Yangzhou Jianzhen International Half Marathon: Die schnellste Zeit auf chinesischem Boden

rak-2015-gemerewMosinet Geremew (ETH) gewann in Yangzhou in Klassezeit.  (c) Veranstalter

Der äthiopische Halbmarathon-Spezialist Mosinet Geremew war auch beim Yangzhou Jianzhen International Half Marathon eine Klasse für sich. Nachdem er Februar im Emirat Ras Al Khaimah die Weltklasse hinter sich lassen konnte, war der junge Mann auch am Sonntag (19.4.15) nicht zu schlagen.

In der sehr guten Zeit von 59:52 – das reiht sich in das Leistungsniveau von Prag oder Berlin in diesem Jahr ein – lief Geremew die schnellste jemals auf chinesischem Boden erzielte Zeit.  Dabei war der Sieg lange stark umkäpft und die Konkurrenten bis zur Ziellinie knapp hinter ihm. Gleich drei Läufer liefen hinter ihm in der gleichen Zeit von 59:55 ein. Geoffrey Kirui (KEN), Nguse Amlosom ERI) sowie Vincent Kipsegechi Yator (KEN). Damit blieben in Yangzhou gleich vier Läufer zum ersten Mal bei einem Lauf im Land der Mitte unter einer Stunde.

Nach verhaltenem Beginn passierte eine Gruppe von 12 Läufern die 10 km nach 28:37 mit Kurs auch 60:20. Dann zog das Tempo an und immer noch 9 Läufer passierten 15 km nach 42:42; mit einem 5 km Abschnitt in 14:05 war die Projektion für die Zeit im Ziel bereits genau eine Stunde.

Kurz danach (16 km) bildete sich eine fünfköpfige Gruppe, aus der noch der äthiopische Crossmeister Tamirat Tola zurückfiel und am Ende Fünfter in 60:08 wurde. Nach 20 km suchte (und fand) dann Geremew die Entscheidung und gewann mit einem knappen Vorsprung von 3 Sekunden. Seine 59:52 ist die zweitbeste Zeit seiner Karriere, in Delhi war er im Dezember 2014 als Dritter in 59:11 noch deutlich flotter gewesen.

Bei den Frauen gewann Flomena Cheyech (KEN) in guten 1:08:36 mit nur einer Sekunde Vorsprung vor Worknesh Degefa (ETH).

Ergebnisse Männer:

1. Mosinet Geremew, Ethiopia, 59:52

2. Geoffrey Kirui, Kenya, 59:55

3. Nguse Amlosom, Eritrea, 59:55

4. Vincent Kipsegechi Yator, Kenya, 59:55

5. Tamirat Tola, Ethiopia, 1:00:08

6. Hiskel Tewelde Ghebru, Eritrea, 1:00:29

7. Leul Gebresilase Aleme, Ethiopia, 1:00:34

8. Mule Wasihun Lakew, Ethopia, 1: 00: 42

Ergebnisse Frauen:

1. Flomena Cheyech, Kenya, 1:08:36

2. Worknesh Degefa, Ethiopia, 1:08:37

3. Netsanet Gudeta, Ethiopia, 1:08:53

4. Purity Cherotich Rionoripo, Kenya, 1:09:00

5. Abebech Afework Bekele, Ethiopia, 1:09:14

6. Gladys Chesir Kiptagelai, Kenya, 1:09:17

7. Guteni Shone, Ethiopia, 1:10:37

8. Beatrice Chepkemoi Mutai, Kenya, 1:10:39

Enschede Marathon: Evans Cheruiyot gewinnt in 2:09:40

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Evans Cheruiyot (KEN) gewann am Sonntag den Enschede Marathon in der Zeit von 2:09:40, wobei die Entscheidung erst in der Schlußphase fiel. Eigentlich wollte man in Enschede den Streckenrekord von 2:07:20 unterbieten,d en Olympiasieger Stephen Kiprotich seit 2011 dort hält, doch bereits beim Halbmarathon in 1:04:58 war schon klar, dass diese Marke nicht mehr zu erreichen war. In der zweiten Hälfte konnte das Trio Cheruiyot, Kaleb Kashebo (ETH) und Edwin Kimaiyo das Tempo nur unwesenlich steigern und nur noch die 2:10 Stunden-Marke knapp unterbieten.

ensched-marathon-2015-cheruiyotEvans Cheruiyot (KEN) gewinnt in Enschede.  (c) Veranstalter

Auf den letzten km konnte sich Cheruiyot, der mit seiner Zeit von 2:06:25 bei seinem Sieg 2008 in Chicago auch der Mann mit der schnellsten Vorleistung im Feld war, problemlos absetzen und die bereits 47. Ausgabe des Enschede Marathon gewinnen. Nur 4 bzw. 7 Sekunden hinter Ceruiyot folgten Keshebo und Kimaiyo.

Bei den Frauen ging der Sieg an die Niederländerin Mireille Baart in breitensportlichen 2:51:47.

Ergebnisse Enschede Marathon (Männer):

1. Evans Cheruiyot KEN 2:09:40
2. Kaleb Keshebo ETH 2:09:44
3. Edwin Kimaiyo KEN 2:09:47
4. Million Feyssa ETH 2:12:14
5. Jackson Kiprop UGA 2:13:06
6. Joash Mutai KEN 2:15:26

 

Zürich Marathon: Kiyeng gewinnt, Kawauchi wird Zweiter

zurich-logoDie hochgeschraubten Erwartungen erfüllen sich beim Zürich Marathon am 19. April nicht ganz. Dabei war schon früh klar, dass es bei recht guten Bedingungen keine Topzeiten geben würde. Über 30:58 bei 10 km wurde die erste Hälfte nach 1:05:25 vollendet, d.h. eine Zehnergruppe angführt vom Tempomacher Boaz Kipyego (KEN) war auf Kurs zu einer Zeit um 2:11 Stunden. Nach 35 km fiel dann die Entscheidung, als sich Edwin Kemboi Kiyeng (KEN) absetzte mit deutlichem Vorsprung in 2:11:35 gewann.

Vielstarter Yuki Kawauch (JPN) fiel nach Kiyeng Attacke zunächst auf Platz 7 zurück, kämpfte sich aber noch einmal nach vorne und konnte in 2:12:13 den Äthiopier Gebre Mekuant Ayenew mit 2:12:17 noch auf den dritten Platz verweisen. Im Ziel war Kawauchis Resumee gemischt, er freute sich über den Platz auf dem Podium und über keine Beschwerden mit seiner angeschlagenen Hacke, war aber mit seiner Zeit nicht zufrieden, zumal der schnellste Japaner am gleichen Morgen in Nagano 2:11:39 gelaufen war.

Enttäuschend war das Abschneiden der beiden russischen Läufer Sokolov and Safranov, die beide nach über 2:14 Stunden ins Ziel kamen.

Bei den Damen gab es durch Yoshihiko Sakamoto in allerdings bescheidenen 2:37:47 einen japanischen Sieg.

zurich-2015-siegerEdwin Kiyeng (KEN) gewann den Zurich Marathon in 2:11:35.  (c) Veranstaler

 

Ergebnisse Zürich Marathon Männer:

1. Edwin Kemboi Kiyeng (KEN) – 2:11:35
2. Yuki Kawauchi (JPN) – 2:12:13
3. Gebre Mekuant Ayenew (ETH) – 2:12:17
4. Richard Kiprono Bett (KEN) – 2:12:38
5. Boaz Kipyego (KEN) – 2:12:59
6. Emmanuel Sikuku (KEN) – 2:13:10
7. Edwin Kiprop Korir (KEN) – 2:13:34
8. Robert Ndiwa (KEN) – 2:13:41
9. Aleksey Sokolov (RUS) – 2:14:45
10. Andrew Safronov (RUS) – 2:15:48

„Redezeit“: Horst Milde kommt in die „Alte Feuerwache“ nach Eichwalde

 

laufkegel
Auch in diesem Jahr kann der Kulturverein Kind & Kegel Eichwalde e.V. im Rahmen der Auftaktveranstaltung zur 5. „Nacht im Grünauer Forst“ am 30.5.2015 wieder einen sehr attraktiven Referenten präsentieren. Horst Milde, der „Vater“ des Berlin-Marathons kommt am Freitag, den 24. April 2015 um 19 Uhr in die „Alte Feuerwache“ nach Eichwalde (Bahnhofstraße 79). Wer könnte wohl besser über die Geschichte und die Geschichten zum Berlin-Marathon berichten als der Begründer dieser Veranstaltung von Weltniveau. Nach Anfängen, die von den Teilnehmerzahlen her im Bereich unseres Laufs lagen, ist der Event in der Berliner Innenstadt mit Start und Ziel in der Nähe des Brandenburgers mittlerweile zum Großunternehmen mit jährlich über 60000 Teilnehmern mutiert. Alle Weltrekorde im Marathon der Männer wurden in Berlin aufgestellt. An diesen Entwicklungen war Horst Milde (und seine Familie) maßgeblich beteiligt.

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Der Eintritt ist kostenfrei, es wir aber gebeten falls möglich, nicht mehr genutzte  Sportausrüstung als Spende zur Unterstützung von sportlichen Aktionen mit Flüchtlingen mitzubringen. Wegen der begrenzten Raumkapazitäten in der „Alten Feuerwache“ empfehlen wir eine Platzreservierung unter der E-Mail-Adresse:  vortrag-milde@hwrun.de .


HAJ Hannover Marathon feiert 25. Jubiläum

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Zum 25. Jubiliäum am Sonntag, 19. April hat man sich an der Stadt an Leine und Maschsee besonders ins Zeug gelegt. Somit kann man bei günstigen Bedingungen erwarten, dass der Streckenrekord aus dem Jahr 2013 durch Lusapho April (RSA) von 2:08:32 unterboten werden könnte. Die Veranstaltung wird live im NDR Fernsehen übertragen, wo man sich neben Hamburg immerhin Anstrengungen unternimmt, zumindest die beiden Großevents in Sachen Marathon im norddeutschen Raum entsprechend in Szene zu setzten. Das ist leider in anderen Bundesländern nicht der Fall, wo die Rundfunkanstalten ihrer (bestens honorierten9 Aufgabe, die Gesellschaft adäquat abzubilden schon lange nicht mehr nachkommen.Topstar in Hannover ist der Kenianer Benjamin Kiptoo, der mit seiner Bestzeit von 2:06:31 im Jahr 2011 den Paris Marathon gewann. Kiptoo ist in seiner Karriere noch zweimal unter 2:08 Stunden geblieben, bereits 2009 lief er als Sieger in Rom 2:07:17 und 2010 gewann er in Chuncheon in 2:07:54. In den letzten Jahren konnte der mittlerweile 36 jährige Kenianer nicht mehr ganz an dieses hohe Niveau anknüpfen. 2012 lief er 2:10:35 in Seoul, 2013 2:09:50 in Turin und im letzten Jahr sogar nur 2:12:08 in Sydney.

benjamin-kiptoo-paris-2013Der Topläufer in Hannover: Benjamin Kiptoo (KEN).  (c) Veranstalter

 Somit dürfte der Sieg von Kiptoo kein Selbstläufer werden, denn seine Konkurrenz in diesem Jahr ist erheblich. Josphat Ndambiri, der Sieger des Fukuoka Marathons 2011 in 2:07:36 ist da ebenso zu nennen wie Ronald Korir, der im letzten Jahr bis 35 km Tempomacher beim Frankfurt Marathon war, dabei aber in 2:07:29 als Sechster durchlief. Vierter vor zwei Jahren gleichfalls in Frankfurt war Jacob Cheshari in 2:07:46.

Von deutscher Seite wird Falk Cierpinski dabei sein, der am Ende seiner Karriere seine Bestzeit von 2:13:30 angreifen möchte. Mehr dürfte aber vom Spergauer nicht mehr zu erwarten sein.

Das zweite deutsche Eisen im Hannoveraner Feuer war Lisa Hahner, die im letzten Jahr in Hannover verletzt ausstiegen musste und das in diesem jahr besser machen wollte. Dazu wird es aber nun leider nicht kommen, Lisa ist derzeit längerfristig verletzt.
Somit sind die Chancen der Vorjahressiegerin Souad Ait Salem (ALG) auf eine Titelverteidigung gestiegen, der 2014 2:33:09 zum Sieg ausreichten. Beim Jubiläum wird sie schon näher an ihre Bestzeit von 2:25:08 laufen müssen, denn mit Olha Kotovska (UKR) und Shuko Genemo (ETH) sind Läuferinnen mit Bestzeiten von 2:28:47 sowie 2:31:09 am Start.

Zürich Marathon am 19. April: Yuki Kawauchi am Start

Yuki Kawauchi läuft am kommenden Sonntag beim Zürich Marathon zum ersten Mal auf schweizerischem Boden. Leider plagten das japanische Lauf-Unikum erhebliche Probleme an der Ferse, so dass der Vielstarter sein Programm und das Tempo reduzieren musste. Die Verletzung geht bereits auf den Silvesterlauf in Barcelona zurück und wurde durch seine Ungeduld bisher nicht ausreichend ausgeheilt. Dass Yuki aber schon wieder recht gut in Tritt ist, zeigte er am 15. März beim Seoul Marathon, wo er in 2:13:33 Platz 16 belegte. Seine aktuelle Jahresbilanz sieht derzeit sieben Halbmarathon, Zürich wird (erst) sein fünfter Marathon 2015 sein. Seine Halbmarathon-Tests waren mit 1:04 bis 1:07 unter den Randbedingungen recht vielversprechend und lassen ggfs. sogar eine Zeit unter 2:10 erwarten.

ogori-2014-yuki-after-10kmYuki Kawauchi (JPN) ist dieses Jahr der Topstar beim Zürich Marathon.  (c) H. Winter

Die wesentlichen Konkurrenten dürfte der Russe Oleg Kulkov sein, der in Zürch bereits gewann und Platz 2 sowie 4 belegte. Jetzt fehlt ihm noch Platz 3.  Kulkov lief auch seine Bestzueit von 2:10:13 in Zürch, das war im Jahr 2009.

Ebenfalls mehrmals in Zürch war schon der Kenianer Edwin Kiprop Korir dabei, der in den letzten beiden Jahren dort jeweils Zweiter wurde und dieses Jahr unbedingt gewinnen will. Korirs Bestzeit liegt mit 2:10:26 in den Regionen von Kulkov und wurde im Jahr 2013 auch in Zürich erzielt.

Paris Marathon 2015: Auf hohem Niveau – 9 Läufer unter 2:10

paris-marathon-2015-logoBei der 39. Ausgabe des Paris Marathons am 12. April 2015 gab es 41342 Teilnehmern eine neue Bestmarke und auch im sportlichen Bereich gab es wieder ausgezeichnete Resultate. Um 8:45 Uhr machte sich die Elite auf den Weg durch die Straßen der französischen Hauptstadt und lief das Rennen nicht zu schnell an. Nach 15:02, 30:09, 45:10 für 5 km, 10 km und 15 km wurde die Hälfte nach 1:03:21 erreicht, also fast gebau ein 3 Minuten/km Schnitt. Fast 20 Läufer bildeten hier noch die Spitzengruppe.

Bei 11°C und wenig Wind herrschten gute Bedingungen, die in der zweiten schnelleren Hälfte für gute Zeiten genutzt wurden. Bereits nach 25 km 1:14:45 zog das Tempo an und forderte mit dem Mitfavoriten Vicent Kipruto ein erstes Opfer. Kurz danach initierte der Kenianer Mike Kigen eine Attacke, die die Spitze völlig aus einander riss und Kigen einen deutlichen Vorsprung einbrachte. Bei 35 km in 1:44:18 lag Kigen auf Kurs zu einer Zeit von 2:05:45 und sogar eine Zeit im Bereich des Strecklenrekords aus dem Vorjahr von 2:05:04 schien möglich.

Nach 37 km gab es einen Wechsel an der Spitze, der Kenianer Mark Korir überholte Kigen und verteidigte seine Führung bis in Ziel. Mit 2:05:49 lief eine sehr gute Zeit, die allerdings den Streckenrekord und auch die Jahresweltbestleistung vom Dubai Marthon mit 2:05:28 verfehlte. Aber in der noch jungen Saison 2015 ist das immerhin die zweitbeste Zeit. Mit 1:03:22 und 1:02:27 schaffte Korir einen beeindruckenden negativen Split und verbesserte seinen Hausrekord von 2:07:08 (Seoul 2013) sehr deutlich. Dahinter konnten Luke Kanda (2:07:20 PB) and Seboka Tola (2:07:33) den schwächelnden Mike Kigen noch abfangen, der auf Platz 4 in 2:07:42 einlief. Fünfter wurde Gilbert Kirwa in gleichfalls 2:07:42. In der Breite war der Lauf gleichfalls überzeugend, 9 Läufer blieben unter einer Zeit von 2:10 Stunden.

Bei den Frauen gab es einen äthiopischen Sieg durch Meseret Mengistu in 2:23:26 vor Amane Gobena (ETH), die erst 500 m vor dem Ziel nach langer Führung noch abgefangen wurde und als Zweite 2:23:30 erzielte. Das Rennen der Frauen wurde völlig von äthiopischen Läuferinnen dominiert, 7 der ersten 8 Plätze gingen an sie.

paris-marathon-2015-korirMark Korir (KEN) gewann den Paris Marathon in 2:05:49.  (c) Veranstalter

Ergebnisse der Männer:

1. Mark Korir KEN 2:05:48
2. Luka Kanda KEN 2:07:18
3. Seboka Tola ETH 2:07:31
4. Mike Kigen KEN 2:07:42
5. Gilbert Kirwa KEN 2:07:42
6. Laban Korir KEN 2:07:54
7. Deresse Chimsa ETH 2:07:56
8. Joel Kimurer KEN 2:09:45
9. Pius Kirop KEN 2:09:58
10. Sintayehu Legese ETH 2:11:06

 

Zwischenzeiten der Spitze:
5 Kilometer 15:02
10 Kilometer 30:09 (15:07)
15 Kilometer 45:10 (15:01)
20 Kilometer 1:00:05 (14:55)*
Halbmarathon 1:03:21
25 Kilometer 1:14:45 (14:40)
30 Kilometer 1:29:30 (14:45)*
35 Kilometer 1:44:18 (14:48)
40 Kilometer 1:59:10 (14:52)*
 Marathon 2:05:48 (6:38)

Kommt es jetzt zu einem läuferischen Super-GAU

Wie heute (Montag, 13. April 2015) über die diverse Quellen gemeldet wurde, sind die beiden Laufmanagement-Agenturen Rosa Associates (Italien) und Volare Sports (Niederlande) umgehend davon entbunden, kenianische Athleten weiter zu betreuen. Als Begründung werden diffuse Gerüchte in Sachen Dopingvergehen vorgebracht, in die durch diese Agenturen betreute Athleten involviert sein sollen. Details waren aktuell noch nicht zu erfahren.

gerard-mutai-nyc2013Gerard van de Veen mit einem seiner Topstars Geoffrey Mutai.  (c) Volare Sports

Was dies für den London Marathon in zwei Wochen oder die Weltrekorde auf der Berliner Strecke bedeuten kann, bleibt abzuwarten. Volare Sports mit dem Mananger Gerard van de Veen hat u.a. die drei Superstars des Marathons unter Vertrag: Dennis Kimetto (2:02:57. WR), Geoffrey Mutai (2:03:02) und Wilson Kipsang (2:03:23).

Hoffentlich ist an diesen Gerüchten wenig oder nichts dran. Ansonsten droht dem Laufsport in der öffentlich Akzeptanz in der Tat der Super-GAU.

Ein Video der Pressekonferenz von Athletics Keny gibt es hier.

NN Rotterdam Marathon 2015: Vom Winde am Ende verweht

Wie in den Vorjahren zeichnete sich die 35. Jubiläumsausgabe des NN Rotterdam Marathons durch ein mutiges Angehen der Männerspitze aus. Mit vier Läufern mit Bestzeiten unter 2:05 hatte man sich auf dem schnellen Kurs wieder Hoffnungen auf eine schnelle Zeit gemacht. Bei den Frauen musste man deshalb sichtbar sparen und konnte kein ähnlich hochklassiges Feld an den Start bringen.

Bereits nach 5 km nach sehr flotten 14:33 mit 13 Läufern an der Spitze war klar, dass man wieder eine schnelle Zeit laufen wollte und dabei ein (zu) hohes Risiko einging. Dieses Rekordtempo hielt bis 10 km in 29:03 fast konstant und befand sich dort auf Kurs zu einr Zeit von 2:02:20. Bei einem Feld dieser Klasse eigentlich Wahnsinn. Dies merkte auch der sportliche Leiter Erik Brummond, der die Tempomacher etwas bremste, so dass 15 km nach 43:49 passiert wurden mit Kurs auf 2:03:15.

Nach 20 km in 58:47 passierten noch 13 Läufer an der Spitze die Halbdistanz nach 1:02:04 was sich tivialerweise auf eine Zeit von 2:04:08 verdoppelt. Das war immer noch eine Topzeit. Kurz danach zeigten aber zwei der Favoriten Schwächen und stiegen bald danach aus. Das war zunächst der hoch eingeschätzte Jonathan Maiyo (KEN) und kurz danach sein Landsmann und Oldie James Kwambai, der 1:24 Stunden seinen Dienst quittierte.

Nachdem man zur 25 km Marke in 1:13:46 noch einen 3 Minuten/km Schnitt hielt lies das Tempo weiter nach, nach 30 km in 1:28:53 lagen nur noch vier Läufer an der Spitze: Aberu Kuma (ETH), Mark Kiptoo (KEN), Bernard Koech (KEN) und der Debütant Abayneh Ayele (ETH). Nach 35 km in 1:43:57 fiel Ayele nach Schwächephasen endgülti zurück und ein Trio kämpfte nun um den Sieg.

Dabei bekamen die Drei mit einem strammen Gegenwind einen ungebetenen Begleiter, der neben schwindenen Kräften durch die fulminante Startphase zu einem weiteren Nachlassens des Tempos führte. Die Splits rutschten jetzt deutlich über 3 Minuten/km, viel zu langsam für eine schnelle Endzeit im Bereich des Streckenrekords (2:04:23), der bei 30 km noch möglich schien. Die km-Abschnitte ab 37 km wurden in 3;21, 3:09 und 3:05 zurückgelegt, bei 40 km nach 1:59:52 waren alle Läufer an der Spitze sichtlich gezeichent.

rotterdam-marathon-2015-kumaAberu Kuma (ETH) gewann den Rotterdam Marathon in 2:06:46.  (c) Veranstalter

Abera Kuma, der im letzten Jahr in Berlin beim Weltrekordlauf von Kimetto in 2:05:56 Dritter werden konnte, hatte letztlich das beste Stehvermögen und setzte sich nach 39 km ab und erreichte als erster das Ziel auf den Coolsingel nach 2:06:47. Das ist immer noch eine gute Zeit, aber zum Jubiläum hatten die Veranstalter mit eine viel besseren Zeit gerechnet. Aber die zweite Hälfte in 1:04:43 gegenüber 1:02:04 für den ersten Part sagt eigentlich alles.

Zweiter wurde Mark Kiptoo in 2:07:21 vor Bernard Koech in 2:08:01, die beiden auf dem Schlussteil gewaltig Zeit verloren und für die schnelle Ouvertüre büßen mussten.

rotterdam-marathon-2015-katoBei den Frauen siegte unangefochten die Japanerin Asami Kato mit neuer Bestzeit von 2:26:30. Bereits bei 30 km hatte sie nach 1:42:36 mit 50 Sekunden Vorsprung in Führung gelegen. Deutlich zurück wurde Gladys Tejeda (PER) in 2:28: 12 Zweite.  (c) Veranstalter

Zwischenzeiten der Spitze:
5 Kilometer 14:33 (14:33)
10 Kilometer 29:04 (14:31)
15 Kilometer 43:49 (14:45)
20 Kilometer 58:47 (14:58)
Halbmarathon 1:02:04
25 Kilometer 1:13:47 (15:00)
30 Kilometer 1:28:53 (15:06)
35 Kilometer 1:43:57 (15:04)
40 Kilometer 1:59:52 (15:55)
 Marathon 2:06:47 (6:55)

 Ergebnisse Männer:

1. Abera Kuma ETH 2:06:47
2. Mark Kiptoo KEN 2:07:21
3. Bernard Koech KEN 2:08:02
4. Abayneh Ayele ETH 2:09:21
5. Feyisa Lilesa ETH 2:09:55
6. Raul Pacheco ETH 2:11:01
7. Reid Coolsaet CAN 2:11:24
8. Asmare Abate ETH 2:12:03
9. Abdi Nageeye NED 2:12:33
10. Mergersa Bacha ETH 2:12:58
11. Tebalu Zawude ETH 2:13:06
12. Michel Butter NED 2:14:02

 

Wien Marathon 2015: Kaum goldener Glanz

logo_vcm_ohne_87pxbreitZu recht sehr stolz ist man beim Vienna City Marathon (VCM) über die Auszeichnung eines „Golden Race Labels“ durch die IAAF, das man sich in den Vorjahren durch außergewöhnliche sportliche Leistungen, Teilnehmerzahlen, gute Organisation und Öffentlichkeitsarbeit sicher verdient hatte. Dass es nicht einfach ist, diesen Status immer wieder zu bestätigen, und die IAAF zum Teil fast inflationär mit ihren Labels um sich wirft, sind dabei die zu akzeptierenden Begleiterscheinungen.

Nachdem im Vorfeld das Elitefeld der Männern durch Absagen geschwächt war, legte man trotzdem bei windigen und etwas zu warmen Bedingungen  mutig los und lag bei 5 km 14:52 bestens in der Zeit. Danach wurde da Tempo aber deutlich moderater, 8 Läufer passierten 10 km nach 30:16. Nur noch 1 Tempomacher (die beiden anderen „Hasen“ hatten schon nach 10 km den Dienst quittiert) und 2 Läufer bildeten bei 15 km die Spitze in 45:13. Überraschend war hier der Streckenrekordler und Vorjahressieger Feleke (2:05:41) schon nicht mehr dabei, mit Muskelproblemen stieg kurz nach 15 km aus dem Rennen.

An der Spitze bei Männern sowie Frauen agierten jetzt nur noch Duos. Bei den Männern wurde das Tempo deutlich erhöht, so dass der Halbmarathon von Sisay Lemma (ETH) und Suleiman Simotwo (KEN) in 1:03:07 passiert wurde. Lemma war erst in Dubai im Januar 2:07:02 gelaufen, Simotwo war Debütant. Bei den Frauen lautete etwas überraschend die Paarung Maja Neuenschwander (SUI) und Fate Tola (ETH), die den Halbmarathon 10 1/2 Minuten später passierten.

Bei 25 km lagt man noch 30 Sekunden hinter der Durchgangszeit zum Kursrekord und Lemma beschleunigte derart rasant, dass er schnell allein war. Der Abschnitt von 25 km nach 30 km war mit herausragenden 14:25 das schnellste Segment des gesamten Laufs. Lemma lag da einsam in Führung und mit einem Split von 1:29:10 auf Kurs von 2:05:25, also deutlich unter Streckenrekord. Während hinter dem Spitzenmann die Verfolger dramatisch einbrachen – sein Mitstreiter hatte so überzogen, dass nur noch 5 km Abschnitte von 16:50 und 18:32 möglich waren – hielt Lemma den Abfall mit 15:39 und 15:31 in Genzen, verlor aber schnell eine Zeit unter 2:06 Stunden aus den Augen. Vor allem die Zeit von 7:07 von der 40 km Marke ins Ziel zeigte das er „platt“ war.

wien-mar-2015-lemmaSisay Lemma gewann in Wien mit 2:07:31.  (c) Veranstalter

Mit einer Zeit von 2:07:31 rettete er noch so halbwegs die Erfolgsbilanz, die ansonsten verheerend war. Hinter Lemma arbeiteten sich noch Duncan Koech (KEN) und Senja Sirai (ETH) nach vorne, ihre Zeiten waren aber für eine Veranstaltung mit diesem Leistungsanspruch indiskutabel: 2:12:14 und 2:12:48. Platz 4 ging an Hosea Kipkemboi (KEN) in 2:13:37 und Platz 5 an den wackren Debütanten Simotwo, der völlig ausgebrannt 2:14:42 lief. Letzterer lief die zweite Hälfte über 8 Minuten langsamer als den ersten Part.

Auch bei den Frauen, wo alle Aktiven über 2:30 einliefen – war die Bilanz bescheiden. Von einem „Golden Race Label“ muss man ganz andere Dimensionen einfordern. Dafür war das Rennen allerdings am Ende sehr spannend. Vor 30 km brach Tola an der Spitze plötzlich ein und Neuenschwander zog davon. Am Ende kamen ihr die anderen Afrikanerinnen im Feld noch sehr nahe, die Schweizerin konnte sich aber in 2:30:09 ins Ziel retten. Knapp dahinter folgten Agnes Mutune (2:30:19) und Esther Chemtai (2:30:32). Platz 4 ging an Caroline Chepkwony in 2:30:36) und dann folgte nach kluger Renneinteilung Vorjahressiegerin Anna Hahner nach 2:30:50. Mehr war für sie an diesem Tag nicht drin.

Im Nachgang lobte der Leiter des VCM, Wolfgang Konrad, die Veranstaltung in höchsten Tönen. In vielen Dingen kann man ihm sicher beipflichten, beim Leistungsniveau ist das schon anders. Auch angesichts der nicht günstigen Bedingungen sind die Resultate der Elite – Männer wie Frauen – ganz schön dünn und nicht „golden“.

 

Männer (Top-10)

1. Sisay Lemma (ETH) 2:07:31 Stunden
2. Duncan Koech (KEN) 2:12:14
3. Siraj Gena (ETH) 2:12:48
4. Hosea Kipkemboi (KEN) 2:13:47
5. Zuleimen Simotwo (KEN) 2:14:42
6. Lkhainouch El Hassane (FRA) 2:14:43
7. Beraki Beyene (ERI) 2:16:43
8. Roman Prodius (MDA) 2:20:07
9. Temesgen Gurmessa (ETH) 2:21:55
10. Mikhail Krassilov (KAZ) 2:22:58
12. Simon Lechleitner (AUT / LG Decker Itter) 2:25:53
21. Philipp Aigner (SU Trattenbach) 2:33:56

Frauen (Top-10)

1. Maja Neuenschwander (SUI) 2:30:09
2. Agnes Mutune (KEN) 2:30:19
3. Esther Chemtai (KEN) 2:30:32
4. Caroline Chepkwony (KEN) 2:30:36
5. Anna Hahner (GER) 2:30:50
6. Rene Kalmer (RSA)2:33:21
7. Fate Tola (ETH) 2:34:43
8. Katarina Beresova (SVK) 2:36:20
9. Christine Kalmer (RSA) 2:39:16
10. Noriko Higuchi (JPN) 2:42:05
17. Natalia Steiger (Leichtathletik Mittelburgenland) 3:08:37
18. Antonia Luchini (Wien) 3:08:45
20. Barbara Scheibelauer (Wien) 3:08:56

Paris, Wien, Rotterdam, etc.: Nicht alle Erwartungen erfüllt. Aber Berlin ist Masters-WR bei den Männern los.

Vor wenigen Minuten ist mit dem Rotterdam Marathon der letzte von vier Marathonäufen durch europäische Metropolen zu Ende gegangen. Lange hatte es in Rotterdam nach einem neuen Kursrekord ausgesehen, denn etwa 15 Läufer passierten die Halbdistanz nach 1:02:05. Danach brach das Tempo bald ein und die im Vorfeld hoch eingeschätzen Topläufer stiegen aus: erst Maiyo dann Kwambei. Eine Dreigruppe kämpfte jenseits der 35 km um den Sieg, den am Ende der Äthiopier Abera Kuma in 2:06:46 vor Mark Kiptoo in 2:07:20 errang. Dritter wurde Bernard Koech in 2:098:02. Die zweite Hälfte wurde somit in 1:04:41 gelaufen, was an der wenig kooperativen Zusammenarbeit der Läufer an der Spitze und vor allem an einem starken Wind mit Böen bis zu 4 m/s gelegen haben mag.

Schon um 8:45 wurde der Paris Marathon gestartet, wo man recht konservativ anging und den Halbmarathon nach 1:03:21 passierte. Als der Kenianer Mike Kigen eine Attacke lief, fiel einer der Favoriten Vincent Kipruto zurück. Bis zur 37 km Marke lag Kigen allein vorne, wurde dann er aber von Mark Korir überholt, der mit einem Starken Finale in guten 2:05:49 gewann.

In Wien stieg der Favorit gleichfalls aus, Getu Feleke  fiel schon vor 15 km zurück und beendete bald danach das Rennen. Die Spitzengruppe fiel völlig auseinander. Nach 25 km lagen noch zwei Läufer vorn, die nur 30 Sekunden hinter dem Streckenrekord zurücklagen. Doch auch als der Äthiopier Sisay Lemma sich absetzen konnte und eine 12 km langen Sololauf startete, konnte der das Tempo nicht halten und erreichte erst nach 2:07:31 das Ziel an der Wiener Hofburg. Die Verfolger lagen weit zurück. Duncan Koech wurde Zweiter nach schwachen 2:12:14.

Damit bleibt bei den Männern die Siegerzeit in Dubai Ende Januar von 2:05:28 weiterhin die schnellste Zeit des Jahres 2015. Man wird wohl bis zum London Marathon warten müssen, bevor diese Marke fallen könnte. Bei den Frauen hat Mare Dibaba gleich zu Anfang des Jahres mit 2:19:52 eine Zeit erzielt, die auch in London erst unterboten werden muss. In Wien bestand da keine Gefahr.

Dafür gab es wie im Vorjahr eine Überraschung. Diesmal war es die Schweizerin Maja Neuenschwander, die in einer spannden Schlußphase von den Afrikanerinnen nicht mehr passiert werden konnte. Sie siegte in allerdings nicht überragenden 2:30:09 vor Agnes Mutune in 2:30:19. Anna Hahner folgte dicht hinter den Erstplatzierten auf Platz 5 in 2:30:50.

milano-mar-2015-mugaraMasters-Weltrekord in Mailand durch Kenneth Mungara.  (c) Veranstalter

Eine kleine Sensation meldet der Mailand Marathon. Dort siegte der bereits 41jährige Kenneth Mungara (KEN) in 2:08:44. Falls diese Zeit bestätigt wird, ist dies ein neuer Masters-Weltrekord bei den Männern, den bisher der Mexikaner Andres Espinoza mit 2:08:46 (Berlin 2003) hielt. Damit sind in diesem Jahr beide Masters-Weltrekorde gefallen, Anfang März lief die Russin Konovalova gleichfalls eine neue Bestmarke im Marathon der Frauen.

Weitere Marathonläufe gab es am Sonntag  in Santiago de Chile, den der Kenianer Luka Rotich in 2:11:51 gewann, und im englischen Seebad Brighton mit dem Sieg von Duncan Maiyo (KEN) in 2:10:15. Und im koreanischen Gunsan war der Kenianer Felix Keny noch schneller und gewann den dortigen Marathon in 2:09:05 vor Mania Gilbert in 2:10:32.

Wien Marathon mit den Vorjahressiegern und insgesamt sovielen Teilnehmern wie die Streckenlänge in Metern

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Soviele Teilnehmer, wie ein Marathon Meter hat, werden an diesem Wochenende in der österreichischen Haupstadt in diversen Wettbewerben am Start sein. Dabei werden aber nur knapp über 9000 Aktive die volle Marathondistanz in Angriff nehmen. Wie dem auch sein, Wien gehört mittlerweile zur Eliteliga und hat den Status eines IAAF Gold Label Road Race.Topstar bei den Männern ist der Äthiopier Getu Feleke, der nicht nur seinen Streckenrekord aus dem letzten Jahr von 2:05:41 sondern auch seine Bestzeit als Zweiter von Rotterdam im Jahr 2012 mit 2:04:50 attackieren will. Im Wettstreit zu dem erst um 10 Uhr gestarteten Rennen in Rotterdam kann es durchaus um eine Jahres-Weltbestzeit gehen, die bereits Ende Januar in Dubai mit 2:05:28 aufgestellt wurde.

Bei den Frauen ist die deutsche Läuferin Anna Hahner wieder dabei, die im letzten sehr überraschend und mit einer großartigen Renneinteilung die ganz ostafrikanische Konkurrenz hinter sich ließ. Ob ihre dieses Kunststück noch einaml gelingen wird, muss man sehen. Die weiteren Läuferinnen werden sich diesmal mit mehr Respekt an Anna orientieren und keinen Einbruch wie im letzten Jahr rsikieren wollen. Der Sieg 2015 dürfte somit ungleich schwerer werden, da auch das Überraschungsmoment kaum noch als taktische Variante eingesetzt werden kann. Übrigens bekommen Beide ihre Trainigsplänge vom italienischen Laufguru Renato Canova.

02_Hahner_FelekeDie Vorjahressieger Anna Hahner und Getu Feleke haben auch 2015 beste Aussichten auf vordere Platzierungen.  (c) VCM

Bei der Tempojagd durften sicherlich einige Herren in der Lage sein, eine schnelle Fahrt mizugehen. Dazu gehören die Äthiopier Sisay Lemma and Siraj Gena mit Bestzeiten von 2:07:06 in Dubai (2015) und von 2:08:31. Das äthiopische Spitzentrio bekommt die vielleicht größte Konkurrenz vom Kenianer Duncan Koech mit einem Hausrekord von 2:07:53 als Vierter in Wien im letzten Jahr.

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Die Tempogestaltung bei den Männern: Ein sehr konservatives Anlaufen mit der Hoffnung auf einen massiven neagtiven Split.  (c) Alberto Stretti

Bei den Frauen wird es wieder zum Duell Anna Hahner gegen Caroline Chepkwony kommen. Dabei profitierte Anna vom völligen Leistungseinbruch der Kenianerin im Schlußpart. Im Ziel war Chepkwony derart erschöpft, dass sie mit Infusionen medizinisch betreut werden musste. Das Nachspiel mit einem Dopingbefund konnte erfreulicherweise auf die Infusion zurückgeführt werden. Caroline war und geht sehr wahrscheinlich auch „clean“ ins Rennen.

Ob allerdings die Siegerzeit von 2:28:59 aus dem letzten Jahr für den Sieg ausreichen wird, dürfte sehr zu bezweifeln sein. Mit Fate Tola (ETH) und Ester Chemtai (KEN) sind diesmal Frauen dabei, die schon 2:25:41 und 2:28:41 gelaufen sind. Die 25jährige Anna Hahner wird sicherlich im Bereich ihrer Bestzeit von 2:26:44  oder sogar schnellerlaufen müssen, um vorne mit dabei zu sein.

Großartiger „Bier-Meilen-Weltrekord“ mit unter 5 Minuten

Während aktuell vor allem die Marathonszene zu Tempojagden durch die Innenstädte bläst, gibt es im Laufsektor auch noch Dinge, die mit weniger (Bier-)Ernst betrieben werden. Und wenn dann noch ein Weltrekord dabei herausspringt, ist das umso besser.

James „The Beast“ Hansen (AUS), ein Kampftrinker der Extraklasse, schaffte am 2. April 2015 die Meile in der Fabelzeit von 4:56.25  und verbesserte damit den Weltrekord in dieser Disziplin von 4:57,0 eines Amerikaners. Er blieb damit als zweiter Mensch unter der 5 Minuten-Schallmauer. Da werden Erinnerungen an den großen Roger Bannister wach, der – allerdings ohne die obligatorische Aufnahme von Flüssigkeit – erstmals unter 4 Minuten blieb.

Wie großartig die Leistung des „Bannisters des Trinksports“ ist, veranschaulicht schon die Tatsache, dass der Mann mit der gewaltigen Kehle vor jeder 400 m Runde auf der Bahn geschlagene 12 Unzen (355 ml) aus Dose oder Flasche herunterspülen muss, bevor die Fahrt weiter gehen kann. Bei 1 Meile = 1609,344 m sind das immerhin 4 volle Einheiten; d.h. der gute Mann  nimmt also in dieser Zeit 4 x 355 ml = 1,42 Liter auf. Das wäre schon an einem Abend in einem Biergarten oder sonstwo eine sehr respektable Leistung.

James kippt diese Menge in weniger als 5 Minuten in sich hinein und hat dabei auch noch eine volle Meile hinter sich gebracht. Unglaublich.

Genauso erwähnenswert bleibt die absolute Laufleistung. Allein 1 Meile in 4:56.25 zu laufen, ist nicht ohne. Dies entspricht 3:04 Minuten über 1000 m, was für Freizeitsportler schon eine Herausforderung darstellt. Wenn man dann noch die Trinkpausen einbezieht, müssen Kandidaten für derartige Leistungen schon in der Lage sein, die 1000 m problemlos um 2:30 oder schneller zu laufen. Dies schränkt den Kreis der Aspiranten stark ein, ausgewiesene Trinker ohne hochkarätigen läuferischen Hintergrund hätten nicht in Ansätzen eine Chance auf gute Leistungen. Somit ist es dann auch kaum verwunderlich, dass der neue Weltrekordler eine Zeit von 3:40 über 1500 m im Visier hat und bemüht ist, sich für Australien bei Olympia in Rio zu qualifizieren (über 1500 m, auf die Anerkennung der Bier-Meile als olympische Disziplin dürfte er noch einige Zeit warten müssen).

Auch Frauen sind in dieser Disziplin aktiv, dort liegt die Weltbestmarke durch Beth Herndon (USA) derzeit bei 6:17,8. Im Rahmen der Gleichstellung trinken mittlerweile auch die Frauen viermal, in einer frühen Phase der „Bier-Meile“ hatte man ihnen die erste Dose oder Flasche noch erlassen. Das ist lange Geschichte, auch die Frauen schlucken 1,42 Liter und laufen dabei noch einen 4 Minuten Schnitt über den Kilometer. Auch dies ist beeindruckend.

Zu den Regeln sei noch angemerkt, dass die Flüssigkeit jeweils in einer 10 m langen „Trinkzone“ aufzunehmen ist, der Sportler kann also die Dose oder Flasche nicht mit auf die Laufrunde nehmen. Im Klartext: Saufen und Laufen sind bei dieser Disziplin wohl separiert. Zum Trinken muss der Läufer völlig abstoppen.

In Bezug auf den Marathonlauf der Spitzenklasse würde bei einem Tempo von 4:57 pro Meile der trinkende Läufer immerhin im Bereich von 2:10 Stunden ins Ziel kommen. Das Problem eines Bier-Marathons wären allerdings die etwa 40 Liter (ein ganzes Faß), die bei unveränderten Regeln zu konsumieren wären. Vermutlich fällt da noch eher die 2 Stundengrenze im Marathon als die alkoholische „Traummarke“.

Abschließend noch der Hinweis, dass bei dieser vor allem in den USA populären Sportart das Bier der Firma „Budweiser“ mit Abstand am häufigsten zum Einsatz kommt.

Ein Video vom Rekordlauf gibt es unter: https://www.youtube.com/watch?v=xPUThNHDeck#t=199

beer-mile-2015-wrSo sieht ein Weltrekordler aus, der 12 oz (Unze) Bier – 400 m – 12 oz – 400 m- 12 oz – 400 m – 12 oz – 409,344 m in einer Zeit von 4:56.25 schafft (ist etwa ein 3:04 Minuten Tempo pro km): James Hansen holte den Rekord zurück nach Australien.  (c) privat

Hier das Reglement:
1. Each competitor drinks four cans of beer and runs four laps, ideally on a track (start – beer, then lap, then beer, then lap, then beer, then lap – finish).
2. Beer must be consumed before the lap is begun, within the transition area which is the 10 meter zone before the start/finish line on a 400m track.
3. The race begins with the drinking of the first beer in the last meter of the transition zone to ensure the comptitors run a complete mile (1609 meters).
4. Women also drink four beers in four laps (past rule lists only required ladies to drink three beers).
5. Competitors must drink canned beer and the cans should not be less than 355ml (the standard can volume) or 12oz (the imperial equivalent). Bottles may be substituted for cans as long as they are at least 12 oz (355 ml) in volume.
6. No specialized cans or bottles may be used that give an advantage by allowing the beer to pour at a faster rate. ie „super mega mouth cans“ or „wide mouth bottles“ are prohibited.
7. Beer cans must not be tampered with in any manner, ie. no shotgunning or puncturing of the can except for opening the can by the tab at the top. The same applies with bottles – no straws or other aids are allowed in order to aid in the speed of pouring.
8. Beer must be a minimum of 5% alcohol by volume. Hard ciders and lemonades will not suffice. The beer must be a fermented alcoholic beverage brewed from malted cereal grains and flavored with hops. For an abbreviated list of valid beers and exceptions, click here.
9. Each beer can must not be opened until the competitor enters the transition zone on each lap.
10. Competitors who vomit before they finish the race must complete one penalty lap at the end of the race (immediately after the completion of their 4th lap). Note: Vomitting more than once during the race still requires only one penalty lap at the end. * It is strongly recommended, when attempting official records, to tip the empty beer can or bottle over your head at the end of a chug to verify an empty vessel.

Paris Marathon ohne Moses Mosop, aber neun Läufern unter 2:07

paris-marathon-2015-logoNachdem 2014 der Paris Marathon durch das Debut von Superstar Kenesisa Bekele für Furore sorgte, sollte es diesmal vor allem der Start des schnellen Kenianers Moses Mosop sein, der seine aktuell gute Form bereits im Januar im chinesischen Xiamen mit einer 2:06er Zeit demonstrierte. Mosop ist aber auf der neusten Startliste in Paris nicht mehr zu finden.

Aber auch trotz dieser Absage wird in Paris wieder ein Elitefeld internationaler Klasse an den Start gehen. Dies belegen schon allein neun Läufer mit Bestzeiten von unter 2:07, der Schwelle zur internationalen Spitzenklasse. Mit Mosop, der schon vor einiger Zeit wegen einer Verletzung absagen musste, wären dies sogar 10 Läufer gewesen. Damit könnte es bei günstigen Verlauf durchaus in den Bereich des Streckenrekords gehen, den Bekele letztes Jahr mit 2:05:04 aufstellte. Auf jeden Fall wurde in den letzten Jahren das Rennen stets schnell begonnen und im Mittelteil sogar noch forciert. Das Problem ist das letzte Viertel mit vielen Unterführung und langen welligen Passagen durch Parks.

Als erster Anwärter auf eine Topplatzierung ist der Kenianer Vincent Kipruto zu nennen, der in 2:05:13 in Paris gewann. Das war allerdings schon 2009, danach war seine Bilanz eher durchwachsen und von einigen  DNFs begleitet.

Deresse Chimsa (ETH) lief 2012 in Dubai 2:05:42 und gewann im gleichen Jahr in Prag in 2:06:25. Laban Korir (KEN) schaffte bisher 2:06:05 (Amsterdam 2012), Gilbert Kirwa (KEN) 2:06:14 als Frankfurt-Sieger 2009, Seboka Tola (ETH) 2:06:17 als Neunter 2012 in Dubai. Die weiteren sub-2:07 Läufer sind Raji Assefa (ETH) als Zweiter in Paris in 2012 in 2:06:24, Chala Dechasa (ETH) in 2:06:33 (Dubai 2010), Limenih Getachew (ETH) als Zweiter des Vorjahres in Paris mit 2:06:49 sowie Mike Kigen (KEN) mit 2:06:59, die er beim letzten Frankfurt Marathon lief.

Auch bei den Frauen sind Topathleten dabei, die den Streckenrekord in Paris von 2:21:06 aus dem Jahr ins Visier nehmen könnten. Die besten Aussichten auf schnelle Zeiten und den Sieg haben Mulu Seboka (ETH), die 2014 in Dubai mit 2:21:56 gewann, sowie Atsede Baysa (ETH), die 2009 und 2010 in Paris Erste wurde. Ihre Bestzeit liegt bei 2:22:03.

Auf Autobahnen und Laufstrecken: Der Schwachsinn einer „Maut“

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Bei dem Plan zur Erhebung von „Mautgebühren“ für Laufveranstaltungen droht dem DLV ein Desaster.

„Die (Autobahn-) Maut ist Irrsinn, politisch und ökonomisch“, konnte man in der ZEIT vom 26.März 2015 lesen. Und weiter: „Die Abgeordneten werden für ein Gesetz stimmen, das sie in der Mehrheit für falsch halten, das jeder Vernunft entbehrt und mit dem sich Deutschland in Europa lächerlich macht“.

Etwa zur gleichen Zeit hatte der Deutsche Leichtathletik Verband (kurz: DLV) – genauer dessen Vorstand – eigenmächtig beschlossen, die Abgaben für Laufveranstaltungen an den Verband ohne nachvollziehbare Begründung drastisch zu erhöhen. Die „Maut“ für die Laufstrecken auf den Straßen der Republik, aber auch durch deren Wälder und Fluren soll unabänderlich am 1. Januar 2016 kommen. Deutschland, ein einig „Maut-Land“!

Doch während der Maut-Schwachsinn auf den Autobahnen durch parteipolitische Zwänge durchgedrückt wird und dem Wähler als Erfolg präsentiert wird, scheinen im sportlichen Bereich die basisdemokratischen Mechanismen noch zu funktionieren. Dort haben sich mittlerweile die Dinge derart zugespitzt, dass die Entwicklungen dem DLV zu einem Desaster geraten werden. Durch Fehleinschätzungen, Machtgehabe und am Ende Sturheit hat der Verband diesen Status selbst verschuldet. Dies dürfte den organisatorischen Rahmen von Laufveranstaltungen im Lande nachhaltig verändern. Und auch wenn man das die (wenigen) Damen und Herren in den Verbänden noch gar nicht realisiert haben: Die Sache mit der Maut ist längst „gelaufen“. Gegen den DLV!

Wir sind das (Läufer-)Volk !

Wie in der Politik bediente sich der DLV in Sachen „Maut“ den bewährten Mechanismen, die Basis mit Entscheidungen zu überrumpeln und vermeintlich unabänderliche Fakten zu schaffen. Leider funktioniert dieses Vorgehen in fast allen Fällen, vor allem auch deshalb, weil die Betroffenen oft zu spät realisieren, was da auf sie zukommt. Und in der Tat haben vor allem viele Organisatoren von „kleineren“ Laufveranstaltungen immer noch nicht begriffen, was mit der „Lauf-Maut“ auf sie zukommt.

Dabei hatte Walter Wagner, der mit großem Engagement die Homepage „laufreport.de“ betreibt, schon vor Jahresfrist auf die Konsequenzen dieser einsamen Beschlüsse des DLV hingewiesen. Doch ein einsamer Mahner schien verloren gegen einen mächtigen Verband zu sein. Deshalb dauerte es noch eine Weile bis sich Protest auf einer breiteren Ebene artikulierte. Hier war es insb. die von der Entscheidung des DLV massiv betroffene Vereinigung der deutschen Straßenläufe (German Road Races e.V.), die sich zunehmend zu diesem Thema artikulierte und steigende Solidarität unter der Betroffenen erreichen konnte.

Horst Milde, der Sprecher der German Road Races, konnte mit bewundernswertem Einsatz und Ausdauer dieses Thema immer mehr Betroffenen vermitteln. Eine für den DLV denkbar ungünstige Konstellation, denn hier hatte er sich einen „Gegner“ geschaffen, dem es um die Sache ging und dabei über eine Kompetenz in Sachen Laufsport verfügt, die in den Reihen des DLV auch nicht in Ansätzen zu finden ist. Nicht nur der Berlin Marathon – eine Veranstaltung von Weltgeltung – ist das Lebenswerk dieses rüstigen Seniors. Und wenn er sich eines Themas in Sachen Laufsport annimmt, dann kann man sicher sein, dass er dies mit Konsequenz verfolgt.
Er ist längst als Schaltstelle einer Bewegung gegen die Beschlüsse des Verbandsrats des DLV im Sommer 2014 geworden, ab 1.1.2016 bundeseinheitlich eine Gebühr von 1 Euro pro Finisher bei Volks-und Straßenläufen zu verlangen. Je nach Veranstaltung bedeutet dies eine Erhöhung der Abgaben um mehrere 100 %. Im Klartext: Ob ein Waldlauf mit selbst geklebten Startnummern für gut 100 Teilnehmer oder ein Lauf durch Innenstädte mit mehreren 1000 Aktiven (und der dazu notwendigen professionellen Logistik) werden in gleicher Weise zur Kasse gebeten. Ein Unding!

Dabei ist es vor allem die Konzeptionslosigkeit dieses einsamen Beschlusses, die alle Betroffenen sprachlos macht. Bis heute hatten es der DLV und seine Landesverbände nicht für nötig befunden, dezidiert darzulegen, wie mit den zusätzlichen Geldern konkret verfahren wird und in welcher Form der Laufsport davon profitiert. Da wäre in der Tat viel zu tun, aber vom DLV sah man davon bisher wenig.

Dass der DLV ein gestörtes Verhältnis zur Laufbewegung hat und viele Entwicklungen schlichtweg verschlafen hat, ist offensichtlich. Daran ändert z.B. auch eine hastig installierte und lieblose Webseite „laufen.de“ wenig. Wer sich aktuell regionale „Meisterschaften“ oder ähnliches in der (Bahn-)Leichtathletik anschaut, wird schnell erkennen, dass die Leichtathletik schon lange keine „Kernsportart“ mehr ist. Auch bei noch so anerkennenswertem Einsatz vieler ehrenamtlicher Kräfte bricht dem DLV besonders jenseits einer kleinen Elite die Basis massiv weg. Dass sich dies im Laufsektor besonders im Erwachsenenbereich ganz anders entwickelt hat, wird sich auch im Verband herumgesprochen haben. Beigetragen hat der DLV zu diesen Entwicklungen aber wenig. Vorreiter waren diesbezüglich ganz andere Gruppierungen.

Im Bemühen verlorenes Terrain für sich zu reklamieren, beruft man sich auf sein Monopol in Sachen Leibesertüchtigung und demonstriert mit dem einsamen Beschluss der „Maut“ seine Stärke. Nur so ist zu verstehen, dass man eine erste Welle von Kritik im Keim zu ersticken meint, wenn man kompromisslos zu den gefassten Beschlüssen steht. Dabei hat man augenscheinlich verkannt, welche Dynamik die Thematik schon aufgenommen hat.
Vor allem der offene Brief der Präsidentin des Hessischen Leichtathletikverbandes (HLV) Frau Anja Wolf-Blanke zeigt sehr deutlich, wie wenig man in den oberen Etagen der Verbände vom Kern des Problems versteht. Die gute Frau beschwört das „hohe Gute des organisierten Sports“, wo doch gerade ihr Verband dieses mit dem „Maut“-Beschluss mit Füßen tritt. Wenn sie dann noch anderen Organisationsformen „Gewinnmaximierung“ vorwirft und dabei explizit die German Road Races benennt, ist das mehr als empörend.

Vielleicht wäre hilfreich der wackeren Frau Präsidentin einmal zu erklären: Wer „kleinen“ Veranstalter und Lauftreffs die Möglichkeit gibt, sich in der Öffentlichkeit darzustellen und für Läufe zu werben. Wo „Inklusion“ seit langem aktiv gelebt wird und nicht als Instrument einer Selbstinszenierung missbraucht wird. Wo innovative Ideen auch vor Gefängnismauern nicht haltmachen und einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung leisten. Wo die Unterstützung von Flüchtlingen sich nicht nur auf die Belegung von Turnhallen beschränkt, sondern auch deren gemeinsame Nutzung einbezieht. Liebe Frau Präsidentin, der DLV leistet oder koordiniert diese Arbeit an der Basis jedenfalls nicht.

Doch der Gipfel der präsidialen Argumentationskette ist dann der Hinweis, dass „Vereine und Verbände Non-Profit-Organisationen sind, die gemeinnützig und überwiegend ehrenamtlich einen unbezahlbaren Mehrwert für unsere Gesellschaft schaffen. Für „kleines“ Geld profitieren ungezählte Sportlerinnen und Sportler von den vielfältigen Serviceleistungen der Vereine und Verbände“.

Was „Ehrenamt“ bedeutet, muss man den Veranstaltern an der Basis kaum erklären. Die rennen wegen kleiner Preise vom lokalen Bäcker bis zu Apotheker, lassen die Mitglieder Kuchen backen, markieren in aller Frühe Strecken und vieles mehr. Am Ende bleibt fast nichts für die Vereinskasse übrig, „Gewinnmaximierung“ vollzieht sich hier vor allem auf ideeller Basis. Allein die Gewissheit, vielen Menschen die Freude an der Bewegung zu vermitteln, ist Lohn genug.
Vom DLV sehen die Veranstalter wenig (siehe auch unten). Aber genau diese Klientel ist von den einsamen Beschlüssen am stärksten betroffen. Der eine Euro kann man nach Ansicht des DLV auf das Startgeld aufschlagen. Warum man aber gerade an der Basis eine massive Gebührenerhöhung umsetzt, scheint eher eine „Gewinn-Maximierung“ seitens des DLV zu sein. Und dies ist der eigentliche Skandal in Sachen „Maut“.

Wenn man Ende März am Stand des Rhein-Ruhr Marathon in Duisburg auf der Messe beim Berliner Halbmarathon dessen Organisator Bernd Düngen erlebt, fällt es schwer zu glauben, hier einen Mann vor sich zu haben, der gezielte „Gewinnmaximierung“ betreibt. Auch seine Veranstaltung hat sich den German Road Races angeschlossen, die sich in den letzten Jahren in Sachen Straßenlauf zu einem gewichtigen Gegenpart zum DLV und dessen Interessen entwickelt haben. Düngen hat in einem vielseitigen Papier Kernpunkte der Problematik zusammengefasst, die den Unsinn mit der „Maut“ sehr sachlich belegen. Sein Schreiben hat beim zuständigen Landesverband für erheblichen Wirbel gesorgt. Aber anstelle sich mit seiner sachlich formulierten Kritik auseinander zu setzen, drehte man ihm auf einer Tagung seines Landesverbandes das Mikrofon ab. Auch so kann man von Verbandsseite mit dem Problem umgehen. Aus der Welt schaffen lässt es sich schon lange nicht mehr.

Angesichts der Entschlossenheit an der „Basis“ sollten beim DLV eigentlich die Alarmglocken läuten. Aus einem moderaten Gegenwind ist mittlerweile ein satter Orkan geworden, der die (Lauf-)Landschaft maßgeblich verändert dürfte. Die Bereitschaft, Läufe nicht mehr anzumelden und sich sogar aus dem Verband zu lösen, hat einen solchen Grad an Entschlossenheit erreicht, dass ein Zurück kaum noch möglich scheint. Juristische Drohungen sind in solchen Fällen oft ein letztes Mittel, helfen aber kaum. Wer nicht im Verband ist, dem kann der DLV auch nichts vorschreiben, geschweige denn zur Kasse bitten. So die simpel ist die Quintessenz der juristischen Expertisen. Die „wilden“ Veranstalter wird der DLV auch mit solchen Drohungen kaum an die Kette legen.

Ferner sind die vom DLV vorgebrachten Argumente für eine Verwendung der „Maut“ wenig stichhaltig und entbehren jeder Konzeption. Von den vielen Beiträgen zu diesem Punkt in Foren, Presse, etc. sei hier stellvertretend ein Beitrag vom 11. März 2015 aus den „Kieler Neueste Nachrichten“ zitiert. Viel treffender kann man die Dinge nicht auf den Punkt bringen.
„Eine Vervierfachung der Gebühr lehnt der Leiter des Krooger Jugendtreffs aber mit Nachdruck ab, wie er an unsere Zeitung schreibt: Wir Volkslaufveranstalter wollen Volkssport wortwörtlich fördern, jeder soll mitmachen dürfen ohne große Leistungsfähigkeit oder Vereinszugehörigkeit. Uns als Volkslaufveranstalter interessieren auch wenig die Fortbildungen von Kampfrichtern (die brauchen wir nicht) und Übungsleitern (die haben wir nicht), Ausrichtung von DLV-Kongressen (die kennen wir nicht), wir möchten mit unserer Bewegung als Volkssport nur bedingt Spitzensportler in Trainingslagern fördern, sind denen aber sehr freundschaftlich verbunden, erst recht wenn sie bei uns starten.“

Dem ist in der Tat kaum etwas hinzuzufügen. Wenn überhaupt, dann noch der Hinweis, dass in vielen Äußerungen der Wille sichtbar wird, im Ernstfall den Verband zu verlassen. Die Offenheit und Entschlossenheit, mit der dies öffentlich geäußert wird, sollte dem DLV mehr als zu denken geben. Viel Zeit zum Handeln bleibt nicht. Und ein revidiertes Konzept zur „Maut“ müsste schon sehr stimmig sein. Aktuell ist Letzteres aber kaum vorstellbar.
Somit darf man auf die Entwicklungen in Sachen „Maut“ in der nächsten Zeit sehr gespannt sein. Das (Lauf-)Jahr 2015 wird sicherlich ein sehr ereignisreiches werden, vor allem auch jenseits der Laufstrecken.