{"id":18519,"date":"2019-11-20T03:15:17","date_gmt":"2019-11-20T03:15:17","guid":{"rendered":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=18519"},"modified":"2019-11-21T20:54:21","modified_gmt":"2019-11-21T20:54:21","slug":"nike-vaporfly-die-siebenmeilenstiefel-aus-beaverton-mischen-die-globale-laufszene-auf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/run.hwinter.de\/?p=18519","title":{"rendered":"&#8220;NIKE Vaporfly&#8221;:  Die &#8220;Siebenmeilenstiefel&#8221; aus Beaverton mischen die globale Laufszene auf"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/vaporfly-next.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-18524 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/vaporfly-next.jpg\" alt=\"\" width=\"397\" height=\"178\" \/><\/a>Die Fakten (und schnellen Zeiten) sprechen f\u00fcr sich. In den letzten Wochen ist in die globale Stra\u00dfenlaufszene m\u00e4chtig in Bewegung gekommen. Seit dem 15. September 2019, an dem <strong>Geoffrey Kamworor<\/strong> (KEN) in Kopenhagen den Weltrekord im Halbmarathon auf grandiose 58:01 katapultierte, <!--more-->mussten in diesem Herbst die Rekordlisten umgeschrieben werden. Dass dabei die Ergebnisse zum Teil nicht Regel konform erzielt wurden, ist schon fast zweitrangig. Momentan ist eine Leistungsexplosion zu beobachten, die in dieser Auspr\u00e4gung ohne Vergleich in der Geschichte des Laufsports ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-18406 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/chicago-mar-2019-kosgei-pacer-625x640.jpg\" alt=\"\" width=\"435\" height=\"445\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/chicago-mar-2019-kosgei-pacer-625x640.jpg 625w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/chicago-mar-2019-kosgei-pacer-768x786.jpg 768w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/chicago-mar-2019-kosgei-pacer.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 435px) 100vw, 435px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Brigid Kosgei lief in den letzten Wochen im halben und vollen Marathon Fabelzeiten. Hier mit ihren zwei Tempomachern beim Chicago Marathon 2019, alle tragen den Vaporfly. (c) S. Hartnett<\/span><\/p>\n<p>In allen <strong>&#8220;K\u00f6nigsdisziplinen&#8221; des Stra\u00dfenlaufs<\/strong>, d.h. im halben und vollen Marathon, wurden in den letzten Wochen <strong>&#8220;Weltrekorde&#8221;<\/strong> mit kaum noch zu begreifenden Steigerungen aufgestellt:<\/p>\n<p>&#8211; Im<em> Halbmarathon der M\u00e4nner<\/em>: <strong>Geoffrey Kamworor<\/strong> steigerte die wegen Dopingvorw\u00fcrfen umstrittene Marke von Abraham Kiptum von 58:18 auf 58:01 (Rekord wurde soeben von der IAAF offiziell anerkannt, die vorige Bestmarke von 58:18 durch den mittlerweile wegen Dopings gesperrten Abraham Kiptum wurde gestrichen).<\/p>\n<p>&#8211; Im<em> Halbmarathon der Frauen<\/em>: <strong>Brigid Kosgei<\/strong> (KEN) lief beim Great North Run 1:04:28, 23 Sekunden schneller als Joyciline Jepkosgei. Dass diese Leistung wegen des Punkt-zu-Punkt-Kurses in Newcastle nicht Regel konform war, mindert die Leistung des Shooting Stars der Szene kaum.<\/p>\n<p>&#8211; Im <em>Marathon der M\u00e4nner<\/em>: <strong>Kenenisa Bekele<\/strong> (ETH) verfehlte mit 2:01:41 die Fabelzeit von <strong>Eliud Kipchoge<\/strong> (KEN) von 2:01:39 in Berlin denkbar knapp. Und der Meister selbst beendete das PR-Spektakel im Wiener Prater mit dem ersten Marathon-Lauf eines Menschen in unter 2 Stunden. Seine 1:59:41 werden zu Recht nur als Posse in der Laufgeschichte \u00fcberleben. \u00dcberragend war die Leistung Kipchoges aber allemal.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-18310 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/b-mar-2019-bekele-legese-nach-37km-640x631.jpg\" alt=\"\" width=\"454\" height=\"448\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/b-mar-2019-bekele-legese-nach-37km-640x631.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/b-mar-2019-bekele-legese-nach-37km-768x757.jpg 768w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/b-mar-2019-bekele-legese-nach-37km.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Kenenisa Bekele hat beim Berlin Marathon seinen Landsmann Legese wieder eingeholt und verpasst am Ende den Weltrekord Kipchoge denkbar knapp. (c) S. Hartnett<\/span><\/p>\n<p>&#8211; Im <em>Marathon der Frauen<\/em>: (Nochmals) <strong>Brigid Kosgei<\/strong> (KEN) fegte den Fabel-Weltrekord von 2:15:25 durch Paula Radcliffe aus dem Jahr 2003 im kalten und windigen Chicago f\u00f6rmlich aus den Rekordlisten. In allen Belangen Regel konform &#8211; wenn auch bis 40 km mit Unterst\u00fctzung m\u00e4nnlicher Tempomacher &#8211; lief die Kenianerin 2:14:04. Und sie selbst sieht sich schon in noch ganz anderen Dimensionen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-18489 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/toronto-mar-2019-finish-rono-640x454.jpg\" alt=\"\" width=\"504\" height=\"357\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/toronto-mar-2019-finish-rono-640x454.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/toronto-mar-2019-finish-rono-768x544.jpg 768w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/toronto-mar-2019-finish-rono.jpg 1048w\" sizes=\"(max-width: 504px) 100vw, 504px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Philemon Rono steigerte in Toronto den Streckenrekord auf 2:05:00. (c) Veranstalter<\/span><\/p>\n<p>Dabei ist zu betonen, dass diese Leistungen alle in einem Zeitraum vom 15. September 2019 bis 13. Oktober 2019 aufgestellt wurden. Doch die Flut an (sehr) schnellen Zeiten war mitnichten auf diese Topleistungen begrenzt. Am 20. Oktober wurde der Kursrekord der M\u00e4nner beim Waterfront Marathon in Toronto von 2:06:52 auf 2:05:00 gesteigert, am gleichen Tag verbesserte <strong>Belay Shiferaw<\/strong> (ETH) den Kursrekord in Lissabon von 2:07:32 auf 2:06:00. In beiden F\u00e4llen lagen mehrere Konkurrenten nur knapp hinter den Siegern.<\/p>\n<p>Und die vielleicht spektakul\u00e4rste Leistung wurde von der \u00d6ffentlichkeit kaum beachtet, als am vergangenen Sonntagmittag die wenig bekannte 21-j\u00e4hrige \u00c4thiopierin <strong>Letesenbet Gidey<\/strong> (ETH), immerhin Vize-Weltmeisterin in Doha \u00fcber 10.000 m, die sieben H\u00fcgel beim Zevenheuvelenloop in Nijmegen hinauf- und hinabflog. Sie &#8220;pulversierte&#8221; die Weltbestzeit \u00fcber 15 km mit der Fabelzeit von 44:20 Minuten, eine Steigerung der alte Marke von \u00fcber einer vollen Minute. 29:11 Minuten f\u00fcr die letzten 10 km (geht etwas bergab) machen auch den Fachmann sprachlos. Und ebenfalls sie trug den &#8220;Wunderschuh&#8221; an ihren F\u00fc\u00dfen, w\u00e4hrend Manager <strong>Jos Hermens<\/strong> auf dem begleitenden Motor ungl\u00e4ubig ihre Splits registrierte: 2:44 Minuten von 9 km nach 10 km &#8230;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-18812 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/wmm-2019-shoes-men-640x426.jpg\" alt=\"\" width=\"577\" height=\"384\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/wmm-2019-shoes-men-640x426.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/wmm-2019-shoes-men-768x512.jpg 768w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/wmm-2019-shoes-men.jpg 1124w\" sizes=\"(max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Die Schuhe der Podium-Platzierten bei den WMM-Rennen der M\u00e4nner im Jahr 2019. (c) Rolows13<\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-18811 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/wmm-2019-shoes-women-640x417.jpg\" alt=\"\" width=\"577\" height=\"376\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/wmm-2019-shoes-women-640x417.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/wmm-2019-shoes-women-768x500.jpg 768w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/wmm-2019-shoes-women.jpg 1121w\" sizes=\"(max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Die Schuhe der Podium-Platzierten bei den WMM-Rennen der Frauen im Jahr 2019. (c) Rolows13<\/span><\/p>\n<p>Es ist somit kaum \u00fcberraschend, dass neben den gro\u00dfartigen Athleten immer mehr die Schuhe aus Beaverton, dem Sitz des Sportartikelgiganten, in den Fokus des Interesses geraten und mittlerweile einen wesentlichen Teil der Fragen bei den Pressekonferenzen ausmachen. Die \u00dcbersicht eines japanischen Experten (twitter.com\/Rolows_13) zeigt die Schuhe der Erstplatzierten der diesj\u00e4hrigen World Marathon Majors Serie und belegt die aktuell erdr\u00fcckende Dominanz des Vaporflys und dessen Nachfolgemodelle.<\/p>\n<p>Dabei geht die Geschichte bis ins Jahr 2016 zur\u00fcck, als NIKE erstmals einen Schuh dieser Machart pr\u00e4sentierte. In die \u00d6ffentlichkeit geriet der vermeintliche &#8220;Wunderschuh&#8221; sp\u00e4testens mit dem &#8220;Breaking 2&#8221;-Projekt auf der Autorennbahn in Monza, wo Eliud Kipchoge zwar das Ziel verfehlte, aber trotzdem auch die Fachleute mit einer (damals) kaum f\u00fcr m\u00f6glich gehaltenen Marathon-Zeit von 2:00:25 \u00fcberraschte.<\/p>\n<p>Mittlerweile sind diese Anf\u00e4nge lange Geschichte, die sich zu einem gewaltigen Marketing-Spektakel ausweitete, das mit der erfolgreichen Mission Kipchoges beim (Lauf-)Zirkus im Wiener Prater einen gewissen Klimax erreichte: &#8220;sportlich&#8221; aber auch &#8220;kommerziell&#8221;. Die langen Schlangen um den Block des NIKE-Stores in der Michigan Avenue in Chicago an jenem Wochenende, an dem auch der Chicago Marathon \u00fcber die B\u00fchne ging, besagt eigentlich schon alles. Dass dann auch beim Rennen durch die &#8220;Windy City&#8221; die besagten Schuhe eines der Hauptsponsoren fast ausschlie\u00dflich an den F\u00fc\u00dfen der Elite zu finden waren, ist nur logische Konsequenz. Zumal die Topl\u00e4ufer die nicht gerade bescheidenen gut 250 Euro f\u00fcr die nur wenige 100 km zu nutzenden Schuhe kaum aufbringen mussten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-18522 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/chicago-mar-2019-8min-vaporfly-640x399.jpg\" alt=\"\" width=\"553\" height=\"344\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/chicago-mar-2019-8min-vaporfly-640x399.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/chicago-mar-2019-8min-vaporfly-768x479.jpg 768w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/chicago-mar-2019-8min-vaporfly-1200x748.jpg 1200w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/chicago-mar-2019-8min-vaporfly.jpg 1430w\" sizes=\"(max-width: 553px) 100vw, 553px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Die Spitzengruppe der M\u00e4nner beim Chicago Marathon 2019 nach gut 8 Meilen. Die Schufarbe &#8220;pink&#8221; dominiert die Szene. (c) H. Winter<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Der Thematik hier tiefer auf den Grund zu gehen, ist mehr als schwierig. Daf\u00fcr sind die Dinge zu sehr in Bewegung und kreuzen sich zudem mit anderen Ma\u00dfnahmen der Optimierung in der Verpflegung, Trainingsmethodik und wasimmer. Der Zugewinn an (Lauf-)Leistung &#8211; wieviel % das effektiv auch sind &#8211; ergibt sich durch die R\u00fcckgabe an Energie nach dem Bodenkontakt durch ein ausgekl\u00fcgeltes System elastischer Komponenten aus einer Carboneinlage sowie neuartiger kompressibler Schaumstoffe. Die ganze Sache f\u00fchlt sich dann fast so an, als ob man auf dem Schwingfu\u00dfboden einer Halle agiert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-18804 aligncenter\" src=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/vaporfly-nextproz-640x478.jpg\" alt=\"\" width=\"498\" height=\"372\" srcset=\"http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/vaporfly-nextproz-640x478.jpg 640w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/vaporfly-nextproz-768x574.jpg 768w, http:\/\/run.hwinter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/vaporfly-nextproz.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 498px) 100vw, 498px\" \/><span style=\"font-size: 12pt;\">Das Konzept des Aufbaus des &#8220;Vaprofly&#8221; mit Carboneinlage (rechts). (c) NIKE<\/span><\/p>\n<p>Ferner f\u00f6rdert die longitudinale Keilform des Schuhs den Einsatz der (st\u00e4rkeren) Oberschenkelmuskulatur. Um das Mehr an Leistung zu nutzen, muss der Athlet mit diesen Faktoren aber auch zurecht kommen. Die Untersuchungen engagierter Freizeitl\u00e4ufer sind nur bedingt aussagekr\u00e4ftig, scheinen aber im wesentlichen den Marketing-Spezifikationen zu folgen, d.h. einer Verbesserung von pers\u00f6nlichen Bestzeiten im Bereich von bis zu einigen Prozent.<strong> Ein Selbstl\u00e4ufer sind aber diese Schuhe nicht.<\/strong> Das gilt auch f\u00fcr die Elite, die mitnichten aktuell bei ALLEN Auftritten Rekorde rennt.<\/p>\n<p>Zum Beispiel liefen beim Chicago Marathon fast alle M\u00e4nner den gleichen Schuh wie Brigid Kosgei, die Zeiten im Ziel waren aber weniger \u00fcberzeugend. Und <strong>Sir Mo Farah<\/strong>, immerhin Sieger in Chicago im letzten Jahr, nutzte auch der Wunderschuh wenig, schon nach 8 Meilen lag er zur\u00fcck und rettete sich mit einer Zeit knapp unter 2:10 Stunden ins Ziel. Seinem langj\u00e4hrigen Traingspartner <strong>Galen Rupp<\/strong> (USA), der Sieger in Chicago im Jahr 2017, erging es noch schlechter; auch der Vaporfly an den F\u00fc\u00dfen konnte seinen Ausstieg nicht verhindern.<\/p>\n<p>Somit ist die Bewertung der Entwicklungen noch komplexer, zumal die Fabelzeiten der letzten Zeit auch auf einer hochgradigen Konzentration der Athleten auf das spezifische Event beruhen. Dies macht es dann auch dem Internationalen Leichtathletik Verband IAAF (oder aktueller: World Athletics) nicht einfacher die Problematik in den Griff zu bekommen. Nahezu einer Comedy w\u00fcrdig ist in dieser Sache das Regelwerk, wo Regel 143.2 verlangt: &#8220;Shoes must not be constructed so as to give athletes any unfair assistance or advantage\u201d.<\/p>\n<p>Mit dieser Definition wird man sicher nicht weit kommen, wie auch mit der aktuelleren Interpretation, dass Schuhe solange &#8220;legal&#8221; sind, wie sie keine \u201cmotor assistance\u201d aufweisen und die einzige Quelle der Kraft\/Energie der Athlet selbst ist. Es steht au\u00dfer Frage, dass die Diskussionen im Verband zu dieser Thematik, die nicht nur die Herren Funktion\u00e4re \u00fcberrollt hat, noch in den Anf\u00e4ngen steckt. Einen sinnvollen Vorschlag haben j\u00fcngst die britischen Sportwissenschaftler Geoffrey T Burns and Nicholas Tam unterbreitet, die Dicke der Schuhsohle &#8211; \u00e4hnlich wie bereits in den Sprung-Wettbewerben-\u00a0 zu begrenzen (ca. 30 mm).<\/p>\n<p>Dies w\u00fcrde zumindest die Entwicklungen der gesteigerten Wirkung von Federmechaniken hemmen. Ein Patentrezept ist aber auch diese Ma\u00dfnahme nicht. Ein wenig erinnert die aktuelle Situation an das Problem mit den Schwimmanz\u00fcgen vor einigen Jahren, wo gleichfalls die Rekordlisten auf den Kopf gestellt wurden. Am Ende blieb dem Verband in dem au\u00dfer Kontrolle geratenen Chaos nur die M\u00f6glichkeit, die Rei\u00dfleine zu ziehen &#8230; und die leistungsf\u00f6rdernden Hilfen zu verbieten. Vielleicht kommt es ja auch im Laufsport so weit, wenn die ersten Athleten Rekorde in zus\u00e4tzlichen Neopren-\u00e4hnlichen Anz\u00fcgen rennen.<\/p>\n<p>Die Problematik der Chancengleichheit von Athleten, die vertraglich an andere Hersteller gebunden sind, scheint sich aktuell aufzul\u00f6sen, da die Konkurrenz flott aufgeholt hat. Problematischer d\u00fcrften bei dieser Aufholjagd die Entwicklungen jenseits der Laufstrecken sein, denn der Megakonzern wird nichts unversucht lassen, seine unbestrittene aktuelle Spitzenposition notfalls auch durch patentrechtliche Ma\u00dfnahmen zu verteidigen.<\/p>\n<p>Somit darf man gespannt sein, wie sich die Geschichte weiter entwickelt und sich die Rekorde jenseits bisher erachteter Traum-Grenzen verschieben. Nach den Eindr\u00fccken aus dem Wiener Prater erscheint der erste &#8220;legale&#8221; Marathon unter 2 Stunden schon fast vor der T\u00fcr zu stehen. Auch bei den Frauen deuten sich Dimensionen an, die in die Regionen der erweiterten M\u00e4nnerelite vorsto\u00dfen.<\/p>\n<p><em>Aber bei aller Euphorie sollte man nicht vergessen, dass die &#8220;Siebenmeilenstiefel&#8221; ins Reich der M\u00e4rchen geh\u00f6ren. Und deshalb bleibt das Fazit f\u00fcr Topathleten aber auch Freizeitl\u00e4ufer: Selbst der teuerste High-Tech-Schuh muss im Laufsport immer noch mit Muskelkraft fortbewegt werden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fakten (und schnellen Zeiten) sprechen f\u00fcr sich. In den letzten Wochen ist in die globale Stra\u00dfenlaufszene m\u00e4chtig in Bewegung gekommen. Seit dem 15. 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