50<\/td>\n<td>Karl-Marx-Stadt<\/td>\n<td>1.9.1979<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0DNF<\/td>\n<td>Fukuoka<\/td>\n<td>2.12.1979<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:11:17<\/td>\n<td>Karl-Marx-Stadt<\/td>\n<td>3.5.1980<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>2:11:03<\/strong><\/td>\n<td><strong>Moskau (OS)<\/strong><\/td>\n<td><strong>1.8.1980<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>DNF<\/td>\n<td>Kosice<\/td>\n<td>5.10.1980<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:10:24<\/td>\n<td>Fukuoka<\/td>\n<td>7.12.1980<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:15:44<\/td>\n<td>Agen<\/td>\n<td>13.9.1981<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>DNF<\/td>\n<td>Fukuoka<\/td>\n<td>6.12.1981<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:1:27<\/td>\n<td>Manila<\/td>\n<td>31.1.1982<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:13:59<\/td>\n<td>Dresden<\/td>\n<td>30.6.1982<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:17:50<\/td>\n<td>Athen<\/td>\n<td>12.9.1982<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:12.40<\/td>\n<td>Tokyo<\/td>\n<td>13.2.1983<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:12:26<\/td>\n<td>Laredo<\/td>\n<td>19.6.1983<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:10:37<\/td>\n<td>Helsinki (WM)<\/td>\n<td>14.8.1983<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:15:13<\/td>\n<td>Fukuoka<\/td>\n<td>4.12.1983<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:12:00<\/td>\n<td>Tokyo<\/td>\n<td>12.2.1984<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2:19:52<\/td>\n<td>Kosice<\/td>\n<td>7.10.1985<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 3. 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